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Umbruch im Asset Management durch Covid-19?

  • Maren Schmitz, Partner |

Keyfacts

  • Asset Manager sollten zukünftig ESG-Thematiken wie die einer Pandemie bei der Portfolio-Planung stärker berücksichtigen.

  • Ein besonderes Augenmerk sollte aktuell auf die Cash-Quote von Fonds gelegt werden.

  • Dank digitaler Informationswege, erprobt in Krisen wie der aktuellen, werden die Kunden mündiger - und anspruchsvoller.

Die Ausbreitung von Covid-19 bringt unbekannte, noch nie da gewesene Herausforderungen mit sich. Durch die plötzlichen Veränderungen sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld befinden wir uns in einer Art Ausnahmezustand. Die Asset-Management-Branche ist zusätzlich durch die resultierenden Bewegungen an den Kapitalmärkten betroffen. Neben allen Herausforderungen sehen wir, im Besonderen auch für Asset Manager, wesentliche Chancen, die die Corona-Krise mit sich bringt. Daher haben wir fünf Thesen für Sie zusammengestellt, in denen wir mögliche Auswirkungen von Covid-19 auf die Asset-Management-Branche diskutieren. 

Die Corona-Krise erhöht die Relevanz von ESG-Lösungen: Die Messung dieser Risiken wird zur Grundlage eines soliden Portfolios.

Ganzheitliches Investieren mit Hilfe von ESG-Informationen (ESG = Environment, Social und Governance) bedeutet, nicht nur Klimarisiken oder Good Practices in der Unternehmensführung zu betrachten, sondern auch finanziell-materielle Faktoren wie die Digitalisierung, Cyber Security oder Risiken durch Pandemien zu verstehen. Der diesjährige Global-Risk-Report des Weltwirtschaftsforums stuft Infektionskrankheiten als ein überdurchschnittliches Risiko für die Weltwirtschaft ein.

Die Auswirkungen einer Pandemie kann jeder von uns in der aktuellen Situation spüren: Während Milliarden Menschen soziale Kontakte vermeiden und in ihren Wohnungen bleiben müssen, gehen Arbeiter in systemrelevanten Industrien an ihre Belastungsgrenze und sind dabei oft nicht ausreichend geschützt. Der Asset Manager der Zukunft wird genau solche Thematiken berücksichtigen müssen. ESG-Strategien können Asset Managern helfen, ein resilienteres Portfolio zu entwickeln, indem auch Themen wie Arbeitsschutz, Krankenversicherung oder flexibles Arbeiten im Bereich „S“ in den Blick genommen werden. 

Bereits in vollem Gange sind in diesem Zusammenhang Entwicklungen zum Thema Klima. Die Klimakrise könnte in den nächsten Jahren vermehrt für ähnlich gravierende Zwischenfälle sorgen. Erhöhte Temperaturen führen zum Beispiel zur Ausbreitung von tropischen Krankheiten und extremes Wetter kann, ebenso wie die Corona-Krise, zu weitreichenden Unterbrechungen in den Lieferketten führen. Das bedeutet, dass Asset Manager, die ihre Marktposition stärken möchten, die aktuelle Krise als Stresstest für ihre ESG-Prüfungen nutzen sollten.

Nach der Krise gilt es, verstärkt ESG-Risiken zu messen und Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren, die die Resilienz im Portfolio steigern. Aus unserer Sicht gehört die umfassende Berücksichtigung von ESG-Risiken mehr denn je zu einem soliden Portfoliomanagement. 

In Krisenzeiten gilt die Binsenweisheit „Cash is King“: Performance der Investments und Reduzierung des Risikos von „Fire Sales“ stehen im Fokus.

Im Zuge der „Corona-Krise“ verlor der DAX innerhalb weniger Tage fast 35% seines Wertes und es bleibt trotz Gegenbewegungen unklar, auf welchem Niveau sich ein Boden bilden wird. Eine hohe Cash-Quote reduziert die Partizipation an ebensolchen Wertverlusten. 

Weltweit setzen Regierungen in Deutschland, Europa und den USA, aber auch Notenbanken wie die EZB und FED, Hebel in teils ungekanntem Ausmaß in Bewegung, um Unternehmen und Märkte mit Liquidität zu stützen. Gerade im Unterschied zur Dot-Com-Krise oder Finanzkrise 2008/2009 zeigen sich aktuell teilweise aber auch starke positive Kursausschläge, wie beispielsweise beim Dow Jones, der am 24. März 2020 mit rund +11,4% den größten Tagesgewinn seit 1933 verzeichnete. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass auf die Nachricht eines gefundenen Impfstoffes oder Medikaments auch die Märkte kräftig anziehen werden.

Dies könnte am Ende der Krise die ohnehin durch Liquiditätsmaßnahmen gestützten Märkte auf neue Höchststände heben. Gelingt es Marktteilnehmern dabei das richtige Timing zu erwischen, könnten sie mit genügend Cash-Reserven signifikante Performance-Effekte erreichen. 

Je nach zukünftiger Entwicklung könnte „Cash is King“ aber auch anderweitig an Bedeutung gewinnen. Abhängig von der Dauer der erlassenen Maßnahmen für das soziale und wirtschaftliche Leben können die ökonomischen Auswirkungen zu einem akuten Liquiditätsbedarf der Investoren führen. Die Folge wäre ein erhöhter und schneller Mittelabfluss aus den Fonds. Anteilsscheinrückgaben in großem Umfang wären die Folge. Auch in diesem Szenario gilt es für das Ende der Krise mit genügend Liquidität vorbereitet zu sein. Der Faktor Zeit könnte hier entscheidend sein. Je länger die Krise andauert, umso weniger wirksam werden die oben beschriebenen Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken sein.

Es sollte daher ein besonderes Augenmerk auf die Cash-Quote von Fonds gelegt werden und ein aktives und transparentes Liquiditätsmanagement unter Berücksichtigung der beiden oben genannten Einflussfaktoren durchgeführt werden. Denn hier wird „Timing“ der wesentliche Faktor für ein erfolgreiches Management sein. 

Digitale Zusammenarbeit von jetzt auf gleich: Covid-19 sorgt für einen nachhaltigen Durchbruch virtueller Zusammenarbeitsmodelle.

In den letzten Jahren hat sich die Asset-Management-Branche viel mit den Möglichkeiten eines digitalen Arbeitsumfelds beschäftigt. Durchgesetzt haben sich diese jedoch in vielen Bereichen nicht. Mit der zunehmenden Verbreitung von Covid-19 wurden digitale Zusammenarbeitsmodelle von einem Tag auf den anderen notwendig. Die Arbeit im Homeoffice wurde schlagartig zur Regel und Videokonferenzen oder das Teilen des eigenen Bildschirms sind plötzlich Werkzeuge der täglichen Kommunikation.

Während das verteilte Arbeiten in den meisten Fällen sehr gut funktioniert, stellen bislang noch analog abgewickelte Prozesse Asset Manager vor Herausforderungen. Hieraus erwächst der Bedarf, die Digitalisierung der Wertschöpfungskette schnell voranzutreiben.

Auch wir sehen tagtäglich, dass die Zusammenarbeit mit unseren Mandanten über diese Kanäle grundsätzlich funktioniert und entdecken dabei immer neue Möglichkeiten und Ideen für den virtuellen Austausch. Geht es Ihnen ähnlich? Dann fragen Sie Ihr Gegenüber in einem der aktuell so zahlreichen Calls und Telefonate doch einmal, wie mit den Herausforderungen umgegangen wird. Vielleicht ergeben sich dadurch neue Ideen auch für Ihre effiziente Zusammenarbeit.

Wir gehen davon aus, dass die Veränderungen zur digitalen Zusammenarbeit nachhaltig sind. Somit kann diese Krise auch einen Beitrag zu digitaler Veränderung und ein weiterer Schritt in Richtung neuer, agilerer Organisationsformen sein.

Volatile Märkte und verteiltes Arbeiten stellen eine Belastungsprobe für die gewohnte und eingespielte Prozesslandschaft dar.

