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Coronakrise führt zu Digitalisierungsschub und Kulturwandel im Gesundheitswesen

KPMG-Umfrage bei Schweizer Leistungserbringern

Eine KPMG-Umfrage bei Schweizer Leistungserbringern vor und nach Eintreten der Corona-Pandemie zeigt: Lediglich Kliniken, die bereits vor der Coronakrise in ihre IT-Systeme investiert hatten, waren in der Lage, rasch und unkompliziert neue digitale Angebote zu entwickeln und die Beziehung zum Patienten zu stärken. Nun beschleunigen die Lehren aus der Pandemie den Transformationsprozess.

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Dominik Weber

Leiter Media Relations

KPMG Schweiz

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Die Corona-Pandemie hat das Schweizer Gesundheitswesen auf eine harte Probe gestellt. Sie hat in verschiedenen Bereichen Stärken und Schwächen zutage treten lassen. Gleichzeitig nehmen Kostendruck und Regulierung weiter zu, und die Notwendigkeit einer digitalen Transformation ist offenkundig. Dies zeigt auch eine zweiteilige Umfrage von KPMG bei 38 führenden Schweizer Leistungserbringern im Dezember 2019 und bei zehn CEOs dieser Institute im Juni dieses Jahres: Die digitale Transformation ist zwar bei über 70 Prozent der Befragten eines der drei wichtigsten Themen, das die Organisationen im Gesundheitswesen aktuell beschäftigt. Dennoch sahen sich im Dezember 2019 lediglich 13 Prozent der Befragten «sehr gut» auf die digitale Transformation vorbereitet. Mehr als die Hälfte der befragten Leistungserbringer waren nach eigenen Angaben nur «befriedigend» oder «mangelhaft» auf die Digitalisierung vorbereitet.

Patientensicherheit und Kommunikation als Haupttreiber

Die Dezember-Umfrage hat gezeigt, dass die Leistungserbringer die Patientensicherheit sowie die Verbesserung der Kommunikation mit vor- und nachgelagerten Leistungserbringern als wichtigste Treiber der Digitalisierung im Gesundheitswesen sehen. Sämtliche befragten Institute stimmten zu, dass diese Faktoren für die digitale Transformation ausschlaggebend seien. Auch die Verbesserung der Patientenerfahrung und -zufriedenheit (97%) sowie die Reduzierung der Kosten (94%) nannten die Kliniken als wichtigste Gründe für die Digitalisierung. Mit 90% Zustimmung bewerteten die befragten Institute auch die Reduktion des Fachkräftemangels durch digitale Massnahmen sowie die Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit als wichtige Treiber für ihre Digitalisierungsinitiativen.

Komplexität und Ressourcenmangel sind die grössten Hindernisse

Obwohl die Leistungserbringer die Notwendigkeit der digitalen Transformation erkannt haben, ist die Umsetzung dieser Transformation ein komplexer Prozess, der mit zahlreichen Hindernissen verbunden ist. Als grösste Hürde sahen die befragten Leistungserbringer im Dezember letzten Jahres die Komplexität der IT-Landschaft (100%), den Mangel an Ressourcen (94%) sowie die Verfügbarkeit von IT-Spezialisten (87%). Auch die Scheu vor radikalen Entscheidungen (81%) sowie die Verteidigung bestehender Strukturen und Prozesse (77%) erachtete eine grosse Mehrheit der Leistungserbringer als Hindernisse auf dem Weg zur digitalen Transformation.

Insbesondere die beiden letztgenannten Hürden, die primär in der Organisationskultur verortet sind, sind durch die Coronakrise kleiner geworden. Denn diese hat die Dringlichkeit einer digitalen Transformation im Gesundheitswesen nochmals unterstrichen. So haben laut 7 von 10 befragten CEOs die extern getriebenen Veränderungen einen Kulturwandel bei den Mitarbeitenden bewirkt und Entwicklungen ermöglicht, die vorher undenkbar waren. Dazu gehören virtuelle Interaktionsformen innerhalb der Organisation, aber auch mit den Patienten. Gleichzeitig stellten 8 von 10 CEOs fest, dass Entscheide rasch und unkompliziert getroffen wurden, um die Digitalisierung zu beschleunigen.

