Frau vor Computer
  • Nancy Schanda, Partner |

Keyfacts

  • Am 22.12.2020 hat das Bundesfinanzministerium (BMF) die Formulare für die Umsatzsteuervoranmeldung 2021 veröffentlicht

  • Die neuen Vordruckmuster enthalten zwei wesentliche Änderungen

  • Für Unternehmen besteht systemseitiger und prozessualer Anpassungsbedarf

Das BMF gibt üblicherweise jeweils in der zweiten Jahreshälfte die neuen Vordruckmuster für die Umsatzsteuervoranmeldungen bekannt. Aktuell erfolgte die Bekanntgabe nach Inkrafttreten des Jahressteuergesetzes 2020. Neben redaktionellen Anpassungen hat das BMF zwei wesentliche Änderungen vorgenommen. 

Diese Neuerungen stellen Unternehmen vor weitere administrative Herausforderungen und führen zu Anpassungsbedarf in den entsprechenden Prozessen. 

Neue Anforderungen aus dem BMF-Schreiben vom 22.12.2020

Mit Wirkung zum 1.1.2021 wurde die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers um sonstige Leistungen auf dem Gebiet der Telekommunikation erweitert. Derartige Umsätze sind jetzt nebst Steuer vom leistenden Unternehmer und vom Leistungsempfänger gesondert im neuen Formular anzugeben. 

Darüber hinaus hat das BMF auf dem Formular zur Umsatzsteuervoranmeldung (UStVA) Deutschland zwei neue Kennzahlen eingeführt: 

  • Hat sich die Bemessungsgrundlage für einen steuerpflichtigen Umsatz geändert, hat der Unternehmer wie bisher den dafür geschuldeten Steuerbetrag nach § 17 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 17 Abs. 2 Nr. 1 S. 1 UStG zu berichtigen. Die Änderungen sind bei den Bemessungsgrundlagen der jeweiligen Umsätze einzutragen. Erfolgt diese Änderung, weil das vereinbarte Entgelt für einen steuerpflichtigen Umsatz uneinbringlich (z. B. bei Zahlungsunfähigkeit) geworden ist, ist auch die Minderung der Bemessungsgrundlage einzutragen. 
  • Infolge einer Änderung nach § 17 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 UStG ist eine Minderung der abziehbaren Vorsteuerbeträge einzutragen. 

Spürbarer administrativer Aufwand für Unternehmen

Für Unternehmen bedeutet der neue Vordruck einen nicht unerheblichen Anpassungsbedarf: 

Zunächst muss das neue Formular für die Umsatzsteuervoranmeldung systemseitig eingerichtet werden. Hier sollten auch die Leitlinien und regelmäßigen Updates des jeweiligen ERP (Enterprise Resource Planning) Systemanbieters beachtet werden, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Einige Anbieter haben bereits vorläufige manuelle Lösungen zur Einrichtung des Formularvordrucks vorgesehen.  

Wichtig ist auch die Klärung, wie die besonderen Fälle der Uneinbringlichkeit im ERP System gesondert aufgezeichnet werden können, um eine korrekte Befüllung der neuen Vordrucke zu ermöglichen. Dies kann unter anderem durch neue Steuerkennzeichen sowie die Erfassung auf getrennten Konten bzw. einer Kombination aus beidem geschehen.

Die praktische Herausforderung wird aber vor allem darin liegen, die verschiedenen Formen der Uneinbringlichkeit (z. B. kurze übergangsweise Zahlungsunfähigkeit des Schuldners, endgültiger Zahlungsausfall, Verjährung etc.) im System zu erfassen und schließlich bei der Buchung folgerichtig umzusetzen. 

Flexible Anpassungsfähigkeit als Erfolgsfaktor

Insgesamt erfordern die Änderungen bei der Umsatzsteuervoranmeldung bei Unternehmen systemseitige Anpassungen. Im Zuge dieser Anpassungen ist es empfehlenswert, nicht nur Systeme, sondern auch bestehende Prozesse zu überprüfen und zu optimieren (z. B. Qualitätssicherungsmaßnahmen zur Einordnung der Fallkonstellationen oder zusätzliche Kontrollen). Da auch in Zukunft  - insbesondere unter Berücksichtigung EU-weiter Entwicklungen (Real-Time Reporting Verpflichtungen, e-invoicing, SAF-T etc.) Änderungen in den Deklarationsverpflichtungen wahrscheinlich sind, sollten Unternehmen grundsätzlich darauf achten, Systeme und Prozesse entsprechend flexibel und zukunftsorientiert zu gestalten.