close
Share with your friends

Koproduktionen zweier oder mehrerer Filmgesellschaften gehören zu Film und Fernsehen selbstverständlich dazu. Gründe dafür gibt es viele, wie die künstlerische Vielfalt, die Bündelung von Ressourcen oder auch der Zugang zu ausländischen Märkten. Doch dass Koproduktionen steuerliche Risiken bergen können, ist den Beteiligten nicht immer bewusst. Dabei rücken Koproduktionsverträge und -vereinbarungen zunehmend in den Fokus der Betriebsprüfer, insbesondere im Hinblick auf etwaig bestehende Mitunternehmerschaften. Diese Praxis beruht auf dem Medienerlass vom 23.02.2001, der die Einordnung einer Koproduktion als Koproduktionsgesellschaft (in der Regel in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts) beziehungsweise als Koproduktionsgemeinschaft regelt.

Was aber macht eine Koproduktionsgesellschaft im Vergleich zur Koproduktionsgemeinschaft aus und welche steuerrechtlichen Folgen ergeben sich daraus?

Die Koproduktionsgesellschaft

Eine Koproduktionsgesellschaft ist vornehmlich dann anzunehmen, wenn die Koproduzenten gemeinsam die Produktion bestimmen (Mitunternehmer-Initiative), gemeinsam das Produktions- und/oder Auswertungsrisiko tragen (Mitunternehmer-Risiko) und unter anderem auch entsprechende Verträge im Namen der Gesellschaft abschließen. Demnach würde es sich steuerrechtlich bei der Koproduktion um eine Mitunternehmerschaft handeln und die Produzenten wären entsprechend als Mitunternehmer zu klassifizieren.

Die Koproduktionsgemeinschaft

Bei einer Koproduktionsgemeinschaft hingegen begründen die beteiligten Gesellschaften gemäß dem Medienerlass keine Mitunternehmerschaft. Die Koproduktionsgemeinschaft erbringt lediglich kostendeckend Leistungen für die beteiligten Koproduzenten. Sie besitzt keine Gewinnerzielungsabsicht und erhält nach Beendigung der Filmproduktion auch keinerlei Verwertungsrechte.

Die Kriterien scheinen also klar, die Erfahrung zeigt jedoch, dass eine Klassifizierung der Koproduktion in den Vertragsgestaltungen trotzdem nicht immer eindeutig ist. Gerade in der Vergangenheit abgeschlossene, insbesondere auch internationale Koproduktionsverträge/-vereinbarungen sind oftmals nicht konsistent und lassen Interpretationsspielraum zur Frage offen, ob eine Koproduktionsgesellschaft oder eine Koproduktionsgemeinschaft vorliegt. Das wird problematisch, wenn die Koproduktion bisher steuerlich als Koproduktionsgemeinschaft behandelt wurde, nach Ansicht der Finanzverwaltung aber als Koproduktionsgesellschaft und die Produzenten entsprechend als Mitunternehmer zu klassifizieren wären.

Filmprojektor

Steuerliche Folgen

Die steuerlichen Folgen hängen dementsprechend von der Einordnung der Koproduktion als Koproduktionsgemeinschaft oder -gesellschaft ab. Zudem spielt die Nationalität der Beteiligten eine Rolle: Bei ausschließlich inländischen Koproduktionen stehen der Steuerdeklarationsaufwand, die Mindestbesteuerung sowie die Umsatzsteuer im Fokus. Bei Koproduktionen mit ausländischer Beteiligung oder deutscher Beteiligung im Ausland ergeben sich weitere Besonderheiten.

Liegt eine Koproduktionsgesellschaft, also eine Mitunternehmerschaft vor, hat eine einheitliche und gesonderte Feststellung der Einkünfte in Form einer Steuererklärung zu erfolgen. Dabei kommt es zu einer körperschafts- und einkommenssteuerlichen Verschiebung der Aufwendungen und Erträge des Filmprojekts von der einzelnen juristischen Person zur sogenannten Mitunternehmerschaft. Da die Einkünfte auf Ebene der Mitunternehmerschaft der Gewerbesteuer unterliegen, ergibt sich darüber hinaus das Risiko einer Mindestbesteuerung, was wiederum zu einer Verschiebung der Ergebnisse führt.

Weitere Brisanz liegt in der umsatzsteuerlichen Beurteilung der Koproduktion. Sofern man hier zu dem Ergebnis kommt, dass eben gerade keine Koproduktionsgemeinschaft, sondern eine Mitunternehmerschaft vorliegt, wird diese nach Ansicht der Finanzverwaltung in der Regel meist auch als umsatzsteuerlicher Unternehmer zu qualifizieren sein. Das hat in der Praxis erhebliche Auswirkungen auf die Umsatzsteuerentstehung sowie den Vorsteuerabzug bei den Beteiligten. Oft müssen in diesem Fall die bisher von den einzelnen Koproduzenten untereinander erteilten Rechnungen mit USt-Ausweis nachträglich, ggf. für mehrere Vorjahre, korrigiert werden.

Internationale Koproduktionen

Bei internationalen Koproduktionen kann eine weitere steuerrechtliche Herausforderung hinzukommen: die Begründung einer Betriebsstätte. Beteiligt sich ein inländischer Produzent an einer Produktion im Ausland, so könnte er allein durch seinen Mitunternehmeranteil eine Betriebstätte im Ausland begründen. Genauso andersherum, wenn sich ein ausländischer Produzent an einer inländischen Produktion beteiligt. Mit der Begründung einer Betriebsstätte muss das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit dem jeweiligen Land berücksichtigt werden, das die Zurechnung der Betriebsstättengewinne bzw. -verluste zum jeweiligen Staat regelt. 

Darüber hinaus sind auch lohnsteuerliche und sozialversicherungsrechtliche Themen bei dem Einsatz von ausländischem Personal in Deutschland oder der Entsendung von Mitarbeitenden ins Ausland zu beachten.

Fazit

Aufgrund der unterschiedlichen steuerlichen Implikationen, die sich bei Vorliegen einer Koproduktionsgemeinschaft oder -gesellschaft ergeben können, ist es unerlässlich, dass die Vertragspartner vor Abschluss entsprechender (Koproduktions-) Verträge rechtzeitig ihre Steuerabteilung beziehungsweise ihren Steuerberater einbeziehen, um steuerliche Risiken zu minimieren.

Gerne stehen wir Ihnen bei der steuerlichen Würdigung Ihrer Koproduktionsverträge beratend zur Seite. 

Weitere Themen

Ihre Ansprechpartner