Die Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden wird zunehmend digitaler und ist von verschiedenen Themen beeinflusst. Im Interview erklärt Patric Lenherr, Head Talent Acquisition, mit welchen Herausforderungen sein Team täglich konfrontiert ist und wie das Recruiting der Zukunft aussehen wird.

Patric Lenherr

Patric Lenherr, Head Talent Acquisition, KPMG Schweiz

Welche Kriterien sind für Bewerberinnen und Bewerber wichtig, um sich für ein Unternehmen zu entscheiden? Was tut KPMG, um diesen Kriterien gerecht zu sein?

Die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Entwicklungsmöglichkeiten und ein hoher Lohn allein sind nicht mehr ausschlaggebend für die Wahl eines Arbeitgebers. Zunehmend wichtiger werden flexible Arbeitszeitmodelle und ein funktionierendes Team. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit und die Unternehmenskultur spielen ebenfalls eine zunehmend wichtige Rolle. Hier kann KPMG punkten. Unsere Mitarbeitenden schätzen nicht nur unser offenes und internationales Arbeitsumfeld, sondern auch, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen. Jeder Mitarbeitende kann seine persönlichen Interessen und Fähigkeiten entfalten und soll sich unternehmerisch einbringen und Verantwortung übernehmen. Das hohe Vertrauen, das KPMG seinen Mitarbeitenden entgegenbringt, ist ein starker Motivator – gerade auch für die jüngere Generation.

Mit welchen Herausforderungen ist KPMG derzeit auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert?

Der Kampf um die besten Talente ist keine leere Worthülse – wir spüren diesen Wettbewerb stark. Der sich zuspitzende Fachkräftemangel und die gestiegenen Erwartungen der Arbeitskräfte tragen ebenfalls dazu bei, dass heute junge Talente ähnlich intensiv beworben werden müssen wie früher Führungs- und Verwaltungsratspositionen. Hier sind wir gefordert, uns am Arbeitsmarkt deutlich von Mitbewerbern zu differenzieren. Neben einem Spitzen-Recruiting ist ein attraktives Employer Branding, das auch auf die Mitarbeitenden und Alumni setzt, zum entscheidenden Erfolgsfaktor geworden. Eine weitere Herausforderung ist das Schweizer Arbeitsgesetz, das den neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu wenig Rechnung trägt. Eine Flexibilisierung, ist angezeigt, damit wir zeitnah und agil auf die Bedürfnisse unserer Kunden reagieren können. 

Welche HR (Talent Acquisition-)Trends beschäftigen dich aktuell? Lässt sich schon ein neuer Trend für das kommende Jahr beobachten?

Bewerbungsprozesse werden noch stärker automatisiert, was zu einer Prozessoptimierung und mehr Effizienz führt. Die unterschiedlichen Plattformen verschmelzen zunehmend, und es kommen vermehrt Tools im Bereich HR Analytics, Scheduling oder Sourcing zum Einsatz. Wir wollen aber auch in Zukunft den Menschen hinter dem Lebenslauf persönlich kennenlernen. Schliesslich ist uns neben den fachlichen Qualifikationen wichtig, dass die Person zu KPMG passt. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitsmodelle sowie mit dem Thema Inclusion & Diversity. Nur wer diese Themen umfassend angeht bleibt auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber. Eine klare Verankerung und Kommunikation des Werteversprechens („Employer Value Proposition“), sind unabdingbar, um auch künftig die besten Mitarbeitenden zu gewinnen und zu halten. Die zwischenmenschliche Kommunikation sowie das Networking-Geschick der Recruiter und der Mitarbeitenden werden dabei eine zentrale Rolle spielen.

Inwiefern haben sich die Arbeitsmodelle seit Beginn der Coronakrise verändert? Welchen Einfluss hat das auf das Recruiting?

Die Coronapandemie hat bereits bestehende Entwicklungen wie die Flexibilisierung der Arbeit beschleunigt. Die Wirtschaft hat erkannt, dass ortsunabhängiges Arbeiten sowohl für Kunden, die Firma und die Mitarbeitenden Vorteile bringen kann, auch wenn der persönliche und direkte Austausch beim Kunden vor Ort oder im Büro ein zentraler Erfolgsfaktor bleibt. Die abnehmende Relevanz des Wohnorts unserer Mitarbeitenden wird auch Folgen auf die Rekrutierung von Talenten haben – und zwar über Ländergrenzen hinaus. Arbeitsverhältnisse werden schliesslich viel flexibler werden, auch Arrangements mit Freelancern, die über spezifisches Fachwissen in Bereichen wie künstlicher Intelligenz, Data Science oder Blockchain verfügen.

KPMG hat dieses Jahr den Award für Best Recruiters erhalten. Wie will KPMG diesen Titel im nächsten Jahr wieder gewinnen?

Wir sind sehr stolz auf diese Auszeichnung, werden uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Der Talentmarkt ist hart umkämpft und Recruiting eine tägliche Herausforderung. Wir können unsere hohe Qualität nur erhalten, wenn neben der Talent Acquisition alle Mitarbeitenden bei KPMG ein hohes Engagement im Recruiting zeigen und als Botschafter unterwegs sind. Wir sind in der glücklichen Lage, dass unser Team mit grosser Leidenschaft, Engagement und Freude dabei ist. Alle wollen etwas bewegen, bringen neue Ideen ein, wollen Dinge besser machen. Unsere Unternehmenskultur lässt zudem Raum, auch einmal etwas auszuprobieren und mutig neue Wege zu gehen. Mit dieser Energie sind wir überzeugt, Recruiting auf ein noch höheres Niveau zu heben. 

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