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  • Silvan Jurt, Partner |
  • Patrick Schmucki, Expert |

Transparenz in Bezug auf nicht-finanzielle Aspekte ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung. Der Bundesrat teilt diese Einschätzung und hat diese bei verschiedenen Gelegenheiten über die letzten Jahre kundgetan. Auch der Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative widerspiegelt diese Haltung. Doch wie steht es wirklich um die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz?

Verbreitung der Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz

Im Rahmen der elften KPMG-Studie zu «Sustainability Reporting» wurden global 5‘200 Unternehmen (davon 100 Unternehmen aus der Schweiz) in eine umfassende Untersuchung zur nicht-finanziellen Berichterstattung einbezogen. Dabei zeigte sich erneut, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz bereits sehr stark verbreitet ist. Während weltweit 96% der 250 grössten Unternehmen und 77% der gesamthaft untersuchten Unternehmen zu nicht-finanziellen Aspekten Bericht erstatten, sind es in der Schweiz solide 80% der untersuchten Firmen. Dabei werden mehrheitlich die GRI-Standards verwendet. Damit liegt die Schweiz im globalen Durchschnitt. Es zeigt sich ausserdem, dass in der Schweiz mangels gesetzlicher Vorschriften andere Treiber, wie zum Beispiel der Druck der Investoren, für freiwillige Transparenzbemühungen sorgen. Mit Blick auf eine mögliche Verschärfung gesetzlicher Vorschriften sind grosse Schweizer Unternehmen daher bereits gut aufgestellt.

Generelle Trends und ihre Auswirkungen auf Schweizer Unternehmen

Weltweit wird viel in die Glaubwürdigkeit von Berichten investiert. Eines der wichtigsten Themengebiete ist dabei die Auswirkung des Klimawandels auf die Unternehmen und ihre Zuliefererketten. Investoren setzen dabei zunehmend Druck auf, um Informationen zu individuellen Risiken und Chancen sowie den finanziellen Einflüssen des Klimawandels auf die betroffenen Unternehmen zu evaluieren. Weltweit anerkennen gemäss der KPMG-Studie 40% der untersuchten Unternehmen die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels. In der Schweiz sind es 34%. Damit legt eine grosse Zahl an Unternehmen im In- und Ausland noch immer grosse Zurückhaltung an den Tag, sich dem Thema anzunehmen. Zu bemerken ist allerdings, dass sich die Zahlen in den letzten fünf Jahren weltweit stark erhöht haben. Dies auch, weil sich viele „Best Practices“ erst seit kurzem konkretisiert haben. Wie zum Beispiel die Empfehlungen der „Taskforce for Climate-related Financial Disclosure“ (TCFD). Trotz aktuell geringem Verständnis und wenig Anerkennung für die finanziellen Effekte aus dem Klimawandel, haben sich viele Unternehmen zur Reduktion des CO2-Fussabdrucks im Rahmen von konkreten Zielen bekannt. 65% der 5‘200 untersuchten Unternehmen berichten zu ihren Emissionszielen. Dies sind 50% mehr als im Jahr 2017. In der Schweiz sind es ebenfalls mehr als die Hälfte der grössten 100 Firmen. Nun geht es darum, die gesetzten Ziele in konkrete Initiativen umzusetzen und Investoren periodisch darüber zu informieren, wo man sich auf dem Weg befindet.

Neben dem Thema Klimawandel gibt es weitere Baustellen, beispielsweise im Bereich Biodiversität. Ein sehr geringer Teil an Unternehmen in der Schweiz, aber auch global, berichten über ihre Berührungspunkte zur Biodiversität, deren Bedeutung jedoch für die globale Wirtschaft und für die Investoren unumstritten ist. So hat ein kürzlich veröffentlichter Bericht des WEF (“Nature Risk Rising: Why the Crisis is Engulfing Nature Matters for Business and the Economy”) aufgezeigt, dass eine geschätzte ökonomische Wertschöpfung von USD 44 Trillionen direkt von der Biodiversität abhängt und damit jährlich gefährdet ist. Die Risiken aufgrund des menschlichen Einflusses erhöhen sich dabei laufend.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung zu einem festen Bestandteil der Investorenkommunikation und der Geschäftsberichterstattung insgesamt geworden ist. Mit steigendem Investoreninteresse und weiteren Regulierungen wird die Transparenz hinsichtlich finanziellen Auswirkungen von ESG-Aspekten (Environmental, Social und Governance-Aspekten) sowie die Glaubwürdigkeit der getroffenen Massnahmen und Aussagen verstärkt in den Fokus rücken. Folgerichtig zeigt sich ein steigender Trend zu mehr Drittbestätigungen respektive Prüfungsdienstleistungen. Weltweit lassen bereits knapp die Hälfte aller Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichte durch Dritte prüfen – bei den grössten 250 sind es sogar mehr als zwei Drittel. In der Schweiz sind es immerhin 30% der untersuchten, berichterstattenden Unternehmen. Auch hier ist die Qualität der Assurance-Anbieter entscheidend, um die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsberichten weiter zu erhöhen.

Lesen Sie mehr in der Studie: The time has come - the KPMG Survey of Sustainability Reporting 2020 (PDF, auf Englisch)

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