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Clarity on KPMG Switzer­land

Innovation fördern. Wandel ermöglichen. Jahresbericht 2019

Perspektive des CEO

Stefan Pfister
CEO KPMG Schweiz

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Wandlungsfähigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Bei einem Blick auf die grossen treibenden Kräfte der Schweizer Wirtschaft könnte man meinen, dass sich in den vergangenen 12 Monaten wenig verändert hat: Die digitale Transformation der Wirtschaft, die historisch tiefen Zinsen sowie geopolitische Unsicherheiten und ungelöste Reformvorhaben auf staatlicher Ebene dominieren nach wie vor. Doch der Blick täuscht: Der Wandel von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ist so fundamental, dass man zu Recht von einer Disruption spricht.

Unsere Kunden sind von diesem Wandel genauso betroffen wie wir selbst. Umso mehr blicken wir mit Stolz auf das zurückliegende Geschäftsjahr zurück: KPMG konnte den Nettoumsatz auf ein neues Allzeithoch von CHF 455,3 Mio. (+1,5%) erhöhen. Die wichtigsten Beiträge dazu lieferten die Sparten Audit mit CHF 259,3 Mio. (+1,9%) und Tax & Legal mit CHF 132,8 Mio. (+2,8%). Die Sparte Advisory durchlief eine Neuausrichtung und erwirtschaftete CHF 63,2 Mio. (-2,7%). Dank einer klaren Fokussierung im Consulting-Bereich auf Themen der digitalen Transformation ist KPMG nun auch hier bestens für die Zukunft gerüstet.

Grund für das insgesamt sehr erfreuliche Resultat waren u.a. wichtige firmenweite Innovationen im Technologiebereich. Unsere Kunden profitieren dabei auf verschiedene Weise von unserer Innovationskraft: So investierten wir im letzten Jahr rund 6% unseres Umsatzes in die Digitalisierung mit dem Ziel, Datenanalysen noch aussagekräftiger und Lösungsvorschläge noch wirksamer zu machen. Im Insights Center, dem eigentlichen Data & Analytics-Flaggschiff von KPMG Schweiz, erleben unsere Kunden eine neue Dimension der Datenvisualisierung und -analyse und können so ihre eigenen Unternehmensdaten in bisher nicht gekannter Qualität systematisch nutzen.

Als zukunftsorientiertes Unternehmen bieten wir unseren Mitarbeitenden attraktive Rahmenbedingungen: Dazu gehören flexiblere Arbeitsformen sowie Initiativen zum lebenslangen Lernen und zur Förderung von Sport und Gesundheit der Mitarbeitenden. KPMG hat 2019 über CHF 8 Mio. in Aus- und Weiterbildungen investiert und rund 600 neue Fachkräfte angestellt. Erfrischend war auch unser Umzug an den (temporären) neuen Hauptsitz in Zürich-Binz und in den neuen Genfer Stadtteil Pont Rouge, zwei eigentliche Trendquartiere.

Auch die Öffentlichkeit kommt nicht zu kurz: KPMG ist sich ihrer Verantwortung für funktionierende, stabile und transparente Finanzmärkte und eine vitale Gesellschaft bewusst. Entsprechend leisten wir Jahr für Jahr einen wichtigen Beitrag, um die Schweiz als attraktiven und vertrauenswürdigen Wirtschaftsstandort zu positionieren.

Ein grosser Dank für das zurückliegende, erfolgreiche Geschäftsjahr gebührt unseren Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern.

Clarity on KPMG Switzerland

KPMG wächst weiter

Jahresergebnis 2018/19

KPMG Schweiz hat im zurückliegenden Geschäftsjahr per 30. September 2019 erneut ein sehr gutes Ergebnis erwirtschaftet und einen neuen Höchstwert erzielt. Die digitale Transformation der Schweizer Unternehmen, anhaltend tiefe Zinsen und die hohe Ungewissheit im Bereich der Regulierung und Handelspolitik sind weiterhin die wichtigsten Treiber für KPMG.