Ausserdem gaben 9 der 10 befragten CEOs an, dass sie dank des externen Drucks infolge der Coronakrise Hindernisse im Behandlungsprozess überwinden konnten. Dies hat beispielsweise den Einsatz von Mobile- und Digital-Health-Lösungen massiv beschleunigt. «Die medizinischen Prozesse haben einen wahren Digitalisierungsboost erfahren», erklärt Marc-André Giger, Sektorleiter Öffentliche Verwaltung bei KPMG. Insbesondere die Telemedizin habe bei allen Befragten markant an Bedeutung gewonnen und sei heute Standard. Zusätzlich würden einzelne Leistungserbringer im Zuge der Coronakrise neue strategische Geschäftsfelder orten; beispielsweise ein Angebot im Bereich Rehabilitation via Video oder eine Physio-Therapie via App.

Investitionsfokus liegt auf ERP- und Klinikinformations-Systemen

Das grösste Potenzial zur Optimierung sehen die befragten Leistungserbringer bei der Aufnahme und Zuweisung der Patienten sowie bei der Behandlung selbst. Um diese Optimierungspotenziale auszuschöpfen, sind Investitionen in die Digitalisierung notwendig. Im Fokus der Leistungserbringer stehen dabei sog. Workflow-Tools, die bereits heute breit im Einsatz sind. So gaben 91% der befragten Kliniken an, dass sie in ERP- und Klinikinformationssysteme investieren wollen. Auch Investitionen in Cloud-Lösungen stehen für 41% der Leistungserbringer ganz oben auf der Prioritätenliste. Künstlicher Intelligenz und der Blockchain-Technologie messen die Leistungserbringer aktuell noch geringere Bedeutung bei: Lediglich 12 bzw. 6% gaben an, in diese Technologien investieren zu wollen.

Kooperationen als entscheidender Erfolgsfaktor

Die Überwindung der oben genannten Hindernisse erfordert jedoch nicht nur Investitionen in die IT-Infrastruktur, sondern auch eine Kooperationsbereitschaft der Akteure zur Nutzung von Synergien. «Wir stellen fest, dass die Bereitschaft, mit anderen Institutionen zu kooperieren, bereits sehr gross ist», erklärt Marc-André Giger. So stimmten rund drei Viertel der befragten Kliniken voll oder eher zu, eine Kooperation in Erwägung zu ziehen. Besonders gross ist die Kooperationsbereitschaft bei den befragten Psychiatrien (83%), während sie bei den befragten Rehakliniken mit 60% erheblich tiefer liegt. 75% aller Akutspitäler gaben an, eine Kooperation voll oder eher in Erwägung zu ziehen. In den Augen des Experten sind Kooperationen zwischen verschiedenen Stakeholdern in der Gesundheitsbranche das Gebot der Stunde: Vielerorts sind die bekannten internen Kostenpotenziale bereits ausgeschöpft, was nach innovativen Lösungen verlangt. Gleichzeitig erhöht eine nahtlose Anbindung mehrerer Behandlungsstationen über mehrere Leistungserbringer hinweg die Patientenzufriedenheit und -sicherheit. Entscheidend für den Erfolg ist hier insbesondere die Wahl der passenden Kooperationsform.

Acht Handlungsfelder für die digitale Transformation im Gesundheitswesen

  1. Digitalisierungsstrategie ausarbeiten bzw. vertiefen
  2. IT-Backbone-Transformation angehend bzw. fortsetzen
  3. Geschäftsmodell auf die konkreten Patientenbedürfnisse ausrichten
  4. Digitale Business-Cases prüfen und umsetzen
  5. Cyber-Security-Solutions festlegen und umsetzen
  6. Komplexität der IT-Landschaft reduzieren und Integrationsgrad erhöhen
  7. Big-Data-Management aufsetzen und realisieren
  8. Change-Management orchestrieren

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