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Wichtige Rolle bei Reorganisation relevanter Prozesse und Systeme

Interview mit Lukas Marty

Lukas Marty erläutert im Interview die aktuellsten Trends in der Wirtschaftsprüfung und erklärt, auf welchen Gebieten Prüferinnen und Prüfer Unternehmen angesichts steigender marktpolitischer Unsicherheiten beraten können.

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Lukas Marty

Lukas Marty, Leiter Audit von KPMG Schweiz

Seit dem letzten Jahr haben protektionistische Massnahmen und damit verbundene Renationalisierungstendenzen zugenommen. Wie steht es in einem so spannungsgeladenen Umfeld um die Wachstumsperspektiven der Unternehmen?

Die Zuversicht, dass sich das Wachstum der letzten Jahre aufrechterhalten lässt, hat in vielen Branchen und Unternehmen merklich nachgelassen. In den letzten Monaten haben verschiedene Kunden die Auswirkungen der handelspolitischen Spannungen zwischen den USA und vor allem China zu spüren bekommen. Im Geschäft mit China ist eine deutliche Nervosität zu spüren und die unklaren Bedingungen des Brexit bringen zusätzliche Unsicherheiten ins System. Ausserhalb der Schweizer Finanzindustrie zeigen sich hier bisher kaum konkrete Folgen. Das kann sich Ende März schlagartig ändern, sollte Grossbritannien die EU ohne Abkommen verlassen.

Insbesondere für kleinere Unternehmen ist es zunehmend anspruchsvoll, im Exportgeschäft sämtliche Vorschriften im Griff zu haben und Neuerungen rechtzeitig zu antizipieren. Neue Handelshemmnisse wie Zölle und technische Handelsbarrieren, Wettbewerbsverzerrungen durch protektionistische Massnahmen etwa im öffentlichen Beschaffungswesen, Sanktionen gegen verschiedene Länder oder unterschiedliche Datenschutzgesetzgebungen sind Hürden, welche es zu meistern gilt.

Als Prüfer können wir unsere Kunden auf neue Herausforderungen aufmerksam machen. Mit unserem globalen Netzwerk stehen uns ausgewiesene Spezialisten in den verschiedenen Disziplinen zur Verfügung. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf neue Risiken und die möglichen Auswirkungen auf Geschäftsmodelle oder auf die Werthaltigkeit getätigter Investitionen.

Wo sehen Sie in einem derart schwierigen Umfeld den grössten Handlungsbedarf bei Schweizer Unternehmen?

Verschiedene Kunden haben ihre Business-Pläne bereits überarbeitet. Für Aktivitäten, welche in den letzten Jahren dazugekauft worden sind, bedeutet dies, dass mancherorts die Risiken gestiegen sind, dass anvisierte Synergien nicht wunschgemäss realisiert werden können und die Wachstums- und Profitabilitätserwartungen nicht mehr den ursprünglichen – den Akquisitionen zugrunde gelegten – Plänen entsprechen. Wo aus Akquisitionen noch grosse Goodwill-Beträge in den Bilanzen stecken, muss die Werthaltigkeit kritisch überprüft und wo nötig aufgrund aktuell gedämpfter Erwartungen abgeschrieben werden. Die nach wie vor sehr tiefen Zinssätze mögen derzeit noch helfen, grössere Wertkorrekturen zu vermeiden. Künftige Zinserhöhungen würden wohl nicht nur zu grossen Abschreibungen auf aktivierten immateriellen Werten führen, sondern könnten rasch die Investitionsbereitschaft reduzieren und damit auch die Erschliessung angestrebter Produktivitätssteigerungen gefährden. Wir unterstützen Unternehmen, indem wir die Einschätzungen des Managements hinterfragen und unsere Erfahrungen und Beobachtungen aus anderen Unternehmen einbringen.

Sowohl die nationale als auch internationale Steuerlandschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Wie äussert sich das in der Unternehmenslandschaft?

2018 war in der Tat ein weiteres Jahr mit grösseren Verschiebungen in der Steuerlandschaft. Veränderungen in Steuergesetzgebungen, allen voran die Tax-Reform in den USA und der zunehmende Druck des Fiskus in vielen Ländern neue Einnahmequellen zu erschliessen, haben viele Unternehmen sehr gefordert. Transferpreise zwischen Tochtergesellschaften und Wertflüsse innerhalb eines Konzerns werden in jedem Land wieder anders hinterfragt. Dies hat in den Jahresabschlüssen 2018 Spuren hinterlassen. Diese sind teilweise nachhaltig und teilweise Einmaleffekte im Zeitpunkt von Veränderungen von Steuergesetzgebungen oder Unternehmensstrukturen.

