Hotelschlüssel
  • Tina Haller, Director |

Keyfacts

  • Liquiditätsversorgung aktuell für Hotelbranche entscheidend

  • Nicht alle Geschäftsmodelle haben nach der Krise eine Zukunft

  • Die richtige Strategie heute gesetzt, bereitet für die Zeit nach der Pandemie vor

Das Hotelgewerbe befindet sich derzeit in einer schwierigen Lage. Kaum eine andere Branche ist von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie so umfassend betroffen wie diese. Viele Hotelbetreiber mussten bereits staatliche Hilfen in Anspruch nehmen oder auf zusätzliche Kapitalspritzen ihrer Eigentümer zurückgreifen, andere stellten den Betrieb bereits komplett ein oder sehen sich zunehmend dem Insolvenzrisiko ausgesetzt. 

Welche Perspektiven hat die Branche und was kann jeder Betreiber tun, damit sich diese für das eigene Unternehmen auch materialisieren?

Die passende Strategie für Ihr Unternehmen

Covid-19 führte zu einem seit dem letzten Weltkrieg nicht mehr dagewesenen Einbruch der Nachfrage beziehungsweise des Umsatzes in der Hotelbranche. Die Liquidität ist zur Kernkomponente des wirtschaftlichen Handelns geworden, limitiert unter anderem von den hohen Pacht- beziehungsweise Mietzahlungen als Fixkosten.

Staat, Banken, Gesellschafter und Geschäftspartner konnten monetäre Lücken stopfen, jedoch kamen und kommen Maßnahmen vielerorts verspätet oder gar nicht an. Während man auf eine Lockerung der Covid-19-Maßnahmen und in Folge steigende Gästebuchungen hofft, ist der Rückzahlungskalender für 2021 mit Steuer-, Miet-/Pacht- und Tilgungszahlungen schon prall gefüllt.

Man fährt auf Sicht und dennoch muss man sich als Hotelbetreiber fragen, welche strukturellen Veränderungen die Krise langfristig hinterlassen wird – und ob das eigene Geschäftsmodell noch zum Hotelmarkt von morgen passt. Ist die Abhängigkeit vom MICE-Geschäft zu hoch? Bietet mir eine eigene Immobilieninvestition in Zukunft mehr Sicherheit? Betreibe ich eventuell Hotels mit langfristig zu hohen Pachtzahlungen? 

Hierfür eine Strategie zu entwickeln, ist entscheidend, um zu definieren, wo das eigene Unternehmen kurz-, aber vor allem auch mittel- und langfristig stehen soll.

Sorgen Sie für Transparenz

Die eigene finanzielle und vor allem die Liquiditätslage zu verstehen und diese mit zukünftigen Risiken und Chancen abzugleichen, ist die Voraussetzung, um gute Entscheidungen zu treffen. Und das nicht nur punktuell, sondern fortlaufend. Die Unvorhersehbarkeit der aktuellen Krise hat gezeigt, dass viele Hoteliers die Treiber und Dynamiken hinter ihren Umsätzen und Kosten nicht vollständig durchdrungen oder zumindest nicht vor Augen hatten.

Auch aus einer starken Position heraus ist es wichtig, dass Hotelbetreiber Szenarioanalysen durchführen und eine Liquiditätsplanung aufstellen. Diese sollte Flexibilität in den Annahmen aufweisen, um Bewegungen in Umsätzen und Kosten – inklusive Rückzahlungsplänen – abbilden und schließlich Finanzierungslücken aufzeigen zu können. Damit erhöhen Sie nicht nur die eigene Planungssicherheit – selbst in einem schwierigen Marktumfeld – sondern treten auch gegenüber Immobilieneigentümern und Finanzierungspartnern deutlich informierter auf. 

Schaffen Sie Transparenz, um für sich selbst Maßnahmen ableiten und gegenüber Dritten kommunizieren zu können.

