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Covid-19: Hinweise für die Vermögensnachfolge

  • Dr. Zacharias-Alexis Schneider, Director |

5 Minuten Lesezeit

Keyfacts

  • Die Erbschafts- und Schenkungssteuer bleibt von der Corona-Pandemie nicht unberührt.

  • Aus dem Börseneinbruch können sich Chancen für die Übertragung von Wertpapieren ergeben.

  • Auch im Rahmen der Unternehmensnachfolgeplanung lassen sich Steuervorteile realisieren.

  • Dabei ist auch die Unternehmensbewertung eine überwindbare Herausforderung.

Erbschaftsteuerliche Chancen und Risiken in der Covid-19-Pandemie

Die Bewältigung der COVID-19 Pandemie verlangt von uns allen erhebliche Anstrengungen. Neben persönlichen Schicksalen leidet auch die Wirtschaft an den Auswirkungen der Krise. Um die wirtschaftliche Belastung zu verringern, bemüht sich der Gesetzgeber auch im Steuerrecht um entlastende Maßnahmen, z. B. durch die Möglichkeit von Steuerstundungen. Die Erbschafts- und Schenkungssteuer wird in der aktuellen Situation jedoch eher stiefmütterlich behandelt, obwohl die Folgen der Pandemie auch hier Auswirkungen haben. 

Börseneinbruch als Chance für die Übertragung von Wertpapieren

Kursverluste tun weh, bieten aber auch eine Chance. Warum nicht jetzt niedrig bewertete, aber chancenreiche Titel an die nächste Generation verschenken? Bei börsennotierten Wertpapieren ist die Bemessungsgrundlage für die Schenkungsteuer immer der aktuelle Tageskurs am Schenkungstag. Eine spätere Wertaufholung kommt allein dem Beschenkten zugute und wird bei der Schenkungsteuer auch nachträglich nicht mehr berücksichtigt. Sofern die Übertragung unentgeltlich erfolgt, findet keine Einkommensbesteuerung beim Schenker statt. 

Die Schenkung muss dem zuständigen Finanzamt für Schenkungsteuer nur innerhalb von drei Monaten durch ein formloses Schreiben angezeigt werden. Soweit der Wert der Schenkung unter Berücksichtigung von Vorschenkungen innerhalb der letzten zehn Jahre die Freibeträge nicht übersteigt, wird das Finanzamt lediglich den Eingang der Nachricht bestätigen, andernfalls zur Abgabe einer Steuererklärung auffordern.

Unternehmensnachfolge: Die Krise als Chance zur Steuerersparnis

Die Unternehmensnachfolge in der Krisenzeit ist im Vergleich zur Übertragung von Wertpapieren wesentlich komplexer. Hier besteht zwar ebenfalls die Chance einer geringeren Steuerbelastung, es lauern jedoch auch einige Risiken. 

Das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz sieht in seiner aktuellen Fassung eine umfassende Verschonung von Betriebsvermögen vor. So wird im Regelfall eine 85%ige bzw. unter bestimmten Voraussetzungen sogar eine vollständige Verschonung, die sog. Optionsverschonung, gewährt. Sowohl Regel- als auch Optionsverschonung unterliegen im Wesentlichen zwei Einschränkungen: Einerseits kann nur Betriebsvermögen im Wert von unter 26 Mio. Euro vollständig begünstigt werden. Übersteigt der Wert des Unternehmens diese Grenze, schmilzt der prozentuale Verschonungsabschlag kontinuierlich ab, ab einem Wert von 90 Mio. Euro wird keine Verschonung mehr gewährt. Andererseits kann ein Übermaß an sogenanntem Verwaltungsvermögen – hierunter fallen z. B. fremdvermieteter Grundbesitz, Wertpapiere und Finanzmittel wie Bankguthaben – entweder zum vollständigen Ausschluss der Verschonung führen oder zumindest die Möglichkeit der Optionsverschonung entfallen lassen. 

Die andauernde Krise bietet hier eine Chance für die Unternehmensnachfolge. Unternehmen sind in der Krise auf ihre Liquiditätsreserven angewiesen, sodass der Bestand an Verwaltungsvermögen sich beinahe zwingend verringern wird. Zusätzlich schrumpft auch der Wert des Unternehmens insgesamt, wodurch im Gegenzug ein höherer Verschonungsabschlag möglich werden kann.

