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Covid-19 und die Medienbranche

  • Dr. Markus Kreher, Partner |

Keyfacts

  • Unser Head of Media Dr. Markus Kreher beschreibt im Interview, wie unterschiedlich sich das Coronavirus auf analoge und digitale Medien auswirkt.

  • Konsequenzen: Die Verluste im Anzeigenmarkt belasten digitale und analoge Medien gleichermaßen.

  • Maßnahmen: Unternehmen sollten frühzeitig ihre Liquidität sichern und nach neuen Vertriebswegen suchen.

  • Ausblick: Langfristig könnte die Krise zu einer höheren Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus führen.

Herr Kreher, in der Pandemie besteht ein erhöhter Informationsbedarf. Gleichzeitig verbringen die Menschen in Deutschland einen Großteil ihrer Freizeit zuhause. Wie betrifft Covid-19 die Medienbranche?

Unterschiedlich. Medien mit digitalen Vertriebswegen erfahren einen großen Zuwachs an Nutzern. Analoge Medien hingegen erleben einen Rückgang. Gleichzeitig leiden werbefinanzierte Formate unter einer massenhaften Stornierung von Anzeigen. Davon sind vor allem Verlage und die privaten Fernsehsender betroffen. Diese Entwicklung setzt auch viele Onlineportale unter Druck. Denn die Besucherströme können die Anzeigenverluste in der Regel nicht ausgleichen. 

Wie gehen Unternehmen mit diesen Entwicklungen um?

Der Fokus liegt bei den Meisten auf der Aufrechterhaltung des Betriebs. Die Belegschaft arbeitet, sofern möglich, im Homeoffice. Entscheidungsträger prüfen Möglichkeiten zur Kosteneinsparung, etwa mithilfe von Kurzarbeit. Gerade analoge Medien versuchen, das Geschäft über alternative Kanäle fortzuführen. Denn die normalen Vertriebswege sind gestört. So ist es schwerer geworden, Papier in Druckereien liefern zu lassen oder Zeitungen auszustellen. In dieser Situation verstärken etwa Printmedien ihre Aktivitäten in sozialen Medien. Doch in vielen Fällen funktionieren die neuen Vertriebskanäle nicht so gut wie erhofft.

Welche Maßnahmen können Firmen in dieser Situation helfen?

Besonders wichtig ist jetzt die Liquiditätssicherung. Unternehmen sollten sich sämtliche Quellen der Förderung anschauen, von Krediten über staatliche Förderung bis hin zu Steuerstundungen. Dabei gilt es, früh zu beginnen und sich Zusagen einzuholen, bevor man in eine Notsituation gerät. Um ihre Umsätze zu sichern und sich finanzielle Poster zu schaffen, sollten Firmen zudem möglichst viele Vertriebswege monetarisieren.

Ist abzusehen, dass sich die Medienbranche durch die Krise nachhaltig ändern wird?

Das hängt davon ab, wie lange die Krise dauert. Einige Verlagshäuser werden sich sicher von Titeln trennen. Wenn die Pandemie viele Monate anhält, ist nicht auszuschließen, dass es zu einer weiteren Konsolidierung im Zeitungsmarkt kommt, da die Leser in der Rezession vermehrt Abonnements kündigen. Auch andere Medien könnten dann weiter unter Druck geraten. Besonders betroffen sind von Covid-19 nämlich auch große Werbekunden der Branche, etwa die Automobilindustrie oder Getränkehersteller. Um sich bei sinkenden Werbebudgets durchzusetzen, wird zunehmend Kreativität gefragt sein. Zudem ist absehbar, dass der digitale Vertrieb eine sehr viel größere Rolle spielen wird, da er sich als krisenfester erwiesen hat als andere Vertriebswege.

Kurzfristige Maßnahmen
Mittelfristige Maßnahmen
Langfristige Maßnahmen

Was macht Hoffnung?

Die Zeit, die Menschen mit digitalen Geräten verbringen, steigt. Gleichzeitig wird die Relevanz von Qualitätsmedien besonders sichtbar. Denn gerade jetzt braucht die Gesellschaft dringend verlässliche Berichterstattung. Die Hoffnung ist, dass die höhere Wertschätzung nach der Krise auch zu einer höheren Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus führt. Obwohl das die Rezession, die nach der Pandemie zu erwarten ist, nicht leichter machen wird.