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Persönliche Interessen blockieren die Reform der Altersvorsorge

Medienmitteilung: Clarity on Pensions

In der Altersvorsorge besteht ein gewaltiger Reformstau, doch die Zeit eilt. So wird sich nicht nur das Umlagedefizit der AHV weiter erhöhen. Auch die ungewollten Umverteilungseffekte bei den Pensionskassen führen dazu, dass die Altersvorsorge weiter in Schieflage gerät. Mehr Vorsorgewissen in der Bevölkerung und eine Stärkung des Gemeinsinns könnten den Gordischen Knoten lösen.

Medienkontakt

Dominik Weber

Leiter Media Relations

KPMG Schweiz

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Seit Jahren ist die Altersvorsorge eine der grössten Sorgen der Schweizer Bevölkerung. Alle Generationen sind gleichermassen besorgt, denn Vorsorge betrifft alle und dies direkt. Dies ist wohl bei keiner anderen Sachvorlage derart der Fall und führt zwangsläufig zu Zielkonflikten zwischen den persönlichen Interessen und den Interessen der Gesellschaft. Die zunehmende Forderung nach Nachhaltigkeit will sich gerade im Bereich der Vorsorge nicht durchsetzen – jede Reform der Altersvorsorge erlitt in den letzten Jahren Schiffbruch. Doch die Zeit eilt, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt: Das Umlagedefizit der AHV wird sich in den nächsten 30 Jahren auf über CHF 20 Mrd. pro Jahr erhöhen. Und in der 2. Säule haben gemäss der Oberaufsichtskommission für die berufliche Vorsorge die ungewollten Umverteilungseffekte bei den Pensionskassen 2019 bereits CHF 7 Mrd. betragen.

Partikularinteressen verhindern Konsensbildung

Weshalb lässt sich die Altersvorsorge in der Schweiz so schwer auf eine nachhaltige Basis stellen? Die Gründe sind zahlreich, wie KPMG in Gesprächen mit Experten aus Politik und Wissenschaft herausgehört hat. Im Zentrum steht nicht zuletzt die Verlustangst. Dabei geht es darum, dass sich jemand im Verlaufe der Zeit eine klare Vorstellung der persönlichen Vorsorge aufgebaut hat, diese Vorstellung als unverrückbar annimmt und sich leidenschaftlich daran klammert. Eine Abkehr von dieser Vorstellung löst grösstes Unbehagen und unter Umständen Existenzangst aus. Aussagen wie «Ich habe das Leben lang bezahlt und ich habe das jetzt zugute» sind omnipräsent und illustrieren die Thematik in der ganzen Klarheit.

Gleichzeitig ist die Kompromissfindung auf der politischen Ebene schwierig. Die letzten Reformversuche haben vor allem auf die Erhöhung der Beiträge abgezielt. Die Reduktion der Rentenhöhe sowie die Erhöhung des Rentenalters gelten als unantastbar, womit die zur Verfügung stehenden Stellschrauben für Anpassungen bereits erschöpft sind. «Mit dieser fehlenden Opferbereitschaft werden wir unser Vorsorgesystem nicht in den Griff bekommen», ist Erich Meier, Leiter des KPMG Kompetenzzentrums Vorsorge, überzeugt. Obwohl die finanziellen Herausforderungen in der 1. und 2. Säule immens sind, scheint das Bewusstsein für die Dringlichkeit einer nachhaltigen Lösung noch nicht überall angekommen zu sein. Meier stellt eine gewisse Abstumpfung fest: «Seit der Finanzkrise 2007 sehen wir uns fast täglich mit finanziellen Interventionen ungeahnten Ausmasses konfrontiert, sei es von Staaten oder deren Nationalbanken. Mit der aktuellen Coronakrise hat sich diese Entwicklung nochmals akzentuiert.» Klar ist, dass die Altersvorsorge langfristig viel mehr Mittel benötigen wird und dass diese Kosten die derzeitigen Ausgaben zur Bewältigung der Coronakrise mehr als relativieren.

Transparenz herstellen und Wissen vermitteln

Ein Mehr an Vorsorgewissen in der Bevölkerung könnte zu einer nachhaltigen Entwicklung des Vorsorgesystems beitragen. Hier sind insbesondere das Bildungssystem, die Arbeitgeber, die Medien und vor allem auch die Institutionen der Altersvorsorge gefordert. «Vorsorgewissen ist gerade in einem direktdemokratischen System unabdingbar», erklärt Erich Meier. Gefragt sei eine realistische Betrachtung der Sachlage aller Altersgruppen, losgelöst von individuellen Befindlichkeiten. Doch dafür müsse zuerst Transparenz geschaffen werden. So fehle es beispielsweise an offiziellen Langzeitprognosen, mithilfe derer sich fundierter über nachhaltige Lösungswege diskutieren liesse. «Eine immer längere Rentenzeit bei mit zunehmend ungünstigerer Alterspyramide kann langfristig sicher nicht der Weg sein – Vorsorge muss generationenübergreifend nachhaltig erfüllbar ausgestaltet sein», so der Experte.

Nachhaltigkeit in der Vorsorgewelt: kleinere Pensionskassen im Nachteil

Ohnehin hat das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren vermehrt Beachtung erhalten. KPMG hat als eine der führenden Prüferinnen von Pensionskassen in der Schweiz mit zahlreichen Instituten über nachhaltiges Anlegen gesprochen und festgestellt, dass sich der Markt zwar bewegt. Doch kleinere Pensionskassen sind in dieser Hinsicht immer noch im Nachteil, da deren Marktmacht nicht genügend gross ist, um passende Produkte zu kompetitiven Preisen einfordern zu können. Wichtig ist, die Auswirkungen der Nachhaltigkeitsstrategie laufend zu prüfen und an die Anspruchsgruppen zu kommunizieren, die diesbezüglich eine klare Erwartungshaltung haben. Obwohl kleinere Pensionskassen kaum die Ressourcen haben, das Thema Nachhaltigkeit umfassend zu adressieren, geht KPMG von einem klaren Trend aus, der durch immer mehr digitale Hilfsmittel noch beschleunigt wird. «Trotz aller Euphorie für Nachhaltigkeitsanlagen darf nicht vergessen werden, dass sie nur ein Teilaspekt der Nachhaltigkeitsforderungen an Pensionskassen darstellt. Das oberste Ziel einer Pensionskasse ist und bleibt die nachhaltige Erfüllung der Vorsorgeverpflichtungen», so Meier.

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