Zwei Lagerarbeiterinnen

  • Ulrich Ackermann, Partner |

Keyfacts

  • Die Analyse der unternehmenseigenen Lieferkette und die Identifizierung von Risikofaktoren im Lieferantennetzwerk schafft Transparenz und zielgenaue Handlungsmöglichkeiten.

  • Eine schnelle Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen stabilisiert die Versorgungssicherheit und führt zu Wettbewerbsvorteilen.

  • Digitales Echtzeit-Tracking von Zulieferungen kann wertvolle Entscheidungshilfen geben.

Die Produktion vieler Unternehmen der Fertigungsindustrie läuft inzwischen wieder auf Hochtouren, auch wenn aktuell noch kaum abzusehen ist, wie sich die Lage aufgrund der Corona-Pandemie und mannigfaltiger anderer Herausforderungen weiter entwickeln wird. Viele Beispiele zeigen allerdings, dass insbesondere in globalen Lieferketten Engpässe drohen. Fehlende Vorprodukte wie Halbleiter und Sensoren sowie Verzögerungen an Grenzen sind ein aktuelles Thema. Frühzeitige Maßnahmen können helfen, Risiken in der Lieferkette zu minimieren, die Versorgungssicherheit der Unternehmen zu gewährleisten und so die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit und die Unternehmensstabilität sicherzustellen. 

Unterbrochene Lieferketten stören Betriebsabläufe

In der Corona-Krise wird deutlich, wie störungsanfällig eine gänzlich globalisierte und vernetzte Wirtschaft gegenüber externen Einflüssen sein kann. Insbesondere die import- und exportabhängige Fertigungsindustrie in Deutschland wird davon hart getroffen. Die weltweit ergriffenen Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus führen zu Störungen in den teils hochkomplexen Betriebsabläufen, unterbrochene Lieferketten können die Produktion zum Erliegen bringen. Die Auswirkungen betreffen sowohl die Fertigungsunternehmen als auch ihre Zulieferer und Kunden.

Die Kundennachfrage ist schwer vorhersehbar und kann sich schnell verändern

Ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren einer globalen Lieferkette ist eine zielgenaue Vorhersage der Kundennachfrage. Dementsprechend ist die Einschätzung der zu erwartenden Kundennachfrage gerade in volatilen und sich regional schnell verändernden Märkten essenziell für die Steuerung der gesamten Lieferkette. Ein belastbares Nachfrageverhalten kann beispielsweise mittels Predictive Analytics unter Berücksichtigung der relevanten Einflussfaktoren und Frühindikatoren ermittelt werden. Die Analyse und Identifizierung dieser Einflussfaktoren und Indikatoren ist hierfür die Basis.  

Vernetzung in der Lieferkette schafft Versorgungssicherheit

Digitale Touchpoints bieten die Möglichkeit, Änderungen des Nachfrageverhaltens nahezu in Echtzeit zu erfassen und entlang der Lieferkette weiterzugeben. Entsprechend ist die Abschätzung der Nachfrageentwicklung zeitnah und direkt möglich. Dies offenbart deutlich, welchen Nutzen eine durchgängige Datenverfügbarkeit bietet: In Echtzeit sind Änderungen beim Absatz, Lagerbestand und der Beschaffung für alle im Unternehmen sichtbar. Verfügbare und belastbare Daten sind die Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von Geschäftsprozessen.

Transparenz im Lieferantennetzwerk schützt vor Überraschungen

Entscheidend für die Aufrechterhaltung der eigenen Produktion ist die Verlässlichkeit des Lieferantennetzwerks. Grundlage dafür ist die frühzeitige Erkennung von Ausfällen, sei es durch Warenengpässe oder gar durch Insolvenz. Lieferanten sollten deshalb kontinuierlich auf finanzielle Stabilität, Kapazitäten und Lieferfähigkeit überprüft werden. Um die erfassten Risiken zu dokumentieren, zu bewerten und zu managen, bedarf es der Entwicklung eines gesamtheitlichen Konzepts für ein präventives Lieferanten-Risikomanagement. Ein Baustein kann die Schaffung interner und externer Alternativen sein.