Gleichzeitig haben die Unsicherheiten zu anfallenden Steuern zugenommen. Sollte die Unternehmenssteuerreform abgelehnt werden, würden zahlreiche Konzerne in der Schweiz eine Auslegeordnung durchführen und dies wohl mit dem Resultat grösserer Verschiebungen von Unternehmensaktivitäten. Umso wichtiger ist es, dass wir die Auswirkungen von Änderungen in Steuergesetzgebungen und der Anwendungspraxis beurteilen. Dazu bringen wir unsere Steuerspezialisten aus dem globalen KPMG Netzwerk ein. Wir hinterfragen die Einschätzungen des Managements in Bezug auf Rückstellungen für steuerliche Unsicherheiten.

Welche weiteren Entwicklungen beschäftigen die Unternehmen?

Digitalisierung und rascher technologischer Wandel führen dazu, dass Business Modelle, welche noch vor kurzem als zukunftsträchtig betrachtet wurden, heute fundamental anders beurteilt werden. Anpassungen und neue Ideen sind gefragt. Das Herauslösen und Neu-Zusammenfügen von Aktivitäten, oft verbunden mit einem Eigentümerwechsel, generiert viele neue Möglichkeiten.

Welche?

Viele Unternehmen haben die Möglichkeiten der Digitalisierung insbesondere in der Ausgestaltung interner Prozesse genutzt. Administrative Aufgaben werden oft regional, d.h. länderübergreifend zusammengefasst. Im Vordergrund stehen heute aber nicht mehr die Verschiebung administrativer Prozesse in Billiglohnländer, sondern die Automatisierung. Wenn Prozesse sich im Unternehmen ändern, müssen auch die Kontrollen überprüft und angepasst werden. Neue integrierte ERP-Systeme steigern die Möglichkeiten, viele Kontrollen ebenfalls zu automatisieren.

In der Phase der Neuorganisation relevanter Prozesse und Systeme kommt den Prüfgesellschaften eine wichtige Rolle zu. Wir prüfen die Integrität und Korrektheit der Daten und Abläufe und der daraus resultierenden Finanzinformationen. Im Auftrag unserer Kunden überprüfen wir die Angemessenheit und Funktionsfähigkeit neuer Kontrollsysteme.

Wie verändern sich die Anforderungen an Finanzabteilungen?

Die tiefen Zinsen befeuern immer noch das M&A-Umfeld. Viele Unternehmen nutzen dies, um ihr Aktivitätenportfolio zu überprüfen und zu optimieren. Die Finanzorganisationen der Unternehmen sind gefordert, sich so aufzustellen, dass sie kurzfristig relevante Finanzinformationen zu einzelnen, bisher nicht separat überwachten Geschäftsbestandteilen aufbereiten und aus Bilanzen herauslösen können. Die Agilität von Finanzorganisationen wird zunehmen müssen, um den laufenden Reorganisationen gewachsen zu sein. Vorausschauende, robuste Finanzinformationen sind für das Top-Management als Frühindikatoren und verlässliche Führungsinstrumente entscheidend.

Unsere Aufgabe besteht darin, die Zuverlässigkeit entscheidungsrelevanter Finanzinformationen zu überprüfen und dem Management und dem Verwaltungsrat die notwendige Sicherheit zu geben.

2018 und 2019 sind wichtige Neuerungen hinsichtlich der Anwendung internationaler Rechnungslegungsregeln in Kraft getreten. Was ändert sich, was ist neu?

Die neuen Vorschriften zur Umsatzlegung, zur Verbuchung von Finanzinstrumenten und zu Leasingverträgen verändern den Jahresabschluss je nach Branche in unterschiedlichem Ausmass. In vielen Industrieunternehmen waren die Auswirkungen auf den Jahresabschluss letztlich gering, dennoch war die Einführung der neuen Rechnungslegungsvorschriften mit erheblichem Aufwand verbunden. Verschiedene IT-Systeme mussten massgeblich verändert werden.

Wir haben unsere Kunden bei der Einführung der neuen Rechnungslegungsvorschriften nahe begleitet, d.h. die Auswirkungen der neuen Vorschriften beurteilt sowie die Richtigkeit der Systemanpassungen und den Ausweis in der Jahresrechnung überprüft.

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