606.4
Total Bruttoumsatz
0.6
Veränderung
455.3
Total Nettoumsatz
1.5
Veränderung
Angaben in CHF Mio.

Spartenergebnisse

Umsatzwachstum
1.5
1.9
2.8
-2.7
Total Nettoumsatz 2019 in CHF Mio. 2018 in CHF Mio. Veränderung Umsatzanteil
Wirtschaftsprüfung 259,3 254,4 1,9% 56,9%
Steuer- und Rechtsberatung 132,8 129,2 2,8% 29,2%
Advisory 63,2 64,9 -2,7% 13,9%
Total Nettoumsatz 455,3 448,5 1,5% 100%
Zahlen & Fakten herunterladen

Geschäftsentwicklung

Die Disruption der Wirtschaft, in deren Kern der Umgang mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung steht, haben das jüngste Geschäftsjahr von KPMG stark geprägt. Sie betrifft sämtliche Geschäftsbereiche und erfordert hohe Investitionen, eröffnet aber auch neue Perspektiven, sowohl im Prüfungs- wie auch im Beratungsgeschäft.

Wirtschaftsprüfung
Steuer- und Rechtsberatung
Advisory
Financial Services
Marktregionen
Wirtschaftsprüfung
Steuer- und Rechtsberatung
Advisory
Financial Services
Marktregionen
Wirtschaftsprüfung
259.3
Total Nettoumsatz
in CHF Mio.
1.9

Umfassende Datenanalysen und IPOs

Die Sparte Wirtschaftsprüfung konnte das Ergebnis weiter steigern und erhöhte den Nettoumsatz auf CHF 259,3 Mio. (+1,9%). Immer umfassendere technologische Möglichkeiten auf Kunden- wie auf KPMG-Seite förderten diese positive Entwicklung: Sie erlauben kundenseitig die völlige Neugestaltung von Finanz- und Führungsprozessen und seitens KPMG die Standardisierung, Automatisierung und Zentralisierung wichtiger Prüfungsarbeiten. Damit erhöhen sich die Prüfsicherheit und die Relevanz unserer Berichterstattung weiter. Mittels umfassender Datenanalysen bieten wir unseren Kunden ergänzende, innovative Assurance-Dienstleistungen an.

Ein positiver Treiber waren im zurückliegenden Geschäftsjahr auch Börsengänge (IPOs), wobei KPMG ihre Kunden entlang des gesamten IPO-Prozesses begleitete und insbesondere bei der Bereitstellung aller relevanten Finanzinformationen und der Neustrukturierung der Governance unterstützte. Erfreulich ist die Tatsache, dass der Schweizer Kapitalmarkt auch weiterhin für Unternehmen unterschiedlicher Grösse attraktiv ist, insbesondere auch für Unternehmen, die nach dem Rechnungslegungsstandard Swiss GAAP FER berichten.

Der anhaltende Aufwertungsdruck auf dem Schweizer Franken und Unsicherheiten, ob die Schweiz auch weiterhin den freien Zugang zum EU-Binnenmarkt hat (Stichwort Rahmenabkommen), führen bei einigen Unternehmen zu einer Zurückhaltung bei grösseren Investitionsvorhaben. Die Unternehmen überlegen sich sehr genau, welche Investitionen sinnvollerweise in der Schweiz getätigt werden und welche nicht (mehr). Der Wirtschaftsstandort Schweiz tut entsprechend gut daran, seine Standortvorteile gezielt zu pflegen.

Steuer- und Rechtsberatung
132.8
Total Nettoumsatz
in CHF Mio.
2.8

Mobilität von Arbeitskräften im Fokus

Die Sparte Steuer- und Rechtsberatung steigerte den Nettoumsatz auf CHF 132,8 Mio. (+2,8%). Mit ein Grund für das gute Ergebnis der Sparte war die anhaltend hohe Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich Global Mobility Services. Dabei kommen ausgereifte Technologielösungen zum Einsatz, dank denen Kunden ihre komplexen steuerrechtlichen Herausforderungen mit Hunderten oder Tausenden von Expats rechtskonform meistern und die Vorteile der globalen Mobilität wirksam nutzen können. Im Steuerberatungsgeschäft ebenfalls stark nachgefragt waren Leistungen für Kunden bei grossen Fusionen & Akquisitionen sowie bei komplizierteren Umstrukturierungen.

Im Bereich der Rechtsberatung waren insbesondere Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Mobilität von Arbeitskräften bzw. im Rahmen der schweizerischen Arbeitsmarktregulierung gefragt. Insgesamt waren im Bereich der Rechtsberatung aber verschiedene Strukturänderungen nötig, was sich negativ auf das Spartenergebnis niederschlug.