Optimales Störfallmanagement schafft Wettbewerbsvorteile

Das zielgenaue Management von Störfällen setzt voraus, dass das Unternehmen genau weiß, welche Komponenten unverzichtbar für die Aufrechterhaltung der Produktion sind und bei welchen Produkten schon geringe Versorgungsengpässe schwerwiegende Folgewirkungen haben können. Gerade in solchen Fällen kann ein einfaches Bestandsmanagement vor großem wirtschaftlichem Schaden schützen  - das aktuelle Beispiel fehlender Sensoren und Halbleiter zeigt dies deutlich. Voraussetzung hierfür ist eine transparente und über die schlichte und einzelteilbezogene Einkaufspreismaximierung hinausgehende Analyse und Folgenabschätzung. Eine weitere Möglichkeit zum Ausgleich von Lieferengpässen kann auch sein, auf regionale Lieferanten zurückzugreifen. Dabei spielen Verfügbarkeit und rechtliche Absicherung eine wichtige Rolle, zudem muss die Kosteneffizienz im Auge behalten werden.

Versorgungssicherheit baut auf Transparenz und Nutzung verfügbarer Daten

Versorgungssicherheit im Fertigungsbereich bedeutet, die eigene Lieferkette und das eigene Lieferantennetzwerk optimal zu managen. Dies setzt die bestmögliche Einschätzung der Kundennachfrage, die Vernetzung der relevanten Daten in der Lieferkette und die Analyse und Identifizierung von Risikofaktoren in der Lieferkette und im Lieferantennetzwerk voraus.

Predictive Analysen der Kundennachfrage unter Berücksichtigung der relevanten Einflussfaktoren und Frühindikatoren helfen bereits heute vielen Fertigungsunternehmen, trotz volatiler Märkte und kurzfristiger Schwankungen zielgenaue Einschätzungen und Vorhersagen zu erhalten.

Entscheidungen auf Grundlage von datenbasierten Echtzeit-Analysen zu treffen, ist heutzutage im Rahmen von Planungs- und Steuerungsprozessen wichtiger denn je. Die generierten Daten transparent zu erfassen, auszuwerten und damit deren Potenzial vollumfänglich nutzen zu können, ist allerdings für viele Unternehmen noch eine große Herausforderung. Diese zu bewältigen ist aber Voraussetzung dafür, um zum Beispiel ein digitales Echtzeit-Tracking von Zulieferungen und deren Visualisierung über Dashboards zu ermöglichen. Diese Plattformen können, basierend auf Datenanalysen und Warnmeldungen, Entscheidungshilfen liefern. Durch eine frühzeitige Erkennung von Risiken können konkrete Aktionspläne erarbeitet werden. 

Um einerseits den Anforderungen immer kürzerer Abrufzeiten gerecht zu werden und andererseits die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette durch höhere Lagerbestände zu stärken, ist es notwendig, für die Material- und Kapazitätssteuerung mit Vorhersagen zu arbeiten. Das ermöglicht eine rechtzeitige Bereitstellung von Ressourcen (Mensch, Material, Maschine). Statt statistischer Vergangenheitswerte werden integrierte Unternehmensdaten zur Planung genutzt. Eine gesamtheitliche Analyse und Folgeabschätzung bei Störfällen ist ein notwendiger Baustein. 

Durch den Einsatz eines sogenannten digitalen Zwillings, der eine vollständige virtuelle Abbildung der realen Welt darstellt, ist die Durchführung komplexer Analysen und Simulationen sowie die Überwachung von Systemen möglich. Dies kann sowohl die Produktionsmaschinen und ihre Abläufe betreffen als auch die Komponenten, Werkstücke und fertigen Produkte. So lassen sich Logistik- und Produktionsabläufe entsprechend simulieren, Schwachstellen erkennen und die Steuerung der Produktion über die gesamte Liefer- und Produktionskette optimieren. Dadurch können zum Beispiel Probleme erkannt und bearbeitet werden, noch bevor sie eintreten.