close
Share with your friends

Der Kanton Bern im Rückstand

Medienmitteilung: Berner Steuermonitor 2019

Der Kanton Bern liegt im interkantonalen Steuervergleich auf den hintersten Plätzen. Durch diesen fiskalischen Standortnachteil dürfte er bei den natürlichen Personen über 150 Mio. Franken an Steuereinnahmen verlieren und eine weitere Erosion des Mittelstandes riskieren. Ausserdem erschwert die schlechte Positionierung die Ansiedlung von Firmen. In jüngster Vergangenheit hat sich die schwierige Situation noch akzentuiert. Entsprechend gross ist der Handlungsbedarf, möchte der Kanton nicht weiter an Boden verlieren. Seit der Annahme der nationalen Vorlage zur Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) ist der Kanton Bern zusätzlich gefordert.

Medienkontakt

Dominik Weber

Leiter Media Relations

KPMG Schweiz

Kontakt

Verwandte Inhalte

KPMG und der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern (HIV) analysieren im «Berner Steuermonitor» regelmässig die Besteuerung der juristischen und natürlichen Personen im Kanton Bern. Der Kanton weist seit Jahren einen erheblichen fiskalischen Standortnachteil auf, der sich in jüngster Vergangenheit noch akzentuiert hat. Denn einerseits haben Waadt und Basel Stadt ihre Gewinnsteuern erheblich gesenkt, sodass aktuell nur das Wallis und Genf noch höhere Gewinnsteuersätze aufweisen als der Kanton Bern. Andererseits sind verschiedene Kantone in der Umsetzung der STAF-Massnahmen weiter fortgeschritten als der Hauptstadtkanton. Gleichzeitig hat die Ablehnung der Steuergesetzrevision 2019 im November letzten Jahres dazu geführt, dass der Kanton Bern im interkantonalen Wettbewerb weiter an Boden verloren hat. Damit er den Anschluss nicht vollends verpasst, ist er nun bei der Implementierung der STAF-Vorlage gefordert.

Dringender Handlungsbedarf bei der Unternehmensbesteuerung

Dazu hat der Berner Regierungsrat die Steuergesetzrevision 2021 verabschiedet, die per 1. Januar 2021 in Kraft treten soll – teilweise rückwirkend auf Anfang 2020. Der HIV begrüsst die Vorlage als gangbaren Kompromiss. „Mittelfristig dürfte kein Weg daran vorbeiführen, die Besteuerung juristischer Personen den aktuellen Entwicklungen anzupassen“, erklärt HIV-Präsident Kurt Rohrbach. Denn zwar ist der Kanton Bern im internationalen Steuerwettbewerb gut positioniert, allerdings spielt der Wettbewerb primär interkantonal.

Dass der Kanton Bern bei der Besteuerung juristischer Personen kaum mehr wettbewerbsfähig ist, zeigt auch die Analyse von KPMG: der Gewinnsteuersatz im Kanton Bern liegt bei 21.6 Prozent; im Schweizer Durchschnitt beträgt er rund 17 Prozent. Nur das Wallis (21.7 Prozent) und der Kanton Genf (24.2 Prozent) liegen im kantonalen Vergleich der Gewinnsteuersätze hinter dem Kanton Bern, wobei in beiden Kantonen Senkungen geplant sind (VS: 17 Prozent, GE: 14 Prozent).

Die Senkung der Gewinnsteuern ist in der aktuellen Vorlage zwar kein Thema, aber der Handlungsbedarf bei der Besteuerung juristischer Personen offenkundig. „Bern wird im kantonalen Vergleich spätestens ab 2021 mit Abstand den letzten Platz bei den Unternehmenssteuersätzen belegen“, so Adrian Haas, Direktor des HIV. Umso wichtiger seien nun intelligente Entlastungsmassnahmen.

Bessere Rahmenbedingungen für Innovationen

So sieht die Steuergesetzrevision 2021 beispielsweise im Rahmen der Patentbox vor, Erträge aus Patenten mit 90 Prozent zu entlasten. Ausserdem sollen Unternehmen im Kanton Bern Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen im maximalen Umfang von zusätzlichen 50 Prozent, das heisst neu 150 Prozent, abziehen können – bei gleichzeitiger Entlastungsbegrenzung von 70 Prozent.

Mit der Senkung der Steueranlage (im Rahmen des ordentlichen Budgetprozesses) von 3.06 auf 2.82 Prozent per 2021 sollen die im interkantonalen Vergleich hohen Gewinnsteuern minimal reduziert werden. Gemäss HIV entlastet dieser Schritt die Unternehmen um 40 Mio. Franken im Jahr. Gleichzeitig fördern die STAF-Massnahmen die Innovationskraft des Kantons. Das bestätigt auch die Analyse von KPMG: Durch die Ausschöpfung der Entlastungsmassnahmen können innovative Unternehmen ihre Gewinnsteuerbelastung deutlich reduzieren: Bei maximaler Patentboxentlastung von 70 Prozent beträgt die effektive Gewinnsteuerbelastung 12.4 Prozent. Zum Vergleich: Der Gewinnsteuersatz ohne Entlastungsmassnahmen liegt im Kanton Bern bei 21.4 Prozent.

Bern verliert über 150 Mio. Franken Steuereinnahmen

Handlungsbedarf zeigt sich auch bei den natürlichen Personen. Aktuell beträgt der Spitzensteuersatz im Kanton Bern 41.3 Prozent. Nur Genf, Basel Land, Waadt und das Tessin weisen höhere Spitzensteuersätze auf. In der Berner Steuergesetzrevision 2021 sind jedoch bezüglich den natürlichen Personen – abgesehen von der Erhöhung des Drittbetreuungsabzugs – keine Massnahmen vorgesehen.

Ein Blick auf den aktuellen Pendlersaldo des Kantons zeigt jedoch, dass der Kanton Bern handeln muss, wenn er beitragsstarke Steuerzahler nicht weiter an umliegende Kantone verlieren möchte. Gemäss Pendlerstatistik verliert der Kanton Bern nämlich netto über 20‘000 Personen an andere Kantone, was gemäss Einschätzung des HIV Steuereinnahmen von über 150 Mio. Franken entspricht.

Mehr Informationen

Methodik

Der «Berner Steuermonitor» ist ein systematischer interkantonaler Vergleich der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Bern. Er analysiert die Attraktivität des Kantons bezüglich der Besteuerung von Unternehmen und der Einnahmenstruktur. Der «Berner Steuermonitor» ist eine Kooperation von KPMG und des Handels- und Industrievereins (HIV) und erscheint seit 2012 jährlich im Herbst.

So kontaktieren Sie uns

 

Wie können wir Sie unterstützen?

 

loading image Anfrage einreichen