Advisory
63.2
Total Nettoumsatz
in CHF Mio.
2.7

Digitalstrategien und M&A als Treiber

Die Sparte Deal Advisory & Management Consulting erzielte einen Nettoumsatz von CHF 63,2 Mio. (-2,7%). Ausschlaggebend für den leichten Umsatzrückgang war die während der letzten beiden Jahre vorgenommene Neuausrichtung und Fokussierung im Consulting-Bereich, die mit einer Kapazitätsverringerung einherging. Die Nachfrage von Industriekunden nach Beratungsdienstleistungen zur Meisterung der digitalen Transformation, zur Planung und Umsetzung von ERP-Systemen, zur Optimierung der Finanzfunktion in Unternehmen, zur Schaffung von Cybersicherheit sowie zur Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette war indes ungebrochen hoch. Insbesondere Kunden aus dem Life-Science-Sektor verlangten viel Unterstützung zur Abwehr von Wirtschaftskriminalität und zur Sicherstellung der Rechtskonformität in allen Fragen und Ländern.

Weiterhin sehr positiv hat sich der Bereich Deal Advisory entwickelt, der Kunden in allen Phasen von Käufen oder Verkäufen von Unternehmen und Unternehmensteilen unterstützt, ebenso bei Planung und Aufbau von Joint Ventures und strategischen Partnerschaften sowie bei Restrukturierungen.

Financial Services
35
Umsatzanteil

Anhaltender Transformationsprozess

Bei zahlreichen Kunden aus dem Finanzsektor stand die gesetzeskonforme Umsetzung neuer Regulierungen wie Mifid II im Vordergrund und die Verankerung der stark gestiegenen Corporate-Governance-Anforderungen der FINMA.

Banken hatten besonderen Beratungsbedarf zur Transformation des Risikomanagements: Dazu gehört die Modernisierung der Compliance- u.a. Prozesse, was auch neuartige Visualisierungen einschliesst, sowie die Unterstützung bei M&A und bei der digitalen Transformation der Finanzfunktion der Firmen. Die Vergangenheitsbewältigung ist bei vielen Finanzdienstleistern noch nicht abgeschlossen, anhaltender Unterstützungsbedarf zum Aufbau von Geldwäschereidispositiven die Folge. Viel Aufmerksamkeit – und entsprechende Nachfrage – lösten auch die erforderlichen Vorbereitungsarbeiten zur korrekten Umsetzung anstehender Gesetzesänderungen wie Fidleg und Finig aus.

Versicherungskunden ersuchten insbesondere um Hilfe bei der regelkonformen Einführung der neuen Rechnungslegungsstandards IFRS 9 und IFRS 17 sowie zur Abwehr von Cyberrisiken. Der Trend zu digitalen Geschäftsmodellen ist ungebrochen: Dazu gehört die Automatisierung der Prozesse, etwa zur Automatisierung von Schadensbearbeitungsprozessen oder zur Entwicklung personalisierter Produkte, sowie der Einsatz von Algorithmen, die auf künstlicher Intelligenz basieren und bessere Vorhersagen erlauben.

Marktregionen
40
Umsatzanteil

Positive Entwicklung in den Regionen

KPMG verzeichnete auch in den einzelnen Marktregionen einen positiven Geschäftsverlauf. Das mittelständische Marktsegment ist ein wesentliches Standbein von KPMG, dort werden circa 40% des Nettoumsatzes erwirtschaftet. Das Geschäft entwickelte sich in der Wirtschaftsprüfung wie auch in der Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung sehr stabil und nachhaltig. KPMG konnte zudem im laufenden Jahr namhafte neue Kunden im Regionalmarkt gewinnen.

Auch 2019 hat KPMG stark in diesen Markt investiert: nebst der gezielten Nachwuchsförderung an den einzelnen Standorten auch in effiziente, automatisierte und digitalisierte Prozesse sowie in die Entwicklung von multidisziplinären Dienstleistungen aus einer Hand, von denen die regionalen Kunden profitieren. Die wichtigsten Treiber und Veränderungen für die regionalen Kunden sind die Herausforderungen aus den aktuellen Marktunsicherheiten, u.a. auch aus der weiteren Gestaltung der bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU wie auch UK, und den zahlreichen geopolitischen Unsicherheiten in wichtigen Wachstumsmärkten. Zusätzliche Herausforderungen sind die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform in den Kantonen, die digitale Transformation, die enorme Regulierungsdichte etwa im Bereich Datenschutz sowie der Kampf um qualifizierte Mitarbeitende.

