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IPO: Wer teilt, gewinnt

  • Christian Klingbeil, Partner |

Keyfacts

  • Stellt aussagefähige Finanzinformation für Investoren bereit

  • Eigenständiger Abschluss der herauszulösenden Einheit

  • Chance, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu optimieren

Der südkoreanische Konzern Samsung prüft Presseberichten zufolge seine eigene Aufspaltung. Über diese Phase sind viele deutsche Konzerne längst hinweg: Bereits 2014 fiel bei Bayer die Entscheidung, die Kunststoffsparte MaterialScience auf eigene Beine zu stellen. Im Oktober 2015 war es dann soweit: Der IPO (Initial Public Offering) der Kunststoff-Tochter Covestro markierte den Abschluss eines Großprojekts, welches unlängst von der Wirtschaftswoche ausgezeichnet wurde.

Abspaltungen wie Covestro liegen im Trend. Immer mehr Unternehmen prüfen solche Optionen, um ihr Geschäft zu konsolidieren. Konzernchefs, die sich für eine Abspaltung entscheiden, sehen in einem „Stand-Alone“ oft bessere Entwicklungschancen für den betreffenden Bereich. Und sie stehen regelmäßig vor der Frage: Verkauf, klassischer IPO oder doch Spin-off? Hier kann auch das KPMG Business Model Readiness Assessment helfen.

Der Bayer-Vorstand hatte sich seinerzeit für den klassischen Börsengang und gegen einen Spin-off entschieden. Aber wo genau liegen die Unterschiede: Im Zuge eines Spin-offs werden bestimmte Vermögensteile der abgebenden Gesellschaft auf ein anderes Unternehmen übertragen und dieses dann an die Börse gebracht. Anders als in einem klassischen IPO werden die Aktien des übernehmenden Unter­nehmens aber nicht öffentlich zur Zeichnung angeboten, sondern anteilig an die Aktionäre der abgebenden Muttergesellschaft verteilt.

Mit Carve-out zum „Stand Alone“

Doch wer sich auf diese Art von Geschäftsbereichen trennen will, der muss vieles beachten – auch in Sachen Rechnungslegung. Oft ist der herauszulösende Geschäftsbereich allerdings keine rechtliche Einheit, so dass dessen operative Geschäftstätigkeit nicht durch traditionelle Abschlüsse wie ein Konzern- oder Einzelabschluss im Sinne der IFRS abgebildet werden kann.

In dieser Situation ist ein sogenannter Carve-out Abschluss das Mittel der Wahl. Er „schneidet“ die ökonomischen Aktivitäten der herauszulösenden Einheit aus dem Konzernabschluss der Mutter heraus. Der daraus resultierende eigenständige Abschluss bildet die Grundlage für Verhandlungen mit potenziellen Investoren oder den Wertpapierprospekt im Rahmen des Börsengangs.

„Covestro war 2015 der größte Börsengang Deutschlands. Es war ein sehr komplexes Unterfangen, das unterschiedlichste Themen beinhaltete: vom Carve-out über strategische Themen, die Rechnungslegung und steuerliche Fragestellungen bis hin zu Bewertungs- und Transaktionsaspekten”, sagt Vir Lakshman, Leiter des Bereichs Chemie & Pharma bei KPMG.

Komplexe Vorbereitung

Gerade der Aufbau der Stand-Alone Fähigkeit sämtlicher Finanzfunktionen des abzuspaltenden Bereichs ist eine wichtige Voraussetzung für den Börsengang. So muss dafür Sorge getragen werden, dass der Börsenneuling in spe wirtschaftlich und rechtlich ausreichend separiert ist, um selbständig agieren zu können.

Unternehmen, die erstmalig mit den Anforderungen eines Carve-out Abschlusses konfrontiert sind, stehen vor komplexen Fragestellungen. Viele wichtige Entscheidungen sind im Vorfeld zu treffen – zusätzlich zum Tagesgeschäft. Das erfordert Weitsicht und eine adäquate personelle Kapazitätenplanung.

Unabhängig davon, ob sich das Management für einen klassischen IPO oder Spin-off entschei­det, eines ist gewiss: Ein solches Unterfangen ist kostspielig, aufwändig und bindet Ressour­cen – insbesondere im Finanzbereich. Doch wer gut vorbereitet ist und die richtige Beratung erhält, der kann aufkommende Klippen erfolgreich umschiffen.

Sie denken über einen Börsengang für Ihr Unternehmen nach? Dann machen Sie unseren Check.