Hafen bei Nacht

5 Faktoren für Resilienz in der Supply Chain

  • Dr. Sylvia Trage, Director |

Keyfacts

  • Es kommt immer häufiger und schneller zu Unterbrechungen in globalen Wertschöpfungsketten.

  • Um teure Ausfälle zu vermeiden, sollten Unternehmen ihre Resilienz stärken.

  • Fünf Faktoren sind für den Aufbau widerstandsfähiger Liefernetzwerke essenziell.

Belastungen aushalten können und auf Krisen mit Zuversicht reagieren: In der Psychologie werden diese Wesenszüge als Resilienz bezeichnet. Global agierende Unternehmen sollten sich bei der Gestaltung ihrer Supply Chains ein Beispiel an diesem Konzept nehmen.

Klimawandel, Ressourcenverknappung und demographischer Wandel: Diese und viele weitere Entwicklungen sind dabei, Märkte, Unternehmen und ihre Lieferketten grundlegend zu verändern. Gleichzeitig verflechten sich die internationalen Wirtschaftsmärkte weiter und werden volatiler. In der Folge führen äußere Einwirkungen immer häufiger und schneller zu Störungen in der Lieferkette. Die Corona-Krise hat gezeigt, welchen Schäden dabei entstehen können.

Viele Unternehmen versuchen, sich mit statistischen Vorhersagen oder erfahrungsbasiertem Risikomanagement auf solche Ereignisse vorzubereiten. Doch diese Methoden sind häufig unzuverlässig. Klassische Lieferketten stellen oftmals Kosten- und Ökoeffizienz in den Fokus – für Ausfälle sind keine Ausweichmöglichkeiten oder alternativen Ressourcen vorgesehen.

Um teure Unterbrechungen zu vermeiden und ihre Markstellung zu bewahren, sollten Unternehmen ihr Liefer- und Produktionsnetzwerk resilient gestalten. Für den Aufbau einer widerstandsfähigen Wertschöpfungskette sind die folgenden fünf Faktoren entscheidend:

Faktor 1: Organisationen agiler gestalten

Agilität beschreibt die Fähigkeit, sich aktiv und flexibel an veränderte Umstände anzupassen. Frühwarnsysteme und Alternativpläne sind dabei elementare Faktoren, die Lieferausfälle durch zu geringe Lagerbestände oder technische Produktionsprobleme verhindern können.

Auch Dual- oder Multi-Source-Strategien im Einkauf sind von besonderer Relevanz, wobei regelmäßig alternative Lieferanten identifiziert und qualifiziert werden sollten. Um Änderungen im Bedarf schnellstmöglich zu realisieren, gilt es, die Wünsche der Kunden zu kennen. 

Faktor 2: Lieferketten dezentraler aufstellen

Um Unabhängigkeit und Innovationsfähigkeit einzelner Unternehmensstandorte zu fördern, ist es zweckmäßig, diese von zentralen Steuerungsprozessen zu entkoppeln. Dabei sollte ein kontinuierlicher Informationsfluss bis hin zum Erstlieferanten gewährleistet sein. So lassen sich große Schwankungen der Bestellmengen frühzeitig erkennen.

Die einzelnen Standorte sollten in der Lage sein, schnellstmöglich auf Nachfrageänderungen zu reagieren. Weiterhin hilft eine globale Lieferantenstruktur dabei, die Produktionsversorgung bei einschneidenden Ereignissen sicherzustellen. 

Faktor 3: Redundanzen nutzen

Werden Strukturen, Informationen oder Elemente mehrfach und an verschiedenen Stellen genutzt, so führt diese Redundanz zu einheitlichen und somit austauschbaren Prozessen. Beispiele hierfür können weltweite Standards für Layouts, Infrastruktur, Technik oder Produktionslinien sein.

Auf diese Weise können Unternehmen im Störfall leicht auf andere Produktionsstandorte ausweichen und die Produktion in Gang halten. Auch Produktvarianten zu minimieren und Sicherheitsbestände gezielt vorzuhalten können sinnvolle Methoden sein, um Redundanz in der Supply Chain zu erhöhen. Alternative Distributionskanäle ermöglichen es Unternehmen, bei Störfällen schnell zu reagieren.

Faktor 4: New Work - Arbeitsumfeld gestalten

Schon beim Recruiting sollte nicht nur Wert auf Qualifikation und Motivation potenzieller neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt werden, sondern auch auf Persönlichkeitsmerkmale. Interdisziplinäre sowie interkulturelle Teams vereinen verschiedenen Kompetenzen und Blickwinkel, was innovative Herangehensweisen begünstigt. Gruppenarbeiten sind ein geeignetes Mittel, um Spitzenleistungen im Team zu erreichen.

Faktor 5: Permanent Lernprozesse anregen

Nichts ist beständiger als der Wandel. Unternehmen sollten lernen, sich an sich ständig verändernde Umstände anzupassen und diese als Chancen in das eigene System zu integrieren. Dies bedeutet beispielsweise, Produktionskapazitäten optimal auszunutzen und sich auf Lieferkettenunterbrechungen mithilfe von Szenarien systematisch vorzubereiten.

Im Rahmen eines „Business Continuity Management“ werden Notfallprozesse für Krisensituationen ausgearbeitet, um negative Auswirkungen auf Markt und Kunden zu vermeiden. Daneben ist stetige Weiterbildung der Mitarbeiter essenziell, um Know-how aufzubauen und einen Wettbewerbsvorteil generieren zu können.