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Unterschiede zwischen handelsrechtlichem Zinsergebnis und steuerlichem Zinsbegriff

Unterschiede Zinsergebnis, Zinsbegriff

Chancen erkennen, Risiken vermeiden

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Treasury meets Tax

Hintergrund

Bei der Absicherung von Darlehen mittels Zins- oder Währungsabsicherungsgeschäften kann im handelsrechtlichen Ergebnis Zinsaufwand oder -ertrag enthalten sein, der sich sowohl aus den Zahlungsströmen der Darlehensvereinbarung selbst als auch den Zahlungsströmen des Absicherungsgeschäfts zusammensetzt.

Diese unter bestimmten Voraussetzungen zulässige Allokation von Absicherungsergebnissen bzw. Elementen hieraus zum Zinsergebnis in der Handelsbilanz ist für steuerliche Zwecke hingegen mit Vorsicht zu begegnen und darf nicht unreflektiert bei der Ermittlung der steuerlichen Bemessungsgrundlagen übernommen werden.

Dem Unternehmer sind mit der sogenannten Zinsschranke Grenzen beim Abzug des Zinsaufwandsüberschusses gesetzt. Dieser darf unter Berücksichtigung einer dem Steuerpflichtigen zugesprochenen Freigrenze von EUR 3 Mio. nur bis zu 30% des steuerlichen EBITDA abgezogen werden. Zusätzlicher Zinsaufwand ist damit auch potenziell abzugsbeschränkter Aufwand, zusätzlicher Zinsertrag erhöht das Potenzial für einen weiteren Zinsabzug. Als Zinsaufwendungen gelten dabei alle Vergütungen für Fremdkapital und als Zinserträge die Erträge aus Kapitalforderungen jeder Art. 

Nach den Zinsschrankenvorschriften verbleibender abzugsfähiger Zinsaufwand unterliegt für Zwecke der Ermittlung des gewerbesteuerpflichtigen Ertrags als Entgelt für Schulden einer 25%igen Hinzurechnung, so dass im Ergebnis lediglich 75% der Zinsaufwendungen bei der Gewerbesteuer abziehbar sind. Eine vorherige Verrechnung mit Zinserträgen findet, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hier nicht statt.

Dies vorausgeschickt ist es evident, dass der handelsrechtlich im Zinsergebnis ausgewiesene Bestandteil der Gewinn- und Verlustrechnung auf die steuerliche Qualität als Zinsaufwand bzw. Zinsertrag hin zu prüfen ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn Ergebnisse aus derivativen Sicherungsgeschäften, sei es bezogen auf Zins- oder Währungsrisiken, im Zinsergebnis erfasst worden sind.

Beispiel – Drohende Übermaßbesteuerung bei Fremdwährungsdarlehensabsicherung durch FX Forwards

Ein Unternehmen vergibt ein auf Fremdwährung lautendes Darlehen und sichert sich durch einen FX Forward gegen die Währungsrisiken aus der Darlehensforderung ab. Darlehen und FX Forward werden zulässig als Teil einer Bewertungseinheit nach § 254 HGB behandelt.

Die laufenden Ausgleichszahlungen bei der jährlichen Glattstellung der rollierenden FX Forwards werden aufgrund der Bewertungseinheit erfolgsneutral über eine Auf- oder Abstockung des Darlehensbuchwerts erfasst. Die sich im Zeitpunkt des Abschlusses der einzelnen FX Forwards ergebene Differenz zwischen Kassa- und Terminkurs (sog. „Swapsatz“) wird hingegen als laufzeitabhängige Ergebniskomponente der Absicherung (Zinssatzdifferenz) ergebniswirksam im laufenden handelsrechtlichen Zinsergebnis abgebildet. Hierbei kann in Abhängigkeit des abgesicherten Währungspaares und der währungsimmanenten Zinssatzdifferenzen handelsbilanziell entweder Zinsaufwand oder Zinsertrag entstehen.

Steuerlich liegt es indes eher fern, aus einem Absicherungsgeschäft, dem kein Kapitalüberlassungsverhältnis zugrunde liegt, Zinsaufwand oder -ertrag entspringen zu lassen. Es fehlt schlicht an einem Entgelt für Fremdkapital oder einem Ertrag aus einer Kapitalforderung. Dies gilt unseres Erachtens erst recht, wenn das Währungsrisiko und nicht primär das Zinsänderungsrisiko aus dem Darlehen abgesichert wird. 

Abwegig erscheint vor dem Hintergrund der im Beispiel erfolgten Darlehensgewährung, daraus einen Zinsaufwand entstehen zu lassen, da das Unternehmen bezogen auf das Grundgeschäft ja gerade keine Vergütung für eine Kapitalüberlassung zu entrichten hat. Auch die Annahme, in einem „negativen“ Swapsatz eine den Zinsertrag aus dem Darlehen reduzierenden negativen Zinsertrag zu sehen, kann mit der steuerlichen Zinsdefinition schwerlich begründet werden. Selbst wenn man diesen Schritt im Hinblick auf die wirtschaftliche Verflechtung von Darlehen und FX Forward unter Umständen gehen wollte, wäre es unseres Erachtens jedenfalls verfehlt, den „Zinsaufwand“ aus dem Absicherungsgeschäft ohne Verrechnung mit den Zinserträgen aus dem Darlehen der gewerbesteuerlichen 25%igen Schuldzinshinzurechnung zu unterwerfen.

Die Analyse der genauen Zusammenhänge ist deshalb unabdingbar, um Substanzbesteuerungseffekte zu vermeiden.

Risiko unzulässiger Zinsaufwandsminderungen

Andersherum muss der Steuerpflichtige Acht geben, dass die ungefilterte Übernahme von handelsrechtlichem Zinsergebnis nicht zu unzulässigen Kürzungen von steuerlichem Zinsaufwand führt. 

Werden etwa handelsbilanziell zulässigerweise laufende Zahlungen unter einer Zinsswap-Vereinbarung im Zinsergebnis erfasst und sichert dieser Swap das Zinsrisiko einer Darlehensschuld, könnte mit Teilen der Finanzverwaltung zwar vertreten werden, dass ein Nettoaufwand aus dem Swap zusätzlichen Zinsaufwand für Zwecke der Zinsschranke (wohl aber nicht für die gewerbesteuerliche Hinzurechnung) darstellt. Es gibt hingegen nach aktuellem Stand der Finanzgerichtsrechtsprechung und Verwaltungsverlautbarungen keine belastbare und risikofreie Begründung, einen Nettoertrag aus einem Zinsswap insbesondere im Rahmen der Ermittlung der gewerbesteuerlich hinzurechnungspflichtigen Entgelte als negativen Zinsaufwand zu behandeln und dadurch den Umfang der gewerbesteuerlich hinzurechnungspflichtigen Zinsaufwendungen zu reduzieren. 

Das gleiche Risiko besteht bezogen auf eine etwaig unzulässige Erhöhung von steuerlichem Zinsertrag im Rahmen der Berechnung der Zinsschranke, insbesondere wenn – wie im Beispielsfall oben dargestellt – das Währungsrisiko aus einer Darlehensgewährung durch derivate Sicherungsinstrumente abgesichert ist.

Fazit

Zins in der handelsrechtlichen Ergebnisrechnung ist nicht gleich Zins im steuerrechtlichen Sinne. Eine einzelfallgenaue Differenzierung ist notwendig, um gesetzlich nicht vorgesehenen Steuermehraufwand zu vermeiden; aber auch, um unerkannte Steuerverkürzungen zu verhindern.

Für Ihre Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 106, November 2020

KPMG Corporate Treasury News

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