Totenkopf auf Pappkarton vor Laptop

Der richtige Umgang mit falscher Ware

  • Dr. Anna-Kristine Wipper, Partner |

Gastbeitrag*

Keyfacts

  • Insbesondere die Textil- und Luxusbranche ist von Produktpiraterie stark betroffen.

  • Die Fälscher verfügen über eine gute technische Ausrüstung und sind nur schwer aufzuspüren.

  • Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und die Pflege des Markenportfolios können helfen, um sich gegen Produktpiraterie zu wehren.

Jährlich greifen die Zollbehörden Millionen von Produktfälschungen auf. Der globale Absatz mit gefälschten Waren lag im vergangenen Jahr laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei circa 500 Milliarden Dollar.

Das ist für betroffene Unternehmen problematisch: Denn die Marke ist eine Konstante in der Beziehung zwischen Kunden und einem Unternehmen. Sie ist ein Kennzeichen für Qualität, sorgt für Identifikation und transportiert das Image einer Firma. Wenn diese Marke zunehmend mit Fälschungen zu kämpfen hat, leiden die Reputation und der Umsatz.

Die Textil- und Luxusbranche ist besonders von Produktpiraterie betroffen

Produktpiraterie ist ein Problem für Markeninhaber aller Branchen weltweit. Aber insbesondere die Textil- und Luxusbranche ist massiv von Fälschungen betroffen. Denn anders als zum Beispiel im Fall von gefälschten Arzneimitteln, bei denen die Verbraucher der Gefahr ausgesetzt sind, dass die Einnahme zu gesundheitlichen Schäden führt, ist der Kauf einer Handtasche meistens  nicht gesundheitsschädlich. Zudem sind die Preisunterschiede in der Textil- und Luxusbranche zwischen Original und Fälschung oft sehr groß, sodass Verbraucher viel eher bereit sind, die Fälschung zu kaufen, wenn sie sich das Original nicht leisten können oder wollen.

Nachverfolgung der Warenfälscher ist oft schwer und aufwendig

Die Fälscher sind technisch bestens ausgerüstet und besonders versiert. Oft kommen die Produkte aus dem außereuropäischen Ausland. Besonders in diesen Fällen ist es sehr schwer, die gefälschten Produkte und die dahinterstehenden Verantwortlichen überhaupt zu finden und zu verfolgen.

Vier Maßnahmen, um sich vor Produktpiraterie zu schützen

Das sollte Unternehmen aber nicht davon abhalten, Wege zu finden, um gefälschte Ware ausfindig zu machen und rechtlich dagegen vorzugehen. Ich empfehle folgende Maßnahmen, um sich gegen Produktpiraterie zu wehren.

1)     Geeignetes Sicherheitskonzept überlegen

Unternehmen sollten sich ein geeignetes Sicherheitskonzept überlegen, um sich gegen Produkt- und Markenpiraterie zu schützen. Hierfür sollten die Kunden zunächst sensibilisiert werden und Schutzmaßnahmen wie Wasserzeichen oder Codierungssysteme eingeführt werden.

2)     Rechtliche Schutzmaßnahmen einführen

Unternehmen können mit dem Zoll zusammenarbeiten und dort Markenplagiate schon bei Ein- und Ausfuhr beschlagnahmen lassen. Voraussetzung ist, dass der Antragsteller seine Produkte ausreichend geschützt hat, zum Beispiel durch die Eintragung von Marken, Designs oder Patenten.

3)     Neue Technologien einsetzen

Schutzrechtsinhaber können die im Netz angebotenen Produktfälschungen mithilfe von modernen Technologien aufspüren. Ein spezialisierter Webcrawler wird mit Produktinformationen der Originalware gefüttert und erkennt so, wenn Produkte von diesen Informationen abweichen. Diese Daten sammelt der Crawler in einer Datenbank. Mit Data Analytics ist es dann möglich, die riesige Menge an Daten, die auf Social-Media-Plattformen und Shopping-Webseiten über potenziell illegale Shops und Angebote gefunden werden, zu scannen und zu filtern.

4)     Markenportfolio pflegen

Unternehmen sollten darauf achten, ihr Markenportfolio regelmäßig international zu überdenken, strategisch zu entwickeln, zu pflegen und zu überwachen, um rechtzeitig und überall gegen Produktpiraterie vorgehen zu können. So vermeidet das Unternehmen, dass es irgendwann feststellen muss, dass beispielsweise im Ausland die eigene Marke von einem anderen Unternehmen angemeldet wurde.

Fazit

Selbst mit einem guten Sicherheitskonzept wird sich Produktpiraterie nicht vollständig vermeiden lassen. Doch wenn Unternehmen konsequent gegen Fälschungen vorgehen, erlangen sie zumindest den Ruf, dass sie sich wehren. Und auch die Fälscher gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Je schwieriger es für die Produktpiraten ist, die Originalware zu fälschen und Abnehmer für die Plagiate zu finden, desto eher widmen sich diese einem anderen Unternehmen, das seine Produkte nicht so gut schützt.

Mehr Informationen zum Thema Produktinformationen finden Sie in unserem aktuellen Consumer Barometer.

*Dies ist ein Gastbeitrag unserer Kollegin Dr. Anna-Kristine Wipper. Als Partnerin der KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH ist sie auf internationales Management und Verteidigung von Schutzrechtsportfolios, Markenstrategien und Prozessführung spezialisiert.