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Automobilbranche schaltet auf Überlebensmodus

Automobilbranche schaltet auf Überlebensmodus

Automobilbranche schaltet auf Überlebensmodus

Roman Wenk | Partner,

Nach einer knapp 10-jährigen Wachstumsphase kam es in der Automobilbranche letztes Jahr zu einem Einbruch, der sich durch die COVID-19-Pandemie dramatisch verschärft hat. Eine zweite COVID-19-Welle mit ähnlichen Restriktionen würden viele Automobilhersteller nicht überleben.

Roman Wenk, Sektorleiter Automobilindustrie bei KPMG Schweiz, spricht über die jährliche globale Automobilstudie sowie die Auswirkungen von COVID-19 auf die Branche.

Die «Global Automotive Executive Survey» von KPMG zeigt, dass die Automobilbranche in einen Sturm geraten ist. Die Verabschiedung vom Verbrennungsmotor-Monopol wird Tatsache, beschleunigt durch die COVID-19-Pandemie. Die Coronakrise trifft die Autobranche mitten in einer Transformationsphase.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der diesjährigen globalen Automobilstudie von KPMG?

Künftig werden mehrere Antriebstechnologien nebeneinander existieren. Globale Führungskräfte glauben an eine ziemlich gleichmässige Verteilung von batterieelektrischen Antrieben (BEVs) (30%), Hybriden (25%), Brennstoffzellenantrieben (FCEVs) (23%) und Verbrennungsmotoren (ICEs) (23%) bis 2040. Bereits im Jahr 2030 wird der Verbrennungsmotor an der Spitze abgelöst.

Die verschiedenen Technologien werden durch Industriepolitik und weniger aus ökonomischen Gründen getrieben. 83% der Führungskräfte stimmen zu, dass Regulierungsbehörden und Industriegesetze die technologische Agenda vorantreiben. Subventionsstrategien und Steuererleichterungen werden in der Post-COVID-19-Welt noch wichtiger werden. Beispielsweise wurde jüngst in Deutschland die Kaufprämie auf E-Autos auf 6,000 Euro verdoppelt, während Verbrennerkäufer leer ausgehen. In der Schweiz ist geplant, die Treibstoffpreise bis 2025 um 12 Rappen pro Liter zu erhöhen.

Aber es zeigt sich auch, dass sich die Konsumenten in Zeiten von COVID-19 von den öffentlichen Verkehrsmitteln abwenden. In China zum Beispiel sehen wir aufgrund der Angst vor Krankheiten steigende Autoverkäufe – sowohl im oberen wie auch unteren Preissegment.

Apropos China: Die Verschiebung der Produktionsstandorte weg von Europa nach China schreitet weiter voran. Etliche Schweizer Automobilzulieferer haben heute schon einen Produktionsstandort in China aufgebaut. 76% der Befragten sind sich einig, dass bis 2030 weniger als 5% der weltweiten Autoproduktion in Westeuropa erfolgen wird – ein Anstieg von 9% im Vergleich zum letzten Jahr. Wahrscheinlich wird diese Zahl sogar noch weiter ansteigen, da COVID-19 einen grösseren Einfluss auf die Automobilindustrie in Westeuropa hat.

Die Coronakrise hat die Wachstumspläne vieler Hersteller zunichte gemacht und Überkapazitäten geschaffen. Aufgrund der schwierigen Marktbedingungen nach COVID-19 und der sich rasant entwickelnden zunehmenden Komplexität in der Automobilindustrie – mit hohen Investitionen und stark kundenorientierten Angeboten – bestätigt unsere neue Umfrage die Erkenntnisse der letzten Jahre. Es ist ein Irrglaube, dass die traditionellen Akteure der Mobilität weiterhin allein agieren und die gesamte Wertschöpfungskette eigenhändig abdecken können. Deshalb erwarten wir künftig vermehrt Kooperationen – die Post-COVID-19-Konsolidierung findet statt.

Zudem werden die Mobilitätsentscheidungen künftig von Datenschutz und Datensicherheit, TCO (total cost of ownership) sowie einer nahtlosen und stressfreien Mobilitätserfahrung bestimmt.

Was bedeutet das für die Automobilbranche?

Kostensparmassnahmen, Verschiebung strategischer Investitionen, Produktionsreduzierun-gen sowie Kooperationen und Fusionen sind nebst der Prüfung des Portfolios die Reaktionen der Autohersteller. Die Automobilbranche schaltet in den Überlebensmodus.

Die Auswirkungen werden die Branche noch zwei Jahren begleiten. Erst im Jahr 2022 ist mit einer Normalisierung und moderatem Wachstum zu rechnen. Unternehmen mit einer starken Bilanz und hoher Innovationskraft werden besser aus dieser Krise hervorgehen.

Trotzdem: In Zeiten von COVID-19 haben wir das Auto wieder schätzen gelernt.

Lesen Sie die vollständige Studie: Global Automotive Executive Survey 2020

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