KPMG engagiert sich regional auf vielfältige Art und Weise: durch Kooperationen mit wichtigen Netzwerken und lokalen Firmen zu spezifischen Themen wie Cyber Security und Steuern sowie durch Mitwirkung in Gewerbeverbänden und Handelskammern.

  • 08
    Stellen Sie Fragen an Fachtagungen, Vorträgen und Business-Apéros und machen Sie durch Publikationen auf sich aufmerksam.
    Daniel Zuberbühler
    Ehemaliger Vizepräsident Verwaltungsrat FINMA, KPMG Alumni
  • 07
    Beziehungen müssen gepflegt werden – dann öffnen sich immer wieder Türen und neue, spannende Opportunitäten.
    André Zemp
    Spitaldirektor Stadtspital Waid und Triemli, KPMG Alumni
  • 06
    Wichtig ist, dass man einem kleinen Kreis von Persönlichkeiten vertrauen und sich mit ihnen austauschen kann.
    Giorgio Behr
    Prof. em. Dr. & Honorarprofessor Universität St. Gallen, Rechtsanwalt & dipl. Wirtschaftsprüfer, VR Präsident & Inhaber BBC Group, KPMG Alumni
  • 05

    Wie pflegen Sie den Austausch mit verschiedenen Anspruchsgruppen, z.B. mit Alumni?

    Unsere Kultur der offenen und ehrlichen Kommunikation erstreckt sich auf unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die breitere Öffentlichkeit. Die Erfahrung zeigt, dass es Vorteile bringt, mit Mitarbeitenden, die in den Ruhestand gegangen sind oder KPMG verlassen haben, in Kontakt zu bleiben. Veranstaltungen und geschlossene Nutzergruppen in sozialen Netzwerken sind ideale Plattformen um den Austausch zu pflegen. So haben sich schon viele Geschäftsideen oder Chancen ergeben.

  • 04

    Warum ist für KPMG der öffentliche Dialog wichtig?

    Bei KPMG sind wir stolz darauf, aktiv zum öffentlichen Diskurs in unseren Kompetenzfeldern beizutragen. Wir sind in verschiedenen Berufsorganisationen, Universitäten und Expertenkommissionen vertreten und verfolgen Entwicklungen aus nächster Nähe – um die Wirtschaft von morgen positiv mitzugestalten. Indem wir uns in den Medien als Vordenker zu Wirtschaftsthemen positionieren, bauen wir Beziehungen zu einer breiteren Öffentlichkeit auf. Dabei teilen wir unser Wissen und präsentieren uns als ein Unternehmen, das sich langfristig für Integrität und fachliche Kompetenz stark macht.

  • 03

    Wie stellen Sie Marktnähe sicher und bauen das entsprechende Wissen auf?

    Der Dialog mit unseren Kunden ist für das Verständnis ihres Geschäfts und die Entwicklung unseres eigenen unerlässlich. Als Team verfügen wir über profunde Kenntnisse der verschiedenen Regionen und politischen Landschaften der Schweiz. Wir antizipieren Fragen und erkennen Probleme, noch bevor sie sich stellen. Unser proaktiver Ansatz hilft unseren Kunden, Herausforderungen zu meistern und ihre Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln. Dabei stehen wir in ständigem Dialog mit dem Markt. Der «Markt» sind vor allem die Menschen, die im Berufsalltag täglich Entscheidungen für ihre Unternehmen treffen. Führungskräfte, die eine wichtige Rolle in der Wirtschaft einnehmen. Denn jedes Kundengespräch ist wertvoll, weil es uns hilft, das makroökonomische Umfeld noch besser zu verstehen.

  • 02

    Welchen Stellenwert messen Sie der Beziehungspflege bei?

    Ethik und Integrität sowie ein starkes Bewusstsein für Unabhängigkeit und Compliance zeichnen unsere Werte aus und bestimmen unser geschäftliches Handeln. Ebenso entscheidend für unsere Arbeit sind gute Beziehungen zu anderen Anspruchsgruppen in unserem Umfeld. Denn gute Beziehungen stellen eine solide Basis für die Entwicklung von Vertrauen und Zuversicht dar. Und von diesen Werten profitieren alle.

