Negativzinsen sind inzwischen ein reales Phänomen. Die Zinsschmelze hat spürbare Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung in Unternehmen, auch in Hinblick auf Liquiditätserfordernisse. 

Das nun schon seit Jahren anhaltende Niedrigzinsumfeld hat einen seit Längerem beobachtbaren Trend zusätzlich befeuert, Risiken für den Arbeitgeber in bestehenden Pensionszusagen durch entsprechende Umgestaltung zu reduzieren. Moderne Zusagen zielen auf eine attraktive Versorgung für Arbeitnehmer ab, wobei gleichzeitig Kosten und Risiken für den Arbeitgeber überschaubar bleiben sollen. Ältere Zusagen sehen dagegen oftmals noch hohe Zinsgarantien oder großzügige, endgehaltsabhängige Leistungen vor. Die daraus erwachsenen Pensionsverpflichtungen können heute eine große Belastung für Unternehmen darstellen. Zusätzlich hat das Niedrigzinsumfeld ganz neue Risiken zutage gefördert, teilweise auch bei Zusagen, die in früheren Zeiten im Allgemeinen als risikolos eingeschätzt wurden.

Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds auf Direktzusagen

Unternehmen mit rückstellungsfinanzierten Pensionszusagen spüren die bilanziellen Auswirkungen der Niedrigzinsphase schon seit Längerem. Der stetig absinkende Rechnungszins hat bei rückstellungsfinanzierten Zusagen, die nicht mit speziell dafür reserviertem Deckungskapital unterlegt sind, zwar keine Auswirkung auf die Höhe der auszuzahlenden Renten, führt aber zu kontinuierlich ansteigenden Pensionsrückstellungen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Kennzahlen, Jahresergebnis und Gewinnausschüttungen.  

Höhere Liquiditätserfordernisse als ursprünglich erwartet können sich dagegen bei Direktzusagen ergeben, für die Rückdeckungsversicherungen zur Abdeckung der Verpflichtungen abgeschlossen wurden. Der Hauptgrund dafür ist der vor allem seit Anfang der 2000er-Jahre zu beobachtende massive Rückgang der in den Rückdeckungsversicherungen entstehenden Überschüsse. Rentieren sich diese Verträge weniger gut als ursprünglich prognostiziert, führt dies bei entsprechenden Zusagen dazu, dass der Arbeitgeber diese Lücke aus anderen Mitteln schließen muss. 

Die Subsidiärhaftung bei mittelbaren Durchführungswegen

Generell hat die Lebensversicherungsbranche derzeit mit den niedrigen Marktzinsen zu kämpfen, da viele ältere Verträge auf hohen Garantiezinsen basieren, die am Kapitalmarkt derzeit kaum erzielt werden können. Dieses Problem trifft vor allem auf regulierte Pensionskassen zu, da diese in der Vergangenheit häufig ihre Leistungen mit einem höheren als dem amtlichen Höchstrechnungszins kalkuliert haben. Kein Wunder also, dass mehrere Pensionskassen bereits Leistungen reduzieren mussten und mit Sanierungsbemühungen befasst sind. 

Da Arbeitgeber über die sogenannte Subsidiärhaftung für die von ihm zugesagten Pensionsleistungen auch dann einzustehen haben, wenn die Durchführung nicht unmittelbar über ihn erfolgt und ein Finanzierungsvehikel (zum Beispiel Pensions- oder Unterstützungskasse) zwischengeschaltet ist, müssen Arbeitgeber eventuelle Leistungskürzungen mit zusätzlichen Mitteln aus dem Gesellschaftsvermögen ausgleichen. Diese Einstandspflicht war in der Vergangenheit bei versicherungsförmiger Durchführung der betrieblichen Altersversorgung nur theoretischer Natur. Entsprechend wurden solche Zusagen regelmäßig als quasi risikolose Beitragszusage eingestuft, für die keine Rückstellungen in der Bilanz zu bilden sind. Dass dies in der heutigen Welt im Allgemeinen so nicht mehr zutrifft, musste so manches Unternehmen bereits schmerzlich feststellen. 

