• Beat Seger, Partner |

Nach der grossen Verunsicherung 2020 aufgrund der Coronakrise  gehen die Marktteilnehmer im Schweizer Immobilienanlagemarkt heute davon aus, dass die Schweiz die weitere Entwicklung der Pandemie wirtschaftlich recht schadlos überstehen wird, was sich in einer positiven Erwartung der Marktteilnehmer zur  Wirtschaftsentwicklung für die kommenden 12 Monate äussert. Die Befragten rechnen zudem (und wenig erstaunlich) mit weiter steigenden Preisen im Immobilienanlagemarkt. So liegt der aggregierte Sentiment Index mit 63.7 pt. auf einem neuen Rekordhoch – mit einer Steigerung um satte 76.8 pt. gegenüber dem Vorjahreswert (-13.1 pt.). 

Breite Wirkung auf die erwartete Preisentwicklung

Interessant ist die Beobachtung, dass die Einschätzungen zur Preisentwicklung im Jahresvergleich sowohl für alle Anlagesegmente (Nutzung) als auch über die drei Hauptlageklassen (Lagen) durchwegs deutlich positiver ausgefallen sind. Mit Ausnahme der Büroflächen sind sämtliche Indikatoren sogar höher als im Vorpandemiejahr 2019. Im andauernden Tiefzinsumfeld dürfte TINA ("there is no alternative") ein wesentlicher Grund für dieses Umfrageergebnis sein.

Zinsen und Inflation kein Thema

Höhere Zinsen und Inflation scheinen den Immobilienakteuren in der Schweiz keinen grossen Eindruck zu machen. 59% der Befragten sind der Meinung, dass die Inflation in der Schweiz unter 2% bleiben und Preisstabilität herrschen wird. 78% der Befragten sind sogar der Überzeugung, dass die Zinsen die nächsten 3 Jahre tief bleiben, d.h. um 0%, variieren werden. Bei der Risikowahrnehmung belegen die Zinsrisiken sowie die Inflation oder Stagflation Rang zwei und drei, nachdem sie im Vorjahr das Schlusslicht bildeten. Dafür ist die Möglichkeit sinkender Immobilienwerte interessanterweise im Risikoranking auf dem letzten Platz gelandet.

Knappes Angebot bei hoher Nachfrage

Die Investitionsbereitschaft in Immobilien bleibt hoch: 91% der Umfrageteilnehmenden beabsichtigen, in den nächsten 12 Monaten Akquisitionen zu tätigen, wobei die grösste Akquisitionstätigkeit weiterhin von Versicherungen und Immobilienfonds zu erwarten ist. Aber auch Entwickler wollen Ankäufe in den nächsten zwölf Monaten machen - dies war letztmals 2017 der Fall.

Dieser Nachfrage steht ein knappes Angebot gegenüber. Ausser für Verkaufsimmobilien liegt der Angebotsindex, der die Verfügbarkeit adäquater Investitionsobjekte anzeigt, für alle Investitionssegmente im Minus. Dies trifft insbesondere auf Wohnimmobilien zu, wo der aktuelle Tiefstand seit Beginn der Umfrage nur 2016 übertroffen wurde. 

44% der Teilnehmenden gehen für die nächsten 12 Monaten von einer Erhöhung des Marktrisikos im Immobilienmarkt aus. Dies kontrastiert mit der Einschätzung der SNB, wonach sich Risiken aufgebaut haben. Auch wenn deren Risikoidentifikation nicht explizit für den Immobilienanlagemarkt erfolgt, kann sich dieser einer allfälligen Trendwende nicht gänzlich entziehen.

Strategische Weichenstellungen

Die im Schweizer Immobilienanlagemarkt weit verbreitete Zuversicht trotz andauernder Pandemie ist erfreulich. Gemäss den Umfrageresultaten liegt die primäre Aufgabe der Branche nun unter anderem in der Umsetzung der Pariser Klimakonvention. Dieses Unterfangen und die neuen technologischen Möglichkeiten sind Herausforderung und Chance zugleich und werden zu strategischen Weichenstellungen führen, welche einen starken Einfluss auf den Immobilienmarkt haben werden. Mehr dazu erfahren Sie in meinem nächsten Blogbeitrag.

Besuchen Sie unsere interaktiven Dashboards auf kpmg.ch/sresi und analysieren Sie selbst, wie sich die Stimmung im Schweizer Immobilienanlagemarkt bildet. 

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