  • 01
    Gute Beziehungen zu Kunden, Mitarbeitenden sowie der Öffentlichkeit ermöglichen ein tieferes Verständnis und damit bessere Prognosen.
    Hélène Béguin
    Leiterin Marktregion Westschweiz, Mitglied des Verwaltungsrats
  • Beziehungen pflegen

    Hélène Béguin spricht über die Wichtigkeit von Dialog und Vernetzung in der Geschäftswelt.

    Vertrauen schaffen

    Praxis und Wissenschaft im Austausch: Philipp Hallauer und Prof. Dr. Peter Leibfried diskutieren über Erwartung und Realität in der Wirtschaftsprüfung.

  • 01
    Die Bilanzleser vertrauen darauf, dass unser Urteil neutral und objektiv gefällt wird.
    Philipp Hallauer
    Leiter National Quality & Risk Management, KPMG Schweiz
  • 02
    Je schlechter die Zahlen, desto blumiger die Worte.
    Prof. Dr. Peter Leibfried
    Institut für Accounting, Controlling und Auditing, Universität St. Gallen
  • 03

    Ist die Wirtschaftsprüfung riskanter geworden?

    Philipp Hallauer: Die Wirtschaftsprüfung war schon immer ein riskantes Geschäft. Die Organstellung, die Solidarhaftung sowie der Umstand, dass wir nicht das ganze Jahr hindurch beim Kunden sind, sind wichtige Aspekte. Was jetzt noch dazukommt sind die Dynamik des Wandels, die rasante Entwicklung auf technologischer Ebene und eine zunehmende grenzüberschreitende Regulierung. Dabei steigt das Interesse von Medien und Öffentlichkeit an unserer Arbeit kontinuierlich.

  • 04

    Wie gehen Sie mit der Expectation Gap, der Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität ihres Berufsstandes, um?

    Philipp Hallauer: Ja, der Expectation Gap begleitet mich tatsächlich seit rund 30 Jahren. Er steht in direktem Zusammenhang mit dem Vertrauen als zentrale Basis und Voraussetzung für das gute Funktionieren des Kapitalmarktes und unserer Wirtschaft. Die einzelnen Teilnehmer am Wirtschaftskreislauf müssen Vertrauen in unsere Arbeit haben. Wir müssen liefern, was sie berechtigterweise von einem Audit erwarten dürfen. Diese Lücke, soweit sie besteht, müssen und können die Prüfer schliessen. Andererseits besteht die Erwartungslücke auch darin, dass die Öffentlichkeit zuweilen meint, wir hätten die Funktion eines Compliance Officer, müssten alle Missstände erkennen und seien ein Garant für das längerfristige Überleben des Unternehmens. Solche Erwartungen können wir im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrags natürlich nicht erfüllen. Hier bedarf es definitiv an Aufklärung. Da haben die Branche, die Behörden, die Politik und auch die Medien eine Verantwortung.

  • 05

    Der Zeitgeist geht Richtung «Mehr Sicherheit» und «Mehr Kontrolle». Wird es schwieriger, diese Erwartung zu justieren?

    Philipp Hallauer: Das ist tatsächlich so. Der Mensch möchte heute möglichst keine Unfälle und keine Überraschungen erleben. Und wenn doch etwas passiert, muss es immer einen Schuldigen geben. Andererseits unterstreicht diese Haltung die Wichtigkeit und Relevanz unseres Berufs. Viele dieser Erwartungen, bzw. die Lücken zwischen der Erwartung und der Realität, können wir mit neuen Prüfmethoden, neuen Ansätzen und auch einem höheren Prüfaufwand schliessen. Aber die generelle Grundhaltung in der Gesellschaft zur absoluten Sicherheit und Kontrolle muss von anderen Stellen adressiert werden. Denn Fehler in der Wirtschaft werden immer passieren, und es werden auch immer wieder Unternehmen untergehen.

  • 06

    Hat sich das Risikoverhalten von Mitarbeitenden im Vergleich zu früher verändert?

