Rechnungslegung in Fremdwährung - KPMG Switzerland
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Rechnungslegung in Fremdwährung

Rechnungslegung in Fremdwährung

Rechnungslegung in Fremdwährung

Silvan Loser | Partner,

Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven bei Rechnungslegung in Fremdwährung

Im geltenden Recht besteht die Möglichkeit, Buchführung und Rechnungslegung in der für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Währung vorzunehmen. Die Rechnungslegung in Fremdwährung führt zu verschiedenen Herausforderungen, namentlich auch mit Bezug auf die Gewinnverwendung. Bei Ausschüttungen aus den steuerlichen Kapitaleinlagereserven (KER) wird die Komplexität aufgrund der bestehenden ESTV-Praxis zur Umrechnung zusätzlich erhöht.

Massgebender Umrechnungskurs für KER-Ausschüttungen

Bei Rechnungslegung in Fremdwährung (FW) ist der Antrag des Verwaltungsrats über die Verwendung des Bilanzgewinnes nicht nur in der Funktionalwährung, sondern auch in CHF darzustellen. Die Betrachtung in CHF ist dabei für die maximale Ausschüttung massgebend, jedoch darf die vorgeschlagene Gewinnverwendung in CHF die ausschüttungsfähigen Eigenkapitalelemente in der Funktionalwährung nicht überschreiten. Weiter sind bei der Darstellung des Gewinnverwendungsantrags mögliche Veränderungen der Umrechnungskurse bis zum Zeitpunkt des Ausschüttungsbeschlusses zu berücksichtigen, damit nicht durch ungünstige Wechselkursentwicklungen bereits aufgezehrte Gewinnreserven ausgeschüttet werden (vgl. Artikel: Rechnungslegung in Fremdwährung – Angabe der Werte in Schweizer Franken).

Die steuerlichen Kapitaleinlagereserven werden von der ESTV unabhängig von der verwendeten Rechnungslegungswährung in CHF geführt. Bei Ausschüttungen aus den KER stellt sich damit die Frage, zu welchem Kurs die ESTV eine in FW erfolgte Ausschüttung in CHF umrechnet, um diese vom Bestand der KER in Abzug zu bringen.

Die entsprechende Anfrage seitens KPMG wurde von der ESTV Ende 2016 dahingehend beantwortet, dass für die Abbuchung der im Zeitpunkt der Auszahlung gültige Tageskurs massgebend ist.

Darstellung des Gewinnverwendungsantrags

Aufgrund der erwähnten Praxis der ESTV besteht bezüglich Gewinnverwendung das Problem, dass die KER-Abbuchung zu einem Kurs erfolgt, der im Zeitpunkt der Beschlussfassung durch die Generalversammlung noch nicht bekannt ist.

Das illustrative Beispiel zeigt eine mögliche Darstellungsvariante, mit der der ESTV-Praxis Rechnung getragen werden kann.

Implikationen auf die Jahresrechnung in FW

Abhängig von der Kursentwicklung zwischen Bilanzstichtag und Stichtag der Auszahlung können bei Rechnungslegung in FW und Ausschüttungen aus den KER folgende Konstellationen eintreten (Annahme: vorhandene KER sollen vollständig ausgeschüttet werden):

  • Sinkende FW-Kurse: Die KER in FW betragen 0, in CHF bleibt ein Restbestand;
  • Steigende FW-Kurse: Die KER in CHF betragen 0, in FW bleibt ein Restbestand.

Da für die Angabe der Werte in CHF die Umrechnung des Eigenkapitals zu historischen Kursen erfolgt (vgl. hier), müssen bei obigen Konstellationen die KER-Bestände in der FW-Buchhaltung angepasst werden (Umbuchungen zwischen KER und anderen Reservepositionen, da bei einem FW-Bestand von 0 unabhängig vom verwendeten historischen Kurs kein positiver CHF-Bestand resultieren kann resp. ein positiver FW-Bestand unabhängig vom verwendeten historischen Kurs nicht zu einem CHF-Bestand von 0 führen kann). Solche Umbuchungen dürfte es grundsätzlich bei einer Rechnungslegung in FW nicht geben, da die obligationenrechtlichen Vorschriften bei Rechnungslegung in FW auf die Werte in FW anzuwenden sind (vgl. hier). Da die KER aber trotz Rechnungslegung in FW in CHF denominiert bleiben, lassen sich die angeführten Anpassungen nicht vermeiden.

Das Fallbeispiel illustriert die genannte Problematik und zeigt mögliche Lösungsansätze auf.

Fazit und Ausblick

Die sich stellenden praktischen Fragen mit Bezug auf die Gewinnverwendung bei Rechnungslegung in Fremdwährung sind vielschichtig und zum Teil nicht ganz einfach zu beantworten. Um Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Themen frühzeitig aufzugreifen und mit der Revisionsstelle – sowie nötigenfalls auch mit der zuständigen Steuerbehörde – abzustimmen.

Für die Zukunft zeichnen sich erfreulicherweise Vereinfachungen ab. Im Rahmen der laufenden Aktienrechtsrevision soll neu die Möglichkeit geschaffen werden, das Aktienkapital in der für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Währung zu denominieren (Art. 621 Abs. 2 und Abs. 3 E-OR). Bei entsprechender Umsetzung wird damit die für die Rechnungslegung gewählte Fremdwährung für alle kapitalbezogenen Aspekte der Gesellschaft massgebend, namentlich auch für die Gewinnausschüttung. Die bisher notwendige zusätzliche Betrachtung in CHF entfällt. Mit der vorgesehenen Neuerung wird die aktuell fehlende Kohärenz zwischen Rechnungslegungsrecht und Aktienrecht hergestellt und so Komplexität reduziert.

Lesen Sie die Broschüre: Das neue Rechnungslegungsrecht - Buchführung und Rechnungslegung in Fremdwährung

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