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Rekord bei Geldwäsche-Verdachtsmeldungen

  • Barbara Scheben, Partner |

4 Minuten Lesezeit

Keyfacts

  • Der Jahresbericht 2019 der Financial Intelligence Unit zeigt: Im vergangenen Jahr gab es rund 120.000 Geldwäsche-Verdachtsmeldungen – eine neue Höchstmarke.

  • Güterhändler, Immobilienmakler sowie Glücksspiel-Veranstalter und -Vermittler geben deutlich mehr Verdachtsmeldungen ab als zuvor.

  • Der Jahresbericht der Behörde enthält zudem Typologien, die Verpflichtete bei ihrer Geldwäsche-Risikoanalyse beachten sollten.

Die Geldwäsche-Verdachtsmeldungen nehmen weiter zu. Das geht aus dem Jahresbericht 2019 der Financial Intelligence Unit (FIU) hervor. Mit insgesamt 119.914 eingegangenen Geldwäsche-Verdachtsmeldungen von 1.862 unterschiedlichen Verpflichteten ist ein Anstieg um fast 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen – ein neuer Rekord. 

Insgesamt haben sich die jährlichen Geldwäsche-Verdachtsmeldungen in Deutschland seit 2009 fast verzwölffacht. Dazu trägt einerseits die andauernde öffentliche Diskussion um die Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bei. Andererseits spielen die gesetzgeberischen und behördlichen Aktivitäten auf nationaler, europäischer und globaler Ebene eine entscheidende Rolle.

Verdachtsmeldungen steigen auch im Nichtfinanzsektor

Wie in den Jahren zuvor stammt die überwiegende Anzahl der Verdachtsmeldungen aus dem Finanzsektor (98 Prozent). Allerdings legt auch der Nichtfinanzsektor zu. So hat sich die Zahl der Verdachtsmeldungen in diesem Bereich auf insgesamt 1.512 Meldungen erhöht – ein Anstieg um mehr als 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für den starken Zuwachs sind insbesondere Meldungen von Veranstaltern und Vermittlern von Glücksspielen (2019: 754 Meldungen, 2018: 150 Meldungen) verantwortlich. Aber auch von Güterhändlern (2019: 554 Meldungen, 2018: 368 Meldungen) und Immobilienmaklern (2019: 84 Meldungen, 2018: 31 Meldungen) sind im Jahr 2019 rund 50 Prozent mehr Geldwäscheverdachtsmeldungen bei der FIU eingegangen. 

Obwohl die Zahlen aus dem Nichtfinanzsektor also stark gestiegen sind, machen sie insgesamt nur rund 1,3 Prozent des Gesamteingangs aus. Dies ist unter Berücksichtigung der bestehenden Geldwäscherisiken – beispielsweise im Zusammenhang mit hohen (Bargeld-)Transaktionen und dem Kontakt mit unterschiedlichen Geschäftspartnern in diesem Sektor – nach wie vor als (zu) niedrig zu bewerten. Die FIU macht in ihrem Jahresbericht 2019 deutlich, dass weitere Sensibilisierungsarbeit ihrerseits und seitens der zuständigen Aufsichtsbehörden erforderlich ist, um die Zahl der Verdachtsmeldungen bei Verpflichteten des Nichtfinanzsektors auch in den kommenden Jahren weiter zu erhöhen. 

Diese Bestrebungen zeigen sich in der geänderten Struktur der FIU, die im Jahresbericht 2019 vorgestellt wird. Aus derzeit zwei Referaten (Grundsatz-/Querschnittsbereiche und operative Analyse von Verdachtsmeldungen) sollen nunmehr im Laufe des Jahres 2020 sieben Referate werden – eines davon speziell für die Zusammenarbeit und den Austausch mit den nationalen Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden sowie mit den Verpflichteten des Geldwäschegesetzes. So sollen die Aufdeckung und Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung weiter verstärkt werden.

Positive Entwicklung bei Registrierungen

Ebenfalls aufgrund umfangreicher Sensibilisierungsmaßnahmen gestiegen sind die Registrierungen im elektronischen Meldesystem für Geldwäscheverdachtsmeldungen. Knapp 2000 Neu-Registrierungen wurden 2019 verzeichnet, vorwiegend von Verpflichteten des Nichtfinanzsektors. Zwar ist eine Registrierung aller geldwäscherechtlich Verpflichteten erst mit Inbetriebnahme des neuen Informationsverbundes der FIU (spätestens 1. Januar 2024) obligatorisch.

