«Unser Ziel ist es, rasch wieder die Eröffnung der Restaurants zu erreichen.»

Interview mit Daniel Borner

Im Interview erklärt Daniel Borner, Vorsitzender der Geschäftsleitung von GastroSuisse, wie der Verband seine Mitglieder unterstützt und wie GastroSuisse das Thema Corona-Impfungen sieht.

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Daniel Borner, Vorsitzender der Geschäftsleitung von GastroSuisse (Foto: Daniel Winkler)

Daniel Borner, Vorsitzender der Geschäftsleitung von GastroSuisse (Foto: Daniel Winkler)

Herr Borner, wann war Ihr letzter Restaurant-Besuch?

Im Wissen, dass die Restaurants am 22. Dezember schliessen müssen, habe ich am 19. Dezember gemeinsam mit meiner Familie noch ein feines Nachtessen in einem Speiselokal in unserer Region in Mittelthurgau genossen. Überhaupt sind wir nach dem Lockdown bis zum Herbst überdurchschnittlich viel auswärts essen gegangen, auch aus Solidarität gegenüber der Branche.

Die Coronapandemie fordert die Schweiz gesundheitlich, politisch, gesellschaftlich und vor allem auch wirtschaftlich stark. Die Gastrobranche ist von der aktuellen Situation besonders betroffen. Welchen Herausforderungen muss sich die Branche gegenwärtig stellen?

Die Gastronomie war ab Beginn dieser Krise im letzten März, sehr stark betroffen. Zuerst mit einer über Nacht aufkommenden, unsäglichen 50 Personenregel, dann mit einem Lockdown von acht Wochen und später mit Auflagen von zwei Meter Tischabständen, die einen wirtschaftlichen Betrieb verunmöglichten.

Auch wenn über den Sommer viele Gastrobetriebe wieder gut wirtschaften konnten, war jede öffentliche Bemerkung zu möglichen Risiken eines Restaurantbesuchs Gift für die Branche. Als im Spätsommer ein Mitglied der bundesrätlichen Task-Force öffentlich über eine mögliche Ansteckungsfrage philosophierte, brachen anderntags die Buchungen in den Restaurants ein und Reservationen wurden in grosser Zahl storniert. Dann folgten die erneute Schliessung der Restaurants in der Westschweiz und die unsägliche Sperrstunde um 19.00 Uhr in der Deutschschweiz.

Mit dem jetzigen Lockdown seit 22. Dezember ist für sehr viele Betriebe wirklich der Überlebenskampf angebrochen. Kein noch so gut aufgestellter Betrieb kann solche Turbulenzen unbeschadet überstehen. 

Der Bundesrat hat mit Covid-19-Krediten Liquiditätshilfen für Schweizer Unternehmen geleistet. Inwiefern können die Gastrobetriebe davon profitieren und wie steht GastroSuisse dazu?

In unserem Krisenstab kamen wir rasch zur Beurteilung, dass als Sofortmassnahme die Betriebe umgehend mit Liquidität versorgt werden müssen. Dies war auch eine der ersten Forderungen, die wir bei Wirtschaftsminister Guy Parmelin deponiert hatten. Der uns zugesagte Besprechungstermin wurde dann zum ersten Runden Tisch mit den Wirtschaftsverbänden umfunktioniert.

Die rasche Lösung mit den Covid-19-Krediten über die Banken war eine sehr gute Lösung für unsere Branche. Sie hat in den ersten Monaten vielen Betrieben geholfen. Diese rasche Reaktion des Bundes haben wir auch immer positiv gewürdigt.

Sie haben in Ihrem Interview mit dem GastroJournal gesagt, dass Sie Ihre Mitglieder mit Sofortmassnahmen und Merkblättern unterstützen. Welche Empfehlungen haben Sie Ihren Mitgliedern nebst der Anmeldung von Kurzarbeit gemacht?

