• Sandra Wagner, Manager |

Keyfacts

  • Durch die Covid-19-Pandemie wurde die Etablierung digitaler Arbeitsprozesse beschleunigt, um Mitarbeitenden das Homeworking zu ermöglichen.

  • Um den Anforderungen der neuen, hybriden Arbeitswelt gerecht zu werden, benötigen Unternehmen Führungskräfte für den Bereich „Remote Work“.

  • Diese neue Führungsrolle bündelt Kenntnisse in den Bereichen Steuern, Recht, IT und Personal

Die Covid-19-Pandemie zwingt die Arbeitswelt, sich zu verändern. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihren Angestellten das Arbeiten von zuhause zu ermöglichen. Dafür benötigen sie neue, digitale Arbeitsprozesse. 

Was bedeutet dieser Wandel für Unternehmen? Wie müssen sie sich verändern, um den Herausforderungen gerecht zu werden und in der Arbeitswelt der Zukunft zu bestehen? 

Eine der Antworten auf die Hybridisierung der Arbeitswelt ist ein neues Berufsbild auf Führungsebene: der „Head of Remote Work“. Insbesondere im angelsächsischen Raum führen Unternehmen diese neue Führungsrolle ein. Ein internationales Technologieunternehmen war eines der ersten, das die Ernennung eines „Director Remote Work“ im September 2020 bekannt gab. Dies geschah nach der Ankündigung, dass es allen Mitarbeitenden gestattet ist, künftig von zu Hause aus zu arbeiten. Andere große Tech-Unternehmen folgten diesem Beispiel.

Neue Anforderungen an die Personalführung

Hinter hybridem Arbeiten steckt für Unternehmen mehr als die Bereitstellung des notwendigen mobilen Equipments. Eine nachhaltige Veränderung von Arbeitsprozessen erfordert auch eine Weiterentwicklung der Personalführung. Insbesondere im HR-Bereich ergeben sich neue Anforderungen, wie beispielsweise virtuelles Onboarding und virtuelle Personalentwicklung. Darüber hinaus sollten sich Unternehmen aber auch mit der Etablierung von Konzernrichtlinien und unternehmensinternen Guidelines für das Arbeiten außerhalb des Büros beschäftigen. 

Steuerliche Auswirkungen und rechtliche Fragestellungen

Mit Blick auf den Steuerbereich ergeben sich vielfältige Fragestellungen: Welche Auswirkungen hat die hybride Arbeitswelt auf Themen wie Betriebsstätten, Verrechnungspreise, Einkommen- oder Lohnsteuer? Unternehmen sollten die Erfüllung ihrer steuerlichen Pflichten überprüfen, um die Tax-Compliance-Risiken zu minimieren, die sich durch die geänderten Arbeitsprozesse ergeben können.

Wenn zum nationalen Homeworking noch das grenzüberschreitende Homeworking hinzukommt, ergeben sich weitere rechtliche Fragen. Welche Meldepflichten müssen erfüllt werden, wann gilt das Arbeitsrecht des Entsendestaates, wann gilt das Ortsrecht? Wie wirkt sich dauerhaftes Arbeiten im Ausland auf die Anwendung des Sozialversicherungsrechts aus? Zudem ist ein ausgeprägtes Verständnis für firmenkulturelle Zusammenhänge auf nationaler und globaler Ebene notwendig. 

Alle diese Fragen und deren Compliance-sichere Bearbeitung machen die Implementierung eines dafür Verantwortlichen, eben des „Head of Remote Work“ empfehlenswert. Strategisches Vordenken und ein generalistischer Blickwinkel sind bei dieser Führungsposition gefragt. Allein die Vielzahl an Anforderungen, von Kommunikation und Personalentwicklung über Unternehmenskultur und IT zeigt, dass der Arbeitsumfang, den die Veränderung der hybriden Arbeitswelt mit sich bringt, zu umfangreich sein könnte und die benötigten Kompetenzen zu spezifisch, um in den Aufgabenbereich einer IT- oder Personal-Führungskraft integriert zu werden. 

Eine grundlegende Herausforderung der Zukunft der Arbeit besteht vor allem darin, den organisatorischen Übergang zu einer hybriden Arbeitswelt auf strategische und methodische Weise zu leiten, mit dem Ziel, die bestehende Unternehmenskultur zu erhalten und neue Talente einzubinden. 

Vorbereitung auf die neue Arbeitswelt

Unternehmen sollten sich die Frage stellen: Sind wir auf die neue Arbeitswelt vorbereitet? Lohnt sich die Einführung einer neuen Führungsposition? Je größer und globaler das Unternehmen ist, desto größer ist die Komplexität von hybriden und mobilen Arbeitsmodellen.

Die Veränderung der Arbeitswelt wird sich fortsetzen. Die Implementierung von zusätzlichen Kontrollmechanismen ist erforderlich, um mit einer dezentral arbeitenden Belegschaft maximal Compliance-konform zu bleiben und die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu erfüllen. Sie reicht von der Bereitstellung des technischen Equipments, passenden Konzernrichtlinien oder Guidelines zum Remote Working bis hin zur Schaffung von Möglichkeiten, formell und informell miteinander in Kontakt zu bleiben. Aus diesem Grund sollten Unternehmen über die Einrichtung einer darauf ausgerichteten Führungsposition nachdenken oder zumindest bisherige Führungskräfte zusätzlich damit betrauen. Die Berufsbezeichnung „Head of Remote Work" mag neu sein. Sie schafft eine neue Ebene der Verantwortung innerhalb der Unternehmensstruktur und steht für die Transformation in der Unternehmensführung.