Die Daseinsvorsorge übt durch die Handlungen öffentlicher Stellen, Anstalten, Stiftungen, Fonds und Unternehmen mit einer Beteiligung der öffentlichen Hand erheblichen Einfluss aus. Und das nicht nur auf die gesamtwirtschaftliche Situation, sondern auch auf soziale und ökologische Aspekte. Getrieben durch regulatorische Entwicklungen könnte der öffentliche Sektor eine Vorbildwirkung hinsichtlich der Erreichung der Klimaziele einnehmen.

Innerhalb der EU besteht bereits eine verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen von öffentlichem Interesse (Public Interest Entity, PIE) – sprich: börsenotierte Unternehmen, Banken und Kreditinstitute mit mehr als 500 Arbeitnehmern. Dies gilt seit der 2014 veröffentlichten Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (NFRD), die mit dem seit 2017 anwendbaren Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) in Österreich umgesetzt wurde. Künftig trifft die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung auch Unternehmen des öffentlichen Sektors.

In die Pflicht genommen

Im Rahmen des europäischen Green Deal und dem daraus abgeleiteten Sustainable Finance Action Plan veