Laptop, Smartphone, Stift und Tasse vor blauem Hintergrund

Covid-19 und die Telekommunikationsindustrie

  • Marc Ennemann, Partner |

Keyfacts

  • Unser Head of Telecommunications beschreibt im Interview, wie sich die Covid-19-Pandemie auf die Telekommunikationsbranche auswirkt.

  • Konsequenzen: Die Branche ist gefordert, bei steigender Netzlast die Stabilität der Netze sicherzustellen. Es kommt zu Engpässen in der Supply Chain.

  • Maßnahmen: Neben der Liquiditätssicherung sollten die Unternehmen ihre Lieferanten auf mögliche Risiken hin analysieren und Alternativen identifizieren.

  • Ausblick: Das vielfache Homeworking erhöht die Akzeptanz des digitalen Arbeitens, was eine starke Telekommunikationsbranche erfordert.

Herr Ennemann, wie betrifft die Pandemie die Telekommunikationsbranche?

Telekommunikationsdienste sind in dieser Krise gefragter denn je. Aufgrund der Pandemie sind viele Menschen plötzlich im Homeoffice und kommunizieren gleichzeitig über Videotelefonie. In der Freizeit steigt die Nutzung datengetriebener Unterhaltungsangebote. Auch bei diesem erhöhten Bandbreitenbedarf haben die Unternehmen stabile Netze zu gewährleisten. Eine weitere Herausforderung besteht darin, Dienste überhaupt verfügbar zu machen. Nehmen Sie z. B. die öffentliche Verwaltung: Dort war es vielfach nicht üblich, ins Homeoffice zu wechseln – jetzt sind kurzfristig viele Beschäftigte mit Rechnern und Netzverbindungen zu versorgen, um von Zuhause sicher arbeiten zu können. Drittens gilt es, Dienstleistungen bereitzustellen, die das Interagieren erst ermöglichen.

Covid-19 wirkt sich auf die Supply Chain aus. Inwieweit trifft das die Branche?

Bestimmte Bauteile, die global gefertigt werden, können nicht geliefert werden. Das kann dazu führen, dass der Netzausbau ins Stocken gerät. Mögliche Ausfälle drohen auch auf Kundenseite, im B2B- und B2C-Geschäft. Hier können Kundenstrukturen wegbrechen oder weniger Finanzmittel als bisher zur Verfügung stehen. Außerdem verändern sich Kundenbedürfnisse und Customer Journeys, wenn aufgrund von Covid-19 die Kunden zuhause bzw. Filialen vor Ort geschlossen sind. Die Pandemie wirft in den Unternehmen aber auch die Frage auf, wie sie Schlüssel-Ansprechpartner im Unternehmen in besonderem Maße schützen können, damit diese nicht krankheitsbedingt ausfallen und dadurch die Performance des Unternehmens beeinträchtigen.

Wie können Unternehmen die akuten Herausforderungen meistern?

Entscheidend ist, während der Krise die Leistungserbringung aufrechtzuerhalten. Eine wichtige Maßnahme besteht darin, auf Tagesbasis Risikoanalysen aller Lieferanten und insbesondere der wertschöpfungskritischen Geschäftspartner zu erstellen und alternative Lieferanten und Partner zu identifizieren. Außerdem ist ein konsequenter Fokus auf die Liquidität notwendig. Hier kann es helfen, steuerliche Einspar- und Liquiditätspotenziale zu realisieren sowie eine belastbare Finanzplanung zu erstellen. Die Unternehmen sollten auch ihre Risikovorsorge hinsichtlich möglicher Zahlungsausfälle von Privat- und Geschäftskunden prüfen.

Wie wird sich die Branche durch die Krise ändern?

Die Pandemie zeigt, dass Lieferketten vielfach nicht oder nur eingeschränkt nachhaltig sind. Langfristig – also mit Blick auf die Post-Covid-Ära – wird daher zu diskutieren sein, wie die Unternehmen ihre Lieferketten stabiler gestalten können. Wie können sie die Abhängigkeit von den globalen Zulieferprozessen verringern bzw. die Risiken, die dadurch entstehen, reduzieren? Eine Antwort könnte darin liegen, wieder stärker europäische und nationale Lösungen zu suchen. Auch aus Klimaschutzgründen ist zu hinterfragen, ob es wirklich erforderlich ist, alles im asiatischen Raum zu produzieren und dann hierher zu transportieren – nur weil das einzelne Element vielleicht 0,025 Cent günstiger ist, als wenn man es hier fertigen würde.

Kurzfristige Maßnahmen
Mittelfristige Maßnahmen
Langfristige Maßnahmen

Was macht Hoffnung?

Die Krise befeuert den Kulturwandel. Vor Covid-19 herrschte vielfach die Ansicht, man käme um Präsenz-Meetings nicht herum. Nun zeigt sich: Es geht in vielen Fällen auch ohne physische Anwesenheit. Die jetzige Lage hat die Akzeptanz von digitalem Arbeiten nochmal signifikant erhöht. In Zukunft wird man nicht mehr jedes Mal in den Zug, ins Auto, ins Flugzeug steigen, um zu einem Meeting zu reisen. Das stärkt die Telekommunikationsindustrie. Zugleich hat Covid-19 deutlich gemacht, dass diese Branche ein systemrelevanter Sektor ist, der eine zentrale Infrastruktur und essentielle Dienstleistungen bereitstellt. Ich hoffe, dass dadurch die Investitionsbereitschaft in die Netze zunehmen und die Regulierung ein wenig abnehmen wird.