Dies ist eigentlich ein noch immer laufender Prozess. Je nach Situation und Einschränkungen gegenüber der Branche informieren wir die Mitglieder und fassen die wichtigsten Informationen in Merkblättern zusammen. Dies betrifft alle möglichen Themen über die Massnahmen zur Stilllegung des Betriebs, aber auch Vorbereitungen zur Wiedereröffnung, Kurzarbeit, Erwerbsersatz, Arbeitsorganisation, Schutzkonzept und Hygienemassnahmen, Miete, Kreditwesen und vieles mehr.

In Spitzenzeiten haben wir über 2000 Anrufe und mehrere Hundert E-Mails pro Woche bearbeitet.  

Die Diskussion zwischen Impfgegnern und -befürwortern ist im vollen Gange. Wie stellt sich GastroSuisse zu dieser Frage? Empfehlen Sie Ihren Mitgliedern, sich impfen zu lassen?

GastroSuisse hat zu dieser Frage bisher keine Empfehlung abgegeben. Aus unserer Sicht sollten damit insbesondere vulnerable Personen und besonders exponiertes Personal geschützt werden. Die Mitglieder müssen diese Frage aber für sich selbst entscheiden, es gibt da eine persönliche und eine betriebliche Sicht.

In diesem Kontext fand ich übrigens eine Dokumentation interessant, die ich kürzlich gesehen habe. Sie zeigte, wie in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die WHO mit einer weltweiten Impfaktion die Pocken weitestgehend ausgerottet hat. Es war beeindruckend, wie Ärzte in die entlegensten Gebiete der Erde ausgerückt waren, um die Menschen zu impfen. 

Neben Corona bestimmen auch andere Themen die Agenda von GastroSuisse, wie beispielsweise die Fair-Preis-Initiative, bei der der Verband Mit-Initiantin ist. Warum ist diese Initiative für das Gastgewerbe wichtig und wie sehen Sie die Chancen bei der Volksabstimmung?

Viele ausländische Konzerne schotten ihre Verkaufskanäle ab und setzen so überhöhte Preiszuschläge gegenüber Nachfragern aus der Schweiz durch. Das gefährdet die Konkurrenzfähigkeit hiesiger KMU und Gewerbebetriebe. Diese können im Gegensatz zu internationalen Grosskonzernen oft nicht ausweichen oder die Produkte über Ableger direkt im Ausland beziehen. Es besteht für sie oftmals ein Beschaffungszwang im Inland. Das schwächt ihre Konkurrenzfähigkeit massiv. Schliesslich müssen sie für Vorprodukte und Vorleistungen weit mehr bezahlen als ausländische Unternehmen.

Die Schweiz-Zuschläge wirken sich negativ auf Ertragslage und Löhne aus. Aber auch den Konsumentinnen und Konsumenten bleibt seit Jahrzehnten nichts anderes übrig, als sich über die Schweiz-Zuschläge zu ärgern. Die Fair-Preis-Initiative schafft endlich Abhilfe. Eine Lösung ist längst überfällig. Ich bin deshalb überzeugt, dass eine klare Mehrheit der Stimmbevölkerung die Fair-Preis-Initiative unterstützt.  

Was erwarten Sie für die Gastrobranche im Jahr 2021 hinsichtlich der aktuellen Umstände und welche Ziele verfolgen Sie?

Ein wesentliches Merkmal einer Krise ist die Unplanbarkeit. Wir werden weiterhin auf Sicht fahren müssen, aber mit Blick über den nächsten Eisberg.

Eines ist sicher, auch wenn der Lockdown Ende Februar beendet sein sollte, was wir hoffen – aber nicht gewiss ist – wird die Gastronomie nicht in den Normalbetrieb gehen können. Falls der Lockdown verlängert werden sollte, muss auch die Entschädigungsfrage nochmals gestellt werden.

Unser Ziel ist es, rasch wieder die Eröffnung der Restaurants zu erreichen. Wie bis anhin werden wir uns dabei auch in Zukunft nach der epidemiologischen Lageeinschätzung des Bundes richten. Wir gehen davon aus, dass die Öffnung schrittweise erfolgen wird und setzen uns dafür ein, dass dies unter Massnahmen geschieht, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.

Für uns alle hoffe ich, dass wir bald wieder mal in gemütlicher Runde in einem schönen Lokal zusammensitzen können. 

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