In Bereichen wie Bewertung, Risikomanagement oder Anlagegrenzprüfung muss als Folge der starken Marktschwankungen  - und somit zahlreicher Grenzverletzungen und Limitwarnungen  - reagiert werden. Ebenso ist zu erwarten, dass Handelsaktivitäten verstärkt zunehmen, welche fristgerecht abgewickelt werden müssen. Gleichzeitig stehen Mitarbeiter im Homeoffice ganz neuen Herausforderungen gegenüber, wie der rein virtuellen Kommunikation mit Kollegen oder eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten  - was die gewohnte Arbeit komplexer und möglicherweise langsamer macht.

Der plötzliche Umbruch im Arbeitsumfeld, die steigende Anzahl der Aufgaben und die erhöhte Komplexität in Abstimmungsprozessen können somit zur Belastungsprobe der bisher tragfähigen Prozesse werden. Die neue Situation kann schnell dazu führen, dass Bestehendes in Frage gestellt wird, da Aufgaben aktuell nicht mehr „verlässlich, zeitnah und einfach“ erledigt werden können.

Übersetzt man dies auf die Prozesslandschaft eines Asset Managers, können wir die aktuelle Situation nutzen, um Ideen für den Einsatz von zukunftsfähigen Technologien zu identifizieren. So sollte bezüglich der Bearbeitung von Grenzverletzungen oder Handelsgeschäften der Einsatz von „Maschinen“ neu erörtert werden. Denn eine Automatisierung über die gesamte Prozesskette reduziert langfristig die Produktionskosten für den Asset Manager und führt zeitgleich zu einer Stabilisierung der Prozesse, auch in Krisenzeiten. 

Die wirtschaftliche Lage und eine transparente Berichterstattung sorgen für ein Umdenken bei Retail-Kunden und stellen den Vertrieb vor neue Herausforderungen.

Für viele deutsche Retail-Kunden sind Fonds und Marktentwicklungen eine Black-Box. In den letzten Jahren waren Fonds kein Konsumgut, sondern mussten mit hohem Aufwand vertrieben werden  - ein Fond wurde verkauft, nicht gekauft. 

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind für viele von uns spürbar, jedoch insbesondere eines: Von einer transparenten und jederzeit zugänglichen Berichterstattung begleitet. Die umfassende Berichterstattung im Internet, in Social Media und der Zugriff auch über mobile Endgeräte sorgt dafür, dass Privatanlegern die Marktlage stets vor Augen geführt wird. Aktuell haben die meisten Menschen noch andere Sorgen, als den Blick auf ihr Depot  - mit zunehmender Dauer könnte sich dies jedoch ändern und die Wertentwicklung rückt in den Fokus.  

Spätestens mit Abnahme der Corona-Krise werden die Menschen eine Bestandsaufnahme über ihre Finanzen machen und dabei feststellen, dass ihre Bestände geschwunden sind. Eine mangelnde Betreuung während der Krise führt zum plötzlichen Schock, mit dem Resultat eines zukünftig zurückhaltendem Anlageverhaltens und schwindendem Vertrauen. Der typische Vertrieb von Asset Managern ist daher kritisch zu hinterfragen. 

Gerade bei der jüngeren Generation und ihrer verstärkten Nutzung von digitalen Informationswegen ist davon auszugehen, dass sie sich intensiver mit Geldanlagen beschäftigen wird, denn die Vergleichsmöglichkeiten werden einfacher. Die Zahl der Selbstentscheider wird zunehmen und auch die Nutzung von günstigeren, passiven Investments wie ETFs. Aktive Asset Manager sollten sich deshalb besser nicht nur auf bestehende Absatzwege verlassen, sondern die Kundenbeziehung stärken und sich durch eine digital vernetzte und exzellente „Customer Wellness“ vom Wettbewerb differenzieren. Idealerweise wird dies bereits heute in die Wege geleitet  - denn der richtige Zeitpunkt zu handeln ist jetzt und nicht erst nach der Krise. 

Für Fragen oder einen Austausch steht Ihnen das Asset-Management-Consulting-Team rund um Maren Schmitz jederzeit zur Verfügung.