• Alexander Kessler, Senior Manager |
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Keyfacts

  • Die Übertragung eines Kreditportfolios auf eine Vermögensverwaltungsgesellschaft stellt eine komplementierende Maßnahme dar, um die zur Auswahl stehenden Abwicklungsinstrumente im Sinne des SAGs zielgerichtet einzusetzen.

  • Im Mittelpunkt steht dabei die Identifizierung des zu übertragenen Portfolios durch eine Portfolioselektion, die maßgeblich von der zugrunde liegenden Datenqualität abhängig ist.

  • Auch wenn die Übertragung auf eine Vermögensverwaltungsgesellschaft eine Abwicklungsmaßnahme darstellt, endet damit nicht die Betreuung des übertragenen Portfolios.

Das Gesetz zur Sanierung und Abwicklung von Instituten und Finanzgruppen (SAG) behandelt unter anderem die Anwendung von Abwicklungsinstrumenten, welche durch die Abwicklungsbehörde bei Vorliegen von Abwicklungsvoraussetzungen angeordnet werden können. 

Eines der zur Auswahl stehenden Abwicklungsinstrumente stellt das Instrument der Übertragung auf eine Vermögensverwaltungsgesellschaft (§ 107 Abs.1 Nr. 2 SAG) dar. Hierbei kann ein Teil oder die Gesamtheit des Vermögens eines in Abwicklung befindlichen Instituts oder gruppenangehörigen Unternehmens, einschließlich seiner Verbindlichkeiten, auf eine Vermögensverwaltungsgesellschaft übertragen werden. Dies kann durch unterschiedliche Anlässe begründet sein  - allerdings darf dieses Abwicklungsinstrument nur gemeinsam mit einem anderen Abwicklungsinstrument angewendet werden, beispielsweise mit dem Instrument der Unternehmensveräußerung (§ 107 Abs.1 Nr. 1 (a) SAG). 

Übertragung eines Kreditportfolios

Doch welche transaktionsrelevanten Herausforderungen und Fragestellungen ergeben sich in der Praxis, beispielsweise bei der Übertragung eines Kreditportfolios auf eine Vermögensverwaltungsgesellschaft?   

Eine erfolgreiche Portfolioselektion setzt eine hohe Datenqualität voraus

Bei der Übertragung eines Kreditportfolios ist die Identifizierung des Portfolios zum Übertragungsstichtag ein zentraler Schritt  - dies geschieht mit Hilfe einer Portfolioselektion. Hierbei und bei der Übertragung des Portfolios sind unter anderem die nachfolgenden Themenkomplexe von besonderer Bedeutung, wobei bewertungsrelevante Sachverhalte im Einklang mit den Vorschriften des SAGs zu stehen haben:

  • Durchführung einer indikativen Portfolioselektion anhand vorgegebener Selektionskriterien (beispielsweise nach Asset-Klasse, Volumen, Rating etc.)
  • Identifikation von Transferhemmnissen und Analyse von möglichen Transferwegen 
  • Adjustierung der Portfolioselektion durch Bildung von transaktionsrelevanten Übertragungseinheiten zum Übertragungsstichtag
  • Kategorisierung der zu transferierenden Übertragungseinheiten in risikohomogene Cluster 

Eine zielgerichtete Portfolioselektion setzt eine verlässliche Datengrundlage beim abgebenden, sich in Abwicklung befindlichen Institut voraus. Auch wenn diese möglicherweise nicht (hinreichend) gegeben ist und Qualitätssicherungsmaßnahmen mit Mehraufwand verbunden sind, so ist ein hoher Anspruch an die Datenqualität kein Hygienefaktor, sondern vielmehr Pflicht. Einerseits empfiehlt es sich, die im Datentape bereitgestellten Informationen auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Inkonsistenzen zu überprüfen. Daneben kann auch ein Abgleich der Informationen aus dem Datentape mit den Informationen aus der Kreditakte als unterstützende Maßnahmen erfolgen. In Abhängigkeit des zu übertragenden Portfolios kann dies durch eine risikobasierte Stichprobe auf Einzelgeschäftsebene erreicht werden. 

Ein hohes Maß an Datenqualität schafft Transparenz und bildet bei allen Beteiligten Vertrauen. In jedem Fall sollte aber sichergestellt werden, dass das zu übertragende Portfolio insbesondere aus ökonomischer Sicht mit den definierten Selektionskriterien übereinstimmt – auch wenn das Ausmaß aus einer möglicherweise fehlerhaften Portfolioselektion erst zu einem späteren Zeitpunkt schlagend werden könnte.  