Betreiben Sie ein aktives Stakeholder-Management

Die Covid-19-Krise zeigt, wie wichtig Kommunikation zu und das Vertrauen von den Stakeholdern ist. Viele kurzfristige Einsparungen zur Liquiditätsverbesserung setzen das Verständnis und die Kooperation von Geschäftspartnern voraus – Ihre Mitarbeiter nicht zu vergessen. Um diese zu erlangen und im Sinne einer langfristigen Partnerschaft zu agieren, bedarf es des Vertrauens aller Beteiligten in Ihr Geschäftsmodell und dessen Entwicklungsperspektive. Dieses Vertrauen kann durch Transparenz und Belastbarkeit der Annahmen erreicht werden, die dieser Entwicklungsplanung zugrunde liegen.

Entwickeln Sie Ihre Strategie, schaffen Sie Transparenz über die Wege dorthin und überzeugen Sie Ihre internen und externen Stakeholder von der Belastbarkeit Ihrer Pläne.

Setzen Sie auf eine klare Kapitalstruktur und ausreichend Liquidität

Sie haben Ihre möglichen Finanzierungslücken erkannt und Ihr kurzfristiges Ziel ist die Aufrechterhaltung der Liquidität. Auch wenn viele Ihrer Handlungen durch den Krisenmodus angestoßen sein mögen, sollten Sie immer die Chancen tiefgreifender Veränderungen im Blick behalten. Vor diesem Hintergrund gilt es, kurzfristige Cash-Maßnahmen, beispielsweise eine Sale-and-Leaseback-Transaktion oder die Einsammlung von Überbrückungskapital, auf ihre Langfristigkeit beziehungsweise Alternativen zu untersuchen. Der Aspekt der Bewertung oder der Bepreisungsmechanik ist in diesen Zeiten eine zentrale Frage und eine Portfoliobereinigung sollte stets in Ihre übergeordnete Strategie einzahlen. 

Eine Einsparungsanalyse des Kostenapparats kann Restrukturierungspotenziale aufzeigen und beispielsweise Chancen aus der Digitalisierung von Prozessen anbieten. Sämtliche Pläne und Maßnahmen benötigen in der Regel im ersten Schritt auch Investitionen, also meistens zusätzliches Kapital. Dieses kann aus vielerlei Quellen stammen, sei es Fremdkapital, die Veräußerung einer Minder- oder Mehrheitsbeteiligung an einen Dritten oder ein Joint Venture mit einem strategischen Partner. Alle Kapitalgeber werden die Resilienz Ihres Geschäftsmodells prüfen, wenn auch mit unterschiedlichen Fokussierungen. In jedem Fall sollte das Kapital zu Ihrer Strategie passen.

Stärken Sie Ihr Unternehmen, indem Sie Ballast abwerfen, Ihre Struktur optimieren und mit dem richtigen Kapital Ihre Schlagkraft festigen.

Denken Sie auch in der Krise an Wachstum

Jeder Hotelbetreiber, der seine Liquidität aufrechterhält, nachhaltiges Stakeholder-Management betreibt und sich Kapital mit gleichgeschaltetem Interessensprofil sichert, kann diese Stärke nutzen, um Wachstumschancen zu ergreifen, die sich am Markt abzeichnen. Wir befinden uns in einer Liquiditätskrise, welche viele Hotelbetreiber unter Druck setzt und teilweise auch zur Betriebsaufgabe zwingt. Diese müssen nicht durch obsolete Geschäftsmodelle oder minderwertige Objekte ausgelöst worden sein, was eine Übernahme attraktiv machen kann. Mit Management-Know-how und verfügbarem Investitionskapital stellt eine Rückführung solcher Betriebe an den Markt ein interessantes Wachstumsszenario dar.

Wir sehen im Markt viel Kapital auf der Suche nach Partnern, welche durch ein resilientes Geschäftsmodell, transparente Planung und starkes Stakeholder-Management eine nachhaltige Wachstumsperspektive aufweisen. Nutzen Sie diese Chance – auch im Gedanken an Ihre bestehenden Stakeholder – um gesundet aus der Krise zu kommen.