Die Corona-Pandemie hat das Gesundheitswesen in vielerlei Hinsicht gefordert, nicht zuletzt im Bereich der Digitalisierung. Wie die neuste KPMG-Umfrage bei Spitälern, Rehakliniken und Psychiatrien zeigt, erweist sich die digitale Transformation als komplexer als ursprünglich gedacht. Die Leistungserbringer fühlen sich nach eigener Einschätzung weniger gut auf die Digitalisierung vorbereitet als noch vor zwei Jahren.

Die Möglichkeiten zur Digitalisierung im Gesundheitswesen steigen rasant an. Immer mehr Schweizer Leistungserbringer setzen auf Telemedizin, Patientenportale und auf eine digitale Unterstützung bei der Diagnose oder den Behandlungsprozessen. Infolgedessen steigt die Komplexität der eigenen digitalen Transformation, insbesondere bezüglich der damit einhergehenden Schnittstellen zu Patienten, der Belegschaft sowie zu vor- und nachgelagerten Leistungserbringern. Das umfassendere Verständnis der Tragweite der Digitalisierung hat dazu geführt, dass sich die befragten Akutspitäler, Rehakliniken und Psychiatrien weniger gut für die digitale Transformation gewappnet sehen als noch vor zwei Jahren: Fühlten sich 2019 13% der Umfrageteilnehmer sehr gut vorbereitet, ist es dieses Jahr keine einzige der befragten Organisationen mehr. Gleichzeitig hat sich der Anteil der als mangelhaft vorbereiteten Leistungserbringer von drei auf neun Prozent verdreifacht.

Umfassende digitale Ausrichtung nicht gegeben

«Die pessimistischere Selbsteinschätzung der Leistungserbringer basiert nicht zuletzt auf den Erfahrungen mit der Corona-Pandemie», erklärt Marc-André Giger, Sektorleiter öffentliche Verwaltungen bei KPMG. Die Bewältigung der damit verbundenen Problemstellungen hat sowohl Komplexität als auch den Nachholbedarf der befragten Organisationen aufgezeigt. Zudem wurden Hindernisse bei der Umsetzung von Digitalisierungsinitiativen sichtbar, die zuvor nicht als solche erkannt wurden. «Die Umfrage-Ergebnisse zeigen, dass die Schweizer Leistungserbringer die digitale Transformation klar unterschätzt haben», fasst Giger zusammen.

Immerhin scheinen die Leistungserbringer die Zeichen der Zeit erkannt zu haben: Während im Jahr 2019 rund ein Viertel der Befragten «voll» zustimmten, über eine klar definierte Digitalisierungsstrategie zu verfügen, sind es im Jahr 2021 knapp ein Drittel. Allerdings hat sich die Anzahl der Institutionen, die 2019 «eher» zugestimmt hatten, eine klare Digitalisierungsstrategie aufzuweisen, von 53 auf 35% im Jahr 2021 reduziert. «Um für die digitale Transformation bestmöglich aufgestellt und gewappnet zu sein, ist eine klare Strategie unabdingbar. Vor dem Hintergrund der notwendigen Bewältigung der Pandemie ist aber nachvollziehbar, dass die strategische Ausrichtung auf die Digitalisierung während der letzten zwei Jahre nicht im Vordergrund stand», ordnet Giger ein.

Ressourcenmangel als grösstes Hindernis

Die Leistungserbringer sind zwar gewillt, ihre digitale Transformation voranzutreiben. So haben sie in den vergangenen Jahren unter anderem Projekte anders gewichtet, die Organisation strategisch neu ausgerichtet sowie Organisationsstrukturen angepasst und neue Rollen geschaffen. Allerdings klaffen Investitionsbedarf und Budgets weit auseinander: Insbesondere mittelgrosse Spitäler erwarten einen Anstieg in ihrem Investitionsbedarf, der im Schnitt denjenigen der grossen Spitäler gar überschreitet. So können 50% der mittelgrossen Spitäler ihren heutigen Bedarf mit dem zur Verfügung stehenden Budget nicht decken.

Bei gleichbleibenden Budgets wird sich diese Thematik in den kommenden Jahren noch weiter akzentuieren: 93% der mittelgrossen Spitäler könnten mit ihrem heutigen Budget den Bedarf in 5 Jahren nicht decken. Als grösste Hürde für eine schnellere Umsetzung sehen die Leistungserbringer denn auch den Mangel an Ressourcen (67% der Nennungen). Die Komplexität der IT-Landschaft (52% der Nennungen) sowie die Scheu vor radikalen Entscheidungen (43% der Nennungen) stellen für die Leistungserbringer weitere bedeutende Hindernisse dar.

Kooperationen zentral für erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung

Insbesondere der Ressourcenmangel liesse sich durch eine Kooperation etwas dämpfen. Über die Hälfte der befragten Leistungserbringer können sich eine Zusammenarbeit mit Wettbewerbern oder anderen Kooperationspartnern vorstellen. Die Umfrage zeigt jedoch eine sinkende Tendenz bezüglich Kooperationsvorhaben zur Realisierung der digitalen Transformation: 2021 gaben knapp 30% der Befragten an, «nicht» oder «eher nicht» weitere Kooperationsinitiativen zu lancieren. Im Jahr 2019 waren es nur ein Fünftel der Befragten.

Laut Marc-André Giger sind die Gründe für die kritischere Haltung der Leistungserbringer gegenüber Kooperationen und Partnerschaften bei den zahlreichen Herausforderungen zu suchen, die mit solchen gemeinsamen Initiativen einhergehen: Hierzu zählen beispielsweise das Teilen einer gemeinsamen Vision, Schwierigkeiten bei vertraglichen Regelungen aber auch die Komplexität der Zusammenarbeit auf organisatorischer und technischer Ebene.

Patientenwohl steht im Zentrum

Die Patientinnen und Patienten bleiben weiterhin der wichtigste Treiber für die digitale Transformation im Gesundheitswesen. So nannten rund drei Viertel der Leistungserbringer die Verbesserung der Patientenerfahrung und -zufriedenheit als Motiv für die Digitalisierung. Auch die Kommunikation mit vor- und nachgelagerten Leistungserbringern spielt laut 69% der Umfrageteilnehmer eine wesentliche Rolle für die Umsetzung der digitalen Transformation, gefolgt von einer erwarteten Verbesserung der Patientensicherheit (62% der Nennungen).

Weitere Informationen sowie die ausführliche Studie finden Sie unter:

Methodik

An der Studie haben sich insgesamt 38 Leistungserbringer – davon 23 Akutspitäler (Universitätsspitäler und überwiegend Zentrumsversorger), 8 Rehakliniken und 7 Psychiatrien (überwiegend kantonale psychiatrische Dienste) – über alle Sprachregionen und Organisationsgrössen hinweg beteiligt.

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