Langlebigkeitsrisiken

Zudem rückt zunehmend das Langlebigkeitsrisiko in den Fokus. Während vor allem im angelsächsischen Raum längst verschiedene Sterbetafeln Anwendung finden, wurde für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen in Deutschland in der Vergangenheit fast ausschließlich die Sterbetafel von Heubeck angewendet, aktuell die Heubeck-Richttafeln 2018G. 

Zur Herleitung der Heubeck-Tafeln wurde umfangreiches Ausgangsmaterial erhoben, um den von der betrieblichen Altersversorgung begünstigten Personenkreis als Gesamtes möglichst allgemeingültig darzustellen. Gleichwohl sind die Heubeck-Tafeln je nach Zusammensetzung des Bestands der Pensionsberechtigten nicht für alle Situationen gleichermaßen passend. Es ist beispielsweise empirisch belegbar, dass höhere Einkommen (Renten) tendenziell mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen. Für entsprechende Personenkreise ist es daher möglich, dass die Standard Heubeck-Sterbetafeln das Langlebigkeitsrisiko unterschätzen. Das heißt Renten wären über längere Zeiträume auszuzahlen als erwartet, was dann entsprechende Auswirkungen auf Bilanzierung und Finanzierung hat. Sinnvolle Instrumente können in diesem Zusammenhang beispielsweise Cash-Flow Analysen mit unterschiedlichen Annahmen bzgl. der Langlebigkeit der Pensionsberechtigten sein. 

Lösungsansätze

Wie in der Praxis mit den oben skizzierten Problemen umgegangen wird, hängt von der jeweiligen Situation des Unternehmens ab. Manche Unternehmen halten explizit am Durchführungsweg Direktzusage fest und steuern über ein professionelles Asset-Liability-Management den Aufbau der Finanzierungsmittel in Abhängigkeit von der Struktur der Versorgungsverpflichtungen, häufig gekoppelt mit einer Treuhandlösung (Contractual Trust Arrangement), um eine bilanzielle Entlastung zu erwirken. Andere Unternehmen verfolgen die Auslagerung von Direktzusagen über einen Pensionsfonds (Past Service) und eine Unterstützungskasse (Future Service) oder die Auslagerung von Versorgungsverpflichtungen in eine Rentnergesellschaft. Häufig wird auch das Schließen von Plänen oder deren inhaltliche Umgestaltung wie auch der Wechsel von externen Versorgungsträgern geprüft. Oft stellt auch eine Kombination verschiedener Maßnahmen die für das konkrete Unternehmen am besten passende Lösung dar. 

Fazit

Die Niedrigzinsphase mit ihren Konsequenzen für die betriebliche Altersversorgung berührt Unternehmen bilanziell und materiell. Dieses Thema sollten Unternehmen gerade auch im Hinblick auf zukünftige Liquiditätserfordernisse im Blick haben, wobei insbesondere folgende Fragestellungen im Fokus stehen sollten: 

  • Welche betrieblichen Versorgungszusagen bestehen im Unternehmen?
  • Wie sind diese finanziert?
  • Wie entwickeln sich Pensionsrückstellungen und wie ihnen zugeordnete Finanzierungstitel bilanziell und materiell? 
  • Wie sieht das Auszahlungsprofil für Pensions-Leistungen über die nächsten Jahre aus?
  • Welche Optionen bestehen, um eine Fehlentwicklung einzugrenzen?
  • Im Fall externer Versorgungsträger wie Pensionskassen oder rückgedeckter Unterstützungskassen: Wie steht es um die finanzielle Lage des Versorgungsträgers? Ist mit Kürzungen bei Anwartschaften oder gar Leistungen zu rechnen? Wenn ja, sollte dies vorausschauend eingeplant werden bzw. sollten Handlungsoptionen für den weiteren Umgang der betrieblichen Altersversorgung eruiert werden.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Analyse sowie der Erarbeitung passgenauer Lösungen für Ihr Unternehmen. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 114, September 2021
Autoren: Dr. Claudia Veh, Director, Deal Advisory Pensions, KPMG AG; Michael Nagel, Senior Manager, Deal Advisory Pensions, KPMG AG