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Start-ups und Behörden: Zusammen innovativ

  • Mathias Oberndörfer, Partner |

Keyfacts

  • Start-ups können für den öffentlichen Sektor schnelle und unkonventionelle Lösungen entwickeln.

  • Vor allem mit Blick auf die notwendige Digitalisierung können staatliche Einrichtungen von der Zusammenarbeit mit jungen Unternehmen enorm profitieren.

  • Beispiele aus jüngerer Zusammenarbeit zeigen, dass dabei praxisnahe Lösungen entstehen.

Mit dem Beginn der zweiten Welle der Covid-19-Pandemie in Deutschland steht der öffentliche Sektor erneut vor großen Herausforderungen. Die erste Welle im Frühjahr hat deutlich gemacht, wie notwendig und sinnvoll die vollständige Digitalisierung der Verwaltung ist. Einiges wurde durch die Krise auf den Weg gebracht. Behörden haben in dieser Ausnahmesituation schnell und flexibel reagiert, um die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung aufrechtzuerhalten. Hier könnte wieder von der höheren Anzahl der mobilen Endgeräte für Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern berichtet werden oder der besseren Breitbandversorgung in der Fläche. Beides könnte noch mehr sein. Doch sind es die konkreten Erfolge, die positiven Beispiele, die zeigen, was durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteure möglich ist.

Start-ups unterstützen die Bundeswehr

So hat etwa der Defense Innovation Pitch Day am 22. Oktober in München gezeigt, dass Start-ups in der Lage sind, schnell anwendbare, manchmal auch unkonventionelle Lösungen anzubieten, wenn es darum geht, die Bundeswehr schneller als in den herkömmlichen Verfahren mit neuer Ausrüstung auszustatten und zukunftsfähig zu machen.

Digitalisierung, Automatisierung sowie die Integration von künstlicher Intelligenz weisen in eine Zukunft, die morgen schon Wirklichkeit werden kann. Allerdings sind die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, damit nach entsprechender Analyse der Anwendungsfähigkeit nutzerspezifische Lösungen auch kurzfristig adaptiert und in den Beschaffungsprozess integriert werden können. Start-ups auch jenseits von Zukunftslaboren einzubinden würde dabei nicht nur der Bundeswehr dienen, sondern Motor und Referenz für junge Unternehmen und den Digitalstandort Deutschland sein.

1000 Teilnehmer aus 20 Staaten bei Hackathon in Estland

Schauen wir über unsere Landesgrenzen hinaus, fällt rasch der Blick auf ein Beispiel aus dem digitalen Vorzeigestaat Estland:

Estland veranstaltete verschiedene Hackathons mit dem Ziel, innovative Lösungen zu erarbeiten, die dabei helfen sollten, die Krise zu meistern und dem Land einen Wettbewerbsvorteil für die Zeit nach der Krise zu verschaffen. Bei „Hack the crisis“ im März kamen dabei in kurzer Zeit 1000 Teilnehmer aus 20 Staaten zusammen, was zeigt, dass es einen großen Anbietermarkt gibt.

Unter den ausgewählten Lösungen ist zum Beispiel SUVE, ein Chatbot der Regierung, der Fragen zu Covid-19 beantwortet und „Share Force One“, eine Plattform zur Vermittlung und Teilung von Arbeitskräften. Gerade die Vernetzung von Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen mit solchen, die ihre Mitarbeiter krisenbedingt nicht oder nicht vollständig auslasten können, ist ein gutes Beispiel für neue Anforderungen, denen mit digitalisierten Lösungen begegnet werden kann.

Berliner Start-up überzeugt mit solarbetriebenem Desinfektionsgerät

Bei der nächsten Runde, dem „Global Hack“ im April, waren es dann bereits 12.000 Teilnehmer aus 98 Ländern, die mit ihren Ideen einen Beitrag leisten wollten. Erfreulich ist, dass als Gewinner ein Start-up aus Berlin  - SunCrafter  - mit einem solarbetriebenen Desinfektionsgerät aus der Runde hervorgegangen ist. Das zeigt darüber hinaus, dass die Ideen auch länderübergreifend umgesetzt werden können.

Behörden werden mutiger und beauftragen häufiger Start-ups

Erwähnenswert ist sicher auch der „Wir vs. Virus“-Hackathon unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung, der Organisationen und mehr als 30.000 Teilnehmende aus verschiedenen Bereichen zusammenbrachte, dessen Projektergebnisse zuletzt prämiert wurden und teilweise in die Umsetzung gehen. Auch die Beauftragung eines Start-ups mit dem Roll-out eines sicheren Behördenmessenger-Systems in einigen norddeutschen Bundesländern ist ein deutliches Zeichen für den wachsenden Mut, auch neuen und innovativen Ideen mehr Raum zu geben.

Nachhaltige Digitalisierung erfordert Mut und Offenheit

Das sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen, dass öffentlicher Sektor und Start-ups voneinander profitieren können. Es fehlt auch in Behörden nicht an Innovationskraft, häufig aber noch an Möglichkeiten, sich mit anderen Netzwerkern und Innovatoren innerhalb und außerhalb der öffentlichen Verwaltung auszutauschen, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Für die nachhaltige Digitalisierung sind Mut zur Innovation und Offenheit für agile Methoden und disruptive Technologien unerlässlich. Dafür ist es notwendig, Dinge auszuprobieren und dabei auch mal zu scheitern. Das liegt zwar nicht in der Natur der Verwaltung, trotzdem wird eine permanente Innovationsfähigkeit, wie sie von privaten Unternehmen vorgelebt wird, auch für die öffentliche Verwaltung Voraussetzung dafür sein, neue Technologien sinnvoll einzusetzen und kontinuierlich zu verbessern.

Regelmäßige Veranstaltungen wie Hackathons und Innovation Challenges können hier ein geeignetes Forum schaffen, um sich mit Gleichgesinnten und Start-ups zu vernetzen, gemeinsam Ideen zu entwickeln und diese in nutzerorientierte Lösungen für eine zukunftsfähige Verwaltung zu überführen, die dem modernen Staat und damit uns allen zugutekommt. Ein Innovationsökosystem, das die Player aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik mit einbezieht und transparent gegenüber den Bürgern ist sowie die konsequente Ausschöpfung der vergaberechtlichen Möglichkeiten können diese Entwicklung befördern.

So fördern wir die Zusammenarbeit mit Start-ups

Mit der Initiative myGovernment setzt sich das von KPMG geförderte Institut für den öffentlichen Sektor bereits seit fünf Jahren für die Zusammenarbeit von Start-ups mit dem öffentlichen Sektor und die Förderung von GovTech-Lösungen in der Verwaltung ein. So zählen zu den Entdeckungen der vergangenen Jahre zum Beispiel die jungen Unternehmen Polyteia, Anbieter einer intelligenten Entscheidungsplattform für Kommunen und Vialytics, mit einer KI-basierten Lösung für das kommunale Straßenerhaltungsmanagement.

Vom 10.- 12. November 2020 präsentierten die besten drei von der Jury ausgewählten Start-ups gemeinsam mit ihren Partnern aus der öffentlichen Verwaltung in interaktiven Online-Veranstaltungen ihre Lösungen für den smarten Staat  - ein weiteres anschauliches Beispiel dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen Staat und Start-ups funktioniert.