Allerdings nutzen insgesamt bereits mehr als 5.000 Verpflichtete den Zugang zum internen Bereich der FIU-Webseite, um Geldwäsche-Verdachtsmeldungen ohne Registrierungsverzögerungen abgeben zu können und die durch die FIU veröffentlichten Informationen (u.a. Typologiepapiere) einzusehen. Konkret spricht auch eine Vielzahl der zuständigen Aufsichtsbehörden eine Empfehlung zur frühzeitigen Registrierung aus.

FIU stellt Risikoschwerpunkte von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung vor

Die FIU hat 2019 knapp über ein Drittel aller eingegangenen Geldwäsche-Verdachtsmeldungen an die zuständige Behörde – etwa das jeweilige Landeskriminalamt – weitergegeben, da ausreichend Anhaltspunkte für Zusammenhänge mit Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder sonstigen Straftaten vorlagen. Diese Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr reduziert, 2018 wurden noch 58 Prozent der Geldwäsche-Verdachtsmeldungen weitergegeben.

Dies sei nach Angabe der FIU insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Behörde bei stetig steigendem Meldeaufkommen verstärkt ihrer Filterfunktion unter Nutzung eines risikobasierten Ansatzes nachgekommen ist. Dieser risikobasierte Ansatz beinhaltet die Evaluierung von Risikoschwerpunkten im Bereich der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung, die als Steuerungs- und Priorisierungsinstrumente für die operative Analyse der Geldwäscheverdachtsmeldungen dienen.

Die von der FIU unter Beteiligung der Strafverfolgungsbehörden entwickelten Risikoschwerpunkte berücksichtigen Bewertungen der Financial Action Task Force und der Nationalen Risikoanalyse des Bundesministeriums der Finanzen und zeigen viele altbekannte Muster: So wird nach wie vor ein hohes Geldwäscherisiko für Transaktionen im Zusammenhang mit Immobilien oder im Handel mit hochwertigen Gütern und damit verbundenen Bargeldtransaktionen gesehen. Aber auch neue Trends – etwa der Einsatz neuer Zahlungsmethoden (u.a. Kryptowährungen) und die damit verbundene Beschleunigung von Transaktionen – werden als Risikoschwerpunkte definiert.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Die von der FIU festgelegten Risikoschwerpunkte und Trends ermöglichen nicht nur der Behörde eine risikoorientierte Abarbeitung von eingehenden Geldwäsche-Verdachtsmeldungen. Auch Verpflichtete nach dem Geldwäschegesetz sollten diese Typologien bei ihrer Geldwäsche-Risikoanalyse beachten sowie entsprechend erforderliche Maßnahmen ableiten. Zudem können die Risikoschwerpunkte bei der Aufdeckung und Bearbeitung von möglichen Geldwäsche-Verdachtsfällen ein Anhaltspunkt bei der Frage sein, ob eine Meldung erforderlich ist.

Insbesondere der Nichtfinanzsektor sollte sich mit den Typologien von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung weiter vertraut machen. Die Nichteinhaltung der geldwäscherechtlichen Pflichten kann empfindliche Sanktionen nach sich ziehen: Vorgesehen sind Geldbußen von bis zu einer Million Euro oder bis zum Zweifachen des wirtschaftlichen Vorteils, der aus dem Verstoß gezogen wurde. Zudem droht die öffentliche Bekanntgabe des Verstoßes und des dafür Verantwortlichen – eine unter Umständen sehr reputations- und geschäftsschädigende Strafe.

Die aktuellen Erkenntnisse aus dem FIU-Jahresbericht unterstreichen, dass der Kampf gegen Geldwäsche auch weiterhin im öffentlichen Fokus steht. Das zeigen auch die stetigen Verschärfungen des Geldwäschegesetzes, zuletzt zum 1. Januar 2020, sowie der Entwurf der weitreichenden Reformierung des Tatbestands der Geldwäsche.