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Was Covid-19 für Hotelbetreiber bedeutet

Was Covid-19 für Hotelbetreiber bedeutet

Was Covid-19 für Hotelbetreiber bedeutet

Tina Haller | Senior Manager,

Von Grenzschließungen bis Ausgangssperren: Um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, schränken Staaten in der gesamten Europäischen Union das öffentliche Leben immer weiter ein. Es herrscht Ausnahmezustand und die Reisemöglichkeiten sind bereits jetzt äußerst limitiert. Kaum eine Branche bekommt das so akut und drastisch zu spüren wie die Hotellerie, weshalb die Hilferufe der Betreiber zunehmend lauter werden. 

Laut einer ersten Untersuchung von STR und Fairmas ist die Auslastung von Hotels in ganz Deutschland seit Anfang März um mehr als 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise an Top-Standorten wie Köln oder Frankfurt bereits in den ersten beiden März-Wochen die Einnahmen der Hoteliers um bis zu zwei Drittel eingebrochen sind (Stand 16.03.2020). Aktuell berichten einzelne Hotels sogar, dass sie – seitdem das öffentliche Leben weiter eingeschränkt wurde – nur noch einstellige Auslastungswerte erreichen.

Sofortmaßnahmen zur Kosteneinsparung

Hotelbetreiber reagieren daher mit diversen Sofortmaßnahmen zur Kosteneinsparung. Die von der Regierung erleichterte Umsetzung von Kurzarbeit wird von den meisten Betrieben in Anspruch genommen. Der Abbau von Mehrarbeit und Urlaubsrestbeständen verringert zwar überschüssige Ressourcen, erleichtert aber den Kostendruck nicht. 

Die Branche ist sich weitestgehend einig, dass Entlassungen vermieden werden sollten, da es vor der Krise einen akuten Bedarf an Nachwuchskräften gab. Einen Schritt weiter gehen Hoteliers, die eine vorübergehende Schließung ihrer Betriebe verkünden. Dies trifft zunächst insbesondere auf Hotels zu, die besonders von touristischer Nachfrage leben. 

Zwar stellt der Bund Fördermittel in Aussicht, um solche drastischen Reaktionen und darauffolgende drohende Insolvenzen zu verhindern. Diese sind jedoch nicht ohne das Überwinden von einigen Hürden zugänglich. So haftet beispielsweise der Bund nur für 80 Prozent der Liquiditätshilfen, was ein Entgegenkommen der eigenen Hausbank unabdingbar macht.

Kreative Lösungen bei Liquiditätsengpässen

Darüber hinaus suchen Hotelbetreiber vermehrt das Gespräch mit Immobilieneigentümern, um bevorstehende Liquiditätsengpässe proaktiv zu kommunizieren und zu vermeiden. Gegenstand der Verhandlungen zwischen den beiden Parteien sind im Wesentlichen Pachtstundung und Aussetzung von Pachtzahlungen. 

Häufig geht es auch um kreativere Lösungen wie die vorzeitige Verlängerung von Pachtverträgen inklusive vorgezogener pachtfreier Zeit oder Umstellungen von Fixpachten auf hybride Pachten – mit der langfristigen Chance des Eigentümers, am Upside-Potenzial zu profitieren. Eigentümer wiederum sind folglich insbesondere in Sachen Risikomanagement gefragt. Es gilt, die Situation der Betreiber zu verstehen und deren Bonität einzuschätzen, um die Transparenz mit Blick auf drohende Zahlungsausfälle zu erhöhen. 

Das Projektgeschäft kommt in Deutschland fast gänzlich zum Erliegen. Zwar ist man bestrebt, bereits fortgeschrittene Vertragsverhandlungen zwischen Entwicklern und Betreibern zum Abschluss zu bringen. Die Einschätzung und Verhandlung einer künftig erwirtschaftbaren Pacht ist jedoch im aktuellen Krisenumfeld äußerst schwierig. Hinzu kommt, dass sich Banken derzeit zunehmend aus Projektentwicklungen zurückziehen, was mittelfristig eine Welle an zusätzlichem Finanzierungsbedarf auf Entwicklerseite und im schlimmsten Fall ein Projektsterben auslösen wird.

Verpflichtungen in der Krise nachkommen

Es besteht zwar die Möglichkeit, dass sich Hotelzimmer während der Krise für andere Zwecke vermieten lassen – etwa als Arbeitsstätten für Menschen ohne geeigneten Home-Office-Platz oder als erweiterte Krankenhausstationen.

Dennoch müssen letztendlich alle betroffenen Marktteilnehmer ihren Verpflichtungen in dieser Krisensituation nachkommen. Das bedeutet unter anderem, aktives Personal-, Kunden- und Supply-Chain-Management zu betreiben. Zudem ist es wichtig, fundierte Risiko- und Szenarioanalysen vorzunehmen oder wegfallende Finanzierung auf Basis fundierter Planungsanalysen zu ersetzten bzw. Fördermittel anzufordern. 

Die Corona-Virus-Krise wird viele kleinere oder noch schwach im Markt etablierte Betreiber existenziell bedrohen. Kapitalstarke Betreiberplattformen, die in der Vergangenheit hinreichende liquide Mittel ansammeln konnten, warten bereits auf die Übernahme von sich auflösenden Pachtverträgen. Somit ist es ein plausibles Szenario, dass die Covid-19-Krise die bereits fortgeschrittene Betreiberkonsolidierung in Deutschland verstärkt.