Finanzlage der Schweizer Versicherer - KPMG Switzerland
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Finanzlage der Schweizer Versicherer

Finanzlage der Schweizer Versicherer

Finanzlage der Schweizer Versicherer

Stefan Zumthor | Expert,

Einblicke in die Finanzlage der Schweizer Versicherer

Zum zweiten Mal wurden dieses Jahr gemäss dem FINMA-Rundschreiben 2016/2 die „Berichte über die Finanzlage“ durch die Schweizer Versicherer veröffentlicht. Diese Berichte haben zum Ziel, dem Leser ein Bild über deren ökonomische Risikosituation zu vermitteln – insbesondere durch den Ausweis des SST (Schweizer Solvenztest).

Die meisten Versicherer wenden dabei das Standardmodell der FINMA an. Wenige haben dieses auf ihre Verhältnisse angepasst und nur vereinzelt wurden hauseigene Modelle erstellt. Hier gilt die Faustregel, je grösser der Versicherer, desto eher wird ein differenziertes Modell angewendet.

Wie im Vorjahr haben wir die Publikationen von über 59 Schweizer Direktversicherern erfasst und ausgewertet. Unsere Erkenntnisse sind wie folgt.

Modellanpassungen verzerren den Vergleich

Wiederum zeigt sich das allgemeine Bild der Versicherungsbranche als sehr gesund und solide kapitalisiert – sogar leicht besser als im Vorjahr.

Die Vergleichbarkeit gegenüber den Vorjahren wird aber dadurch eingeschränkt, dass die Modelle mit Hilfe deren das verfügbare und das geforderte Kapital ermittelt werden, methodologisch stark verändert wurden. Deshalb können auch noch keine fundierten Aussagen über Trends gemacht werden.

So wenden insbesondere Krankenversicherer in der Bewertung von Versicherungstechnischen Verbindlichkeiten neue Ansätze an, was zu sehr starken Schwankungen der Solvenzquoten im Jahresvergleich geführt hat.

Auch mit der zweiten jährlichen Publikation, die ein weiteres Glied in die Datenreihe einfügt, ist es zu früh, einen entsprechenden Trend zu erkennen. Zudem scheinen die jeweiligen Modelle vor allem bei den Krankenversicherern noch nicht „stabil“ genug zu sein, was wiederum die jährliche Vergleichbarkeit der Informationen erschwert.

Die SST Modelle werden sich jedoch über die Jahre hinweg stabilisieren. Auch die Offenlegung wird ausgereifter sein, so dass künftig inhaltlich bessere Informationen über die Branche sowie die einzelnen Versicherer vorliegen werden.

Strategische Flexibilität und Kapitalallokation: Unterschiedliche Fragestellungen für kleine und grosse Versicherer

Bei allen erfassten Versicherern übersteigt das verfügbare Kapital (risikotragendes Kapital) das geforderte Kapital (Zielkapital) deutlich, was zu einem Kapitalüberschuss führt. Daraus ergeben sich Fragestellungen zu Kapitalallokation, Dividendenpolitik und Kapitalbeschaffung. Wenig überraschend ist, dass die Grossversicherer über die nominal meisten freien Mittel verfügen. Dementsprechend haben sie die finanziellen Voraussetzungen, um die anstehende Transformation der Branche zu gestalten, Zukäufe zu tätigen und in zukunftsweisende Innovationen zu investieren. Kleinere Gesellschaften müssen Wege finden, sich den Herausforderungen dieser Veränderungen langfristig zu stellen.

Bei Krankenversicherern stellen sich die Fragen rund um Kapitalallokation besonders, da sie meist von Vereinen, Stiftungen oder gemeinnützigen Organisationen gehalten werden, die nicht auf Rendite oder Dividenden aus sind.

Eine Kernfrage ist daher: Wie können Krankenversicherer ihr Überschusskapital verwenden und sinnvoll einsetzen, um für ihre Kunden und Mitglieder Mehrwert zu generieren, der über eine typische Rendite hinausgeht?

Blick nach vorne

Wir haben beobachtet, dass Berichte über die Finanzlage in sehr unterschiedlichen Formen daherkommen. Leider werden sie noch zu wenig als Medium zur Kommunikation mit dem Markt und den Kunden verstanden.

So haben nur wenige Unternehmen ihre Solvenz aktiv auf ihrer Webseite oder in den sozialen Medien kommuniziert. Auch hier bleibt abzuwarten, was für ein Standard sich mittelfristig entwickeln wird und inwiefern die Berichte auch bei den Anlegern und Kunden Gewicht erhalten wird.

Lesen Sie mehr in unserer Publikation: Aktuelle Erkenntnisse aus dem Public Disclosure (PDF)

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