Die Vermögensverwaltungsgesellschaft hat das Ziel der Wertmaximierung

Mit Übertragung des Portfolios auf die Vermögensverwaltungsgesellschaft befindet sich dieses in Hand eines Rechtsträgers, dessen Anteile entweder ganz oder teilweise von der Abwicklungsbehörde oder einer anderen öffentlichen Stelle gehalten und von der Abwicklungsbehörde kontrolliert werden. Der Auftrag der Vermögensverwaltungsgesellschaft umfasst dabei das übertragene Portfolio wertschonend zu verwalten und die Verwertungserlöse zu maximieren. Zur Erreichung dieses Ziels kann sich das Management der Vermögensverwaltungsgesellschaft einem breit gefächerten Instrumentarium bedienen, unter anderem: 

  • Verkauf von einzelnen Vermögensgegenständen und/ oder Portfolien am Sekundärmarkt
  • Restrukturierung der Finanzierungsengagements 
  • Amortisierung der Vermögensgegenstände über den Zeitverlauf 
  • Liquidation des hinterlegten Sicherheitenwertes 
  • Einleitung von Insolvenzverfahren gegenüber dem Schuldner

Für die Wahl des geeigneten Instruments ist immer eine Differenzierung anhand des vorliegenden Einzelfalls und der Art des zugrundeliegenden Rechts des Vermögenswerts zu beachten. Auch ist die Wahl des Verwertungszeitpunktes sowie das Marktumfeld in der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen. 

Die Auswahl der Servicierungslösung bedarf einer ausführlichen Analyse

Die für die Zwecke der Übertragung des Portfolios gegründete Vermögensverwaltungsgesellschaft muss ebenso aus operativer Sicht aufgebaut werden. Dabei liegt eine zentrale Aufgabe insbesondere in der Servicierung des übertragenen Portfolios. Ausgehend von der Strategie der Vermögensverwaltungsgesellschaft und der Komplexität des Portfolios gilt es mit Hilfe eines strukturierten Auswahlverfahrens die passende Servicierungslösung anhand verschiedener Kriterien zu identifizieren. Dabei sind unter anderem die folgenden Themen relevant:

  • Klärung und gegebenenfalls Vereinbarung von Übergangsregelungen (Transitional Servicing Agreements) mit dem abgebenden Institut beziehungsweise dessen Rechtsnachfolger sowie Auswahl eines geeigneten Servicierungskonzepts (beispielsweise intern gegenüber extern) 
  • Leistungsumfang der zu erbringenden Dienstleistungen aus Perspektive des Asset Managements, der Finanz- und Risikofunktion und weiterer Bereiche (unter anderem IT, Operations etc.) 
  • Planung des benötigten zeitlichen Umfangs und die damit verbundenen Kosten für die Implementierung der Servicierungslösung
  • Abwägung von laufenden Kosten für die vereinbarten Dienstleistungen und zusätzlich anfallender Kosten für erweiterte Anforderungen im Rahmen der Servicierung
  • Art und Umfang der Kontrollfähigkeit anhand definierter Dienstleistungen, KPI's und Reportings 
  • Flexibilität und Skalierbarkeit der Services unter Berücksichtigung eines abschmelzenden Portfolios und die mögliche Beendigung der Servicierung aus Gründen der Wirtschaftlichkeit 

Die gewählte Servicierungslösung berührt alle Lebensphasen der Vermögensverwaltungsgesellschaft  - von ihrer Gründung bis hin zu ihrer Auflösung. Es wird zudem deutlich, dass die Auswahl einer passenden Lösung einer ausführlichen Analyse bedarf, insbesondere da sie erheblich zum Ziel der Wertmaximierung beitragen kann.

Passgenaue Lösungen entscheiden über Erfolg

Die Übertragung eines Kreditportfolios auf eine Vermögensverwaltungsgesellschaft kann eine komplementierende Maßnahme sein, um die zur Auswahl stehenden Abwicklungsinstrumente im Sinne des SAGs zielgerichtet einzusetzen. Im Mittelpunkt steht die Identifizierung des zu übertragenen Portfolios durch eine Portfolioselektion, die maßgeblich von der zugrunde liegenden Datenqualität abhängig ist. Qualitätssichernde Maßnahmen können hierbei wertstiftend unterstützen.  

Durch die Anwendung des Instruments der Übertragung auf eine Vermögensverwaltungsgesellschaft kann zwar eine Abwicklungsmaßnahme auf Seiten des in Abwicklung befindlichen Instituts ermöglicht werden, doch endet damit nicht die Betreuung des übertragenen Portfolios. Es bleibt der Auftrag des wertmaximierenden Portfolioabbaus. Ob dies gelingt, hängt von vielen Einzelfaktoren ab. In jedem Fall bedarf es einer ausführlichen Untersuchung auf Einzelgeschäftsebene sowie die Auswahl einer der Geschäftsstrategie und Komplexität des Portfolios entsprechenden nachhaltigen Servicierungslösung.