Unternehmensbewertung – eine überwindbare Hürde

Für die Unternehmensbewertung im Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht ist regelmäßig das sog. vereinfachte Ertragswertverfahren vorgesehen. Im Rahmen dieser Bewertungsmethode wird der durchschnittliche Gewinn der vergangenen drei Wirtschaftsjahre faktorisiert, um einen Unternehmenswert zu bilden. Für Schenkungen und Erbfälle vor dem 01.01.2021 bleiben die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie daher unberücksichtigt, da der möglicherweise erhebliche, im Jahr 2020 erwirtschaftete Verlust nicht in die Berechnung einfließt. 

Da die Bewertung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren zu unpassenden Ergebnissen führt, muss ein anderes Bewertungsverfahren angewendet werden. So verspricht speziell die Bewertung in einem zukunftsorientierten Bewertungsverfahren nach IDW S1 günstigere Ergebnisse, da hier eine Ertragsprognose aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage durchgeführt wird. Eine akkurate Ertragsprognose erscheint aufgrund der stark fluktuierenden Wirtschaftslage zunächst als Hürde, diese kann jedoch durch Szenario- und Simulationsmodelle überwunden werden. 

Nachversteuerung als zu beachtendes Risiko

Schließlich bestehen erbschaftsteuerliche Risiken, sowohl bei einer Übertragung in der Krisenzeit als auch hinsichtlich zurückliegender Unternehmensnachfolgen, wenn sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens verschlechtert. Gesetzgeberisches Ziel der Regelungen zur Verschonung von Betriebsvermögen ist der Erhalt des Unternehmens zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Fällt daher die Summe der jährlichen Gehälter, müssen Teile des Unternehmens veräußert werden oder meldet das Unternehmen gar Insolvenz an, sieht das Gesetz eine Nachversteuerung vor. Daher muss ein Unternehmen nach der Übertragung auf die nächste Generation für die nächsten fünf bzw. sieben Jahre in seinem wesentlichen Bestand erhalten bleiben. 

In diesem Zusammenhang spielt die Behandlung von Kurzarbeitergeld im Rahmen der Lohnsummenkontrolle eine wichtige Rolle. Die Finanzverwaltung hat sich hierzu bereits in der Erbschaftsteuerrichtlinie konkret dahingehend positioniert, dass die Erstattung von Kurzarbeitergeld nicht von der Lohnsumme abgezogen wird. Wenn es jedoch zu vermehrten Entlassungen kommt, kann dies sowohl für zurückliegende als auch für geplante Unternehmensnachfolgen ein Problem darstellen. Sinkt aufgrund von Entlassungen die Summe der jährlich gezahlten Löhne, kann dies zu einer Nachversteuerung für zurückliegende Unternehmensnachfolgen führen. Spiegelbildlich sind Entlassungen vor einer Unternehmensnachfolge ebenfalls problematisch, da sich die für die Folgezeit einzuhaltende Lohnsumme anhand der innerhalb der letzten fünf Jahre gezahlten Löhne und Gehälter berechnet.

Eine gute Nachricht ist, dass die Nachversteuerung aufgrund der Veräußerung von sog. wesentlichen Betriebsgrundlagen wie Maschinen, Grundvermögen und Tochtergesellschaften in der Praxis vermeidbar ist. Wird die aus der Veräußerung gewonnene Liquidität zur Tilgung betrieblicher Schulden verwendet, liegt ein von der Nachversteuerung befreiender Ausnahmetatbestand vor. Gleichwohl muss der Sachverhalt, obwohl es tatsächlich nicht zu einer Nachversteuerung kommt, innerhalb von einem Monat beim zuständigen Finanzamt angezeigt werden.

Auch die Insolvenz des Unternehmens ist ein Nachversteuerungsgrund. Zwar ist nach bisheriger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ein Erlass einer Nachversteuerung aus Billigkeitsgründen nicht möglich, diese Rechtsprechung könnte, falls es im Rahmen der Covid-19-Pandemie zu einer Insolvenz kommen sollte, jedoch in Frage gestellt werden. 

Fazit

Die Unternehmensnachfolge wird in der Krisenzeit noch beratungsintensiver. Neben den Chancen, die eine geringere Unternehmensbewertung hinsichtlich der Steuerbelastung bietet, bestehen für den Unternehmer Hürden, die es zu überwinden und Risiken, die es zu beachten gilt. Mit der richtigen Beratung ist es jedoch möglich, entsprechende Chancen aus der Covid-19 Pandemie zu nutzen.