    Philipp Hallauer: Das ist tatsächlich ein relevanter Punkt. Die soziale Bindung zu einem Arbeitgeber ist heute nicht mehr dieselbe wie vor 50 Jahren. Die globale Mobilität trägt dazu bei. Das hat einen Einfluss auf das Risiko- und Fehlverhalten von Angestellten, insbesondere auch Kadermitarbeitenden. Die Loyalität ist weniger ausgeprägt, das heisst, wenn etwas schiefläuft, kann man seinen Weg woanders fortsetzen. Diese Kultur ist im angelsächsischen Raum noch ausgeprägter, zumal da das Scheitern dort per se nicht so negativ konnotiert ist. Gleichzeitig und gerade deswegen ist beispielsweise in den USA die Regulierungsdichte viel grösser als in Europa. Aber wir sind auf bestem Weg hier aufzuholen…

  • 07

    Wird der heutige Prüfansatz eines Tages von einem Echtzeit-Audit-Verfahren abgelöst?

    Philipp Hallauer: Davon spricht man tatsächlich in der Branche. Das wäre ein absolut interessanter Ansatz. Doch eine Echtzeitverarbeitung all der komplexen Vorgänge in globalen Konzernen ist keine einfache Aufgabe. Schauen wir mal, wohin uns die Innovation auf dem Thema führt.

  • 08

    Welche Rolle spielt die Unabhängigkeit bezüglich der Qualität der Wirtschaftsprüfung?

    Philipp Hallauer: Die Unabhängigkeit ist eine zentrale Voraussetzung für die externe Revision. Ist die Unabhängigkeit nicht gegeben, verliert die Revisionsstelle ihre Glaubwürdigkeit und damit das Vertrauen aller Stakeholder, ganz ungeachtet davon, wie gut die Prüfung durchgeführt wurde. Die Bilanzleser vertrauen darauf, dass unser Urteil neutral und objektiv gefällt wurde. Gerade deshalb bestehen auch umfangreiche Spielregeln auf nationaler wie internationaler Ebene, deren Einhaltung wir mit einer Vielzahl von Prozessen, Kontrollen, Ausbildung und Kommunikation sicherstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle Stakeholder dasselbe unter dem Begriff der Unabhängigkeit verstehen…

  • 09

    Gibt es eine 100-prozentige Unabhängigkeit des Revisors?

    Philipp Hallauer: Absolut unabhängig ist man eigentlich nur dann, wenn man bereit ist, ein Mandat unter Umständen aufzugeben oder zu verlieren. Das ist natürlich nur der «worst case», doch es geht letztlich um eine innere Gesinnung bzw. Berufsethik, die einem Auditor die Kraft gibt, einem grossen und wichtigen Kunden mit Bestimmtheit und Überzeugung entgegenzutreten und ihm zu erklären, weshalb wir einen Sachverhalt gegebenenfalls nicht mehr mittragen können. Nebst dieser «Independence in fact» gilt es aber auch die äussere Wahrnehmung, die «Independence in appearance» zu erfüllen. Denn wenn nur schon jemand die Frage in den Raum stellt «ist dieser Revisor denn auch unabhängig?» ist die Glaubwürdigkeit und damit das Vertrauen gefährdet.

  • 10

    Wäre die Aufspaltung der Big-4 in separate Prüfungs- und Beratungsfirmen sinnvoll?

    Philipp Hallauer: Bis heute hat man das Audit-only-Konzept nirgendwo umgesetzt. Derzeit wird es in UK wieder diskutiert. Ich stehe dem Ansinnen skeptisch gegenüber und bin damit in der Branche nicht alleine. Und selbst die sonst regulierungsfreudige EU hat nach der Finanzkrise die Idee einer Trennung von Prüfungs- und Nicht-Prüfungsdienstleistungen verworfen. Unsere Dienstleistungen basieren auf einem multidisziplinären Modell. Unsere Kunden erwarten Teams mit breit abgestützten Fähigkeiten und Kompetenzen.

  • 11

    Warum sind Fachspezialisten aus verschiedenen Bereichen für die Revision wichtig?

    Philipp Hallauer: Die hohen Anforderungen an eine Revision nach heutigen Standards erfordern neben gut ausgebildeten Wirtschaftsprüfern auch IT-Spezialisten, Forensiker, Steuerexperten, Personalvorsorgespezialisten, Juristen, etc. In einem Szenario von reinen Audit-Firmen wäre es illusorisch zu glauben, dass ein solches Unternehmen diese Fachspezialisten in dieser Zahl und Qualität rekrutieren und halten könnte.

