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Kapitalkostenstudie 2019

  • Johannes Post, Partner |

Makroökonomische, regulatorische und politische Faktoren sowie disruptive Technologien werden verstärkt als Risikofaktoren genannt, welche die Investitionsentscheidungen der Unternehmen beeinflussen. Demgegenüber bleiben die Kapitalkosten im Durchschnitt auf annähernd gleichem Niveau.

Regulatorische und protektionistische Risiken führen zu erhöhter Unsicherheit

Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre war stark von disruptiven Effekten auf bestehende Geschäftsmodelle bestimmt. Neben den hiermit verbundenen Unsicherheiten auf mikroökonomischer Ebene, treten zunehmend Unsicherheiten auf der makroökonomischen Ebene auf. Die aktuelle Kapitalkostenstudie von KPMG zeigt, dass der Berücksichtigung politischer und regulatorische Entwicklungen in Unternehmensplanungen eine deutlich gestiegene Bedeutung beigemessen wird.

Technologischer und demografischer Wandel – Chance und Risiko zugleich

Zudem führt der anhaltend schnelle technologische Wandel zu einer horizontalen sowie vertikalen Neujustierung von Wertschöpfungsketten. Unternehmen müssen sich neuen Herausforderungen stellen: Plattformstrategien bilden die Basis für gänzlich neue Geschäftsmodelle, Daten sind zum neuen "Rohstoff" geworden und auch regional unterschiedliche demografische Entwicklungen – sowohl in entwickelten Märkten, wie der Schweiz, als auch global – müssen genauer analysiert werden.

Ob technologisch oder demografisch bedingt, die hieraus resultierenden positiven wie negativen Effekte haben eine enorme Grössenordnung angenommen. Ganze Volkswirtschaften sind von diesen Entwicklungen, die sich zeitlich von den allgemeinen konjunkturellen Zyklen entkoppelt haben, beeinflusst. Dies stellt ganze Branchen vor grosse Herausforderungen.

Unterschiedliche Wachstumserwartungen

Die oben erwähnten Herausforderungen werden in den meisten Sektoren durch leicht gesunkene Erwartungen hinsichtlich des Umsatzwachstums reflektiert. Während durchschnittlich von einem um 0.9 Prozentpunkte geringeren Umsatzwachstum ausgegangen wird, bleibt jedoch das erwartete Wachstum der Profite (EBIT) im Durchschnitt stabil. Dies weist darauf hin, dass die zukünftigen Kostenstrukturen bzw. Skaleneffekte positiver eingeschätzt werden. Allerdings gibt es auch hier in den einzelnen Sektoren unterschiedliche Trends zu beobachten.

Entwicklung der Kapitalmärkte trotzt den Rezessionserwartungen

Aktuell befinden wir uns an den Kapitalmärkten weiterhin in einer überdurchschnittlich lang anhaltenden aufsteigenden Zyklusphase, beginnend mit den letzten Tiefständen an den europäischen Börsen im Jahr 2012. Warnende Stimmen hinsichtlich nahender Abschwungtendenzen und sogar Rezessionserwartungen nehmen aktuell zu, was sich jedoch nicht an den Kapitalmärkten und den dortigen Renditeerwartungen widerspiegelt. Eine solch unterschiedliche Wahrnehmung lässt sich auch in der Schweizer Wirtschaft erkennen: Während zum Beispiel gemäss Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft die Konsumentenstimmung der Eidgenossen seit Jahresbeginn gefallen ist und die Konsumenten mit einer sich abkühlenden Wirtschaft rechnen, ist der SMI seit Jahresbeginn um mehr als 20% gestiegen.

Kapitalkosten nahezu unverändert

Planungsunsicherheiten, Wachstumserwartungen und die Entwicklung der Kapitalmärkte stellen den Hintergrund für die Ableitung von Kapitalkosten dar. Die durchschnittlich gewichteten Kapitalkosten (WACC) lagen mit 6,9% in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Heisst das, dass die oben erwähnten Risiken ausreichend in den Unternehmensplanungen reflektiert sind? Unsere Studie zeigt, dass die Entwicklung der Kapitalkosten zwischen den Branchen heterogen ist. Während z.B. der WACC in der Branche Chemicals & Pharmaceuticals von 7,0% auf 7,3% gestiegen ist, fiel er im Bereich Health Care von 7,6% auf 6,6%.

Bei der Betrachtung der einzelnen Parameter der Kapitalkosten, überrascht dieses Jahr insbesondere der durchschnittliche angewandte risikofreie Zinssatz in der Schweiz von 1,6%, der damit um 20 Basispunkte über dem Vorjahresniveau liegt. Nachdem der Leitzins der Schweizer Nationalbank seit längerem im negativen Bereich liegt, werden seit Sommer 2019 nun auch langfristige Schweizer Staatsanleihen mit negativen Zinsen am Markt gehandelt. Dies erscheint zum angewandten risikofreien Zinssatz der Schweizer Unternehmen widersprüchlich. Langfristig lässt sich allerding beobachten, dass die Kombination aus risikofreiem Zinssatz und Marktrisikoprämie nur leicht rückläufig ist. Dies stütz die weit verbreitet Annahme, dass sich die Renditen für Aktien – also Eigenkapital – trotz deutlich gesunkenem Zinsniveau nur sehr langsam reduzieren.

Für das kommende Jahr besteht die Gefahr, dass mit der Beibehaltung der Marktrisikoprämie aber einer deutlichen Reduzierung des risikofreien Zinssatzes, die Kapitalkosten zu niedrig und damit die Unternehmenswerte zu hoch ausgewiesen werden könnten. Sind erhöhte Risiken, zu geringe Kapitalkosten und abweichende Wachstumserwartungen von Unternehmen, Investoren sowie Marktbeobachtern – die Ingredienzien für einen perfekten Sturm?

Auch in diesem Jahr verzeichnete die Kapitalkostenstudie einen neuen Teilnehmerrekord: In der gesamten DACH-Region nahmen 312 Unternehmen (+13%) teil, wovon 41 (+37%) aus der Schweiz kamen.

Die vollständige Kapitalkostenstudie 2019 finden Sie hier und die interaktive Auswertungsmöglichkeit der Erhebung können Sie hier einsehen.

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