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Schweizer Familienbetriebe sind optimistisch

  • Reto Benz, Partner |

Schweizer Familienunternehmen sehen positiv in die Zukunft

Trotz wachsendem Protektionismus und offenen Handelsstreitigkeiten blicken zwei von drei Schweizer Familienunternehmen dem kommenden Geschäftsjahr positiv oder sogar sehr positiv entgegen. Das aktuelle European Family Business Barometer zeigt eine aussichtsreiche Entwicklung.

Familienunternehmen in Europa sind selbstsicher für die kommenden zwölf Monate und möchten in den nächsten zwei Jahren noch innovativer werden. Das ist das Ergebnis des achten European Family Business Barometers von KPMG, welches in Zusammenarbeit mit dem Verband European Family Businesses (EFB) erstellt wurde. Befragt wurden im Sommer 2019 europaweit mehr als 1'600 Familienunternehmen aus insgesamt 27 Ländern. Aus der Schweiz nahmen 41 Familienunternehmer teil und machten zusätzliche Angaben zu Kernthemen wie Digitalisierung, Regulierung und Fachkräftemangel.

Optimismus der Schweizer Familienunternehmen wächst

Trotz Ungewissheiten über die politische Zukunft blicken 61 Prozent aller befragten Familienunternehmer in der Schweiz positiv oder sogar sehr positiv in das kommende Jahr. Die Schweiz liegt damit im europäischen Durchschnitt. Diese Gesamtentwicklung ist erfreulich: Im Vorjahr hatten lediglich 46 Prozent der Schweizer Studienteilnehmer denselben Grad an unternehmerischer Zuversicht.

Die aktuelle Umfrage zeigt, dass Familienunternehmen weiterhin auf dem starken Wirtschaftswachstum der Vergangenheit aufbauen. Zwei von fünf Schweizer Familienbetriebe konnten in den vergangenen 12 Monaten den Umsatz um bis zu 50 Prozent erhöhen. Zwar liegt die Schweiz damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt (58 Prozent), das Schweizer Familiengeschäft ist dafür eindeutig stabiler: Fast die Hälfte der Befragten konnte den Vorjahresumsatz halten.

Investitionen in Innovation haben höchste Priorität

Um den digitalen Umbruch zu meistern, muss der Schweizer Mittelstand sich vom reinen Produktdenken verabschieden und ausgetretene Pfade verlassen. Dies scheint den befragten Familienunternehmen bestens bewusst zu sein. 90 Prozent der Schweizer Betriebe erachten es als wichtig oder sehr wichtig, in den nächsten zwei Jahren innovativer zu werden. Im europäischen Durchschnitt sind es sogar 95 Prozent.

Die Innovationsbereitschaft der Schweizer Betriebe sticht im europäischen Vergleich insbesondere durch die konkreten Investitionspläne für das kommende Geschäftsjahr hervor: 32 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie in den nächsten 12 Monaten in Innovation und neue Technologien investieren. Damit hat Innovation, noch vor dem Kerngeschäft (29 Prozent) und der Rekrutierung (21 Prozent), die höchste Priorität. Europaweit haben lediglich 25 Prozent der Befragten angegeben, dass sie im nächsten Jahr in neue Technologien investieren werden.

Digitale Transformation als Schwerpunktthema

Den meisten Familienunternehmen ist es ein wichtiges Anliegen, mit der Digitalisierung Schritt zu halten und die digitale Transformation in den nächsten Jahren weiter voranzutreiben, um so das Geschäft zukunftssicher aufzustellen. Die Digitalisierung wurde von den Schweizer Familienunternehmen denn auch als wichtigste aktuelle Herausforderung überhaupt genannt und damit höher gewichtet als Themen wie Regulierung, Bürokratie oder die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells.

Jeder vierte Studienteilnehmer in der Schweiz erhofft sich eine Neugestaltung der Strukturen und Prozesse durch die Digitalisierung. 17 Prozent wollen durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Effizienz steigern. Als drittes wichtiges Digitalisierungsthema wurde die Steigerung der Kundenorientierung durch Datenanalysen und Personalisierungen (15 Prozent) genannt.

Die neuen Kompetenzen beschaffen sich die Betriebe nicht zuletzt durch die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern. 40 Prozent der Schweizer Familienunternehmen haben in den letzten 12 Monaten ihren Personalbestand erhöht (Europa 47 Prozent).

Mehr Rechtssicherheit dank Steuerreform

Die Vorjahresstudie hatte ergeben, dass 54 Prozent der Schweizer Familienunternehmen eine wirksame Reform der Unternehmensbesteuerung zu den drei wichtigsten Erwartungen an Politik und Regulierung zählten. Durch die klare Annahme der Vorlage über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF) im Mai scheint sich die Besorgnis der Schweizer Familienunternehmen in Bezug auf die Rechtssicherheit abgeschwächt zu haben. In der aktuellen Studie haben 47 Prozent der Schweizer Studienteilnehmer angegeben, dass regulatorische Anforderungen zu ihren wichtigsten Sorgen zählen, was deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 60 Prozent liegt.

Doch die Regulierung nimmt sowohl in Europa als auch in der Schweiz weiter zu – und entsprechend auch die Compliance-Anforderungen an Schweizer Familienunternehmen. Nicht zuletzt angesichts der digitalen Transformation, welche zu einer immer engeren Vernetzung von Unternehmen mit ihren Partnern, Lieferanten und Kunden führt. Daher bleiben regulatorische Themen aktuell und müssen laufend neu beurteilt werden, um Risiken frühzeitig zu identifizieren und mögliche Massnahmen zur Rechtskonformität zu ermöglichen.

Das komplette European Family Business Barometer mit den detaillierten Ergebnissen zum KPMG Stimmungstest bei Europas Familienunternehmen finden Sie hier.

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