    Das heute bestehende multidisziplinäre Geschäftsmodell, das den Einsatz von in-house Spezialisten auf Prüfungskunden erlaubt und auf Beratungskunden das Angebot der ganzen Palette an Dienstleistungen ermöglicht, ist nachhaltiger. Dadurch profitieren die Prüfungsteams von der breiten Erfahrung und einer hohen Motivation der erforderlichen Spezialisten. Dieses Modell setzt aber eine Kultur voraus, die die Prüfungsqualität in den Vordergrund stellt und in allen Mitarbeitenden ein hohes Bewusstsein des öffentlichen Interesses an unserer Arbeit verankert.

  • 12

    Sollte sich die Schweiz in Sachen Regulierung noch enger an die EU oder UK anlehnen?

    Philipp Hallauer: Ich bin gegen eine Ausweitung der Regulierung. Die Schweiz hat im Bereich der Prüfung und Rechnungslegung seit jeher die heute schon sehr umfangreichen internationalen Normen übernommen oder ihre Standards danach ausgerichtet. Viel wichtiger scheint mir ein institutionalisierter Austausch zwischen unserer Branche, den relevanten Behörden und der Politik mit dem Ziel, das Verständnis und somit auch die Qualität der Wirtschaftsprüfung weiter zu stärken.

  • 13

    Was unternimmt KPMG, um die Qualität der Prüfung in der Schweiz zu stärken?

    Philipp Hallauer: Die Prüfung ist ein globales Produkt, daher hat KPMG auch auf globaler Stufe verschiedene Initiativen angestossen, in die wir stark eingebunden sind. Eine zentrale Massnahme ist die Einführung eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems. Dieses basiert auf dem neuen internationalen Standard ISQM-1. Dazu kommt die Implementierung einer neuen Prüfungssoftware, die aufgrund eines vorgegebenen Workflows sicherstellt, dass der Prüfer alle relevanten Aspekte einer Prüfung adressiert. Ferner halten Big data und Digitalisierung Einzug in unsere Arbeit. Wir erleben eine zunehmende Durchdringung der Prüfungsarbeiten mit Data Analytics, die uns erlauben, Routinearbeiten zu automatisieren und so mehr Zeit für die Ermessensspielräume aufzuwenden.

  • 14

    Grosse Investitionen in die Prüfarbeit drücken auf die Margen - was heisst das für den Wettbewerb?

    Philipp Hallauer: Diese Investitionen sollen dazu führen, dass wir unsere Arbeit am Ende noch besser, aber auch gezielter und damit effizienter ausführen können. Aber sie haben natürlich auch ihren Preis. Immerhin ist mit der fortschreitenden Professionalisierung der Audit Committees auf Kundenseite die Erkenntnis gereift, dass Audit einen hohen Mehrwert bringt, der durch die Investitionen sogar noch steigt.

  • 15

    Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf den Lehrstuhl für Audit & Accounting?

    Prof. Dr. Peter Leibfried: Die Digitalisierung verändert die wissenschaftliche Arbeit fundamental! Früher hat ein Student für eine Masterarbeit vielleicht 30 Geschäftsberichte gelesen und nach irgendwelchen Kriterien ausgewertet. Für eine Doktorarbeit hat er vielleicht 100 oder 300 Geschäftsberichte durchforstet. Heute programmieren die Studenten einen Algorithmus, der sämtliche Texte von 500 Geschäftsberichten in drei Sekunden analysiert. Dabei werden sprachliche Auswertungen gemacht, die zu Schlussfolgerungen wie «Je schlechter die Zahlen, desto blumiger die Sprache» führen. Das hatten wir ja immer geahnt, jetzt können wir es wissenschaftlich nachweisen. Das ist die neue Welt der analytischen Wissenschaft im Bereich Audit und Accounting.

110%. Engagement in Zahlen ausgedrückt.

Unsere Mitarbeitenden sind der Schlüssel zum Erfolg. Mit Engagement, Fachkompetenz, innovativem Denken und Agilität legen sie den Grundstein für nachhaltige Kundenbeziehungen.

2092
Mitarbeitende
17%
Teilzeitmitarbeitende
42 / 58
Frauen / Männer
59
Nationalitäten bei KPMG Schweiz
185096
Weiterbildungsstunden
757
Pro-bono-Stunden, entsprechen CHF 151'725

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David Oberson
Partner, Office Head Lausanne
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Hans Jürg Steiner
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Fabien Perrinjaquet
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Roman Wenk
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Thomas Affolter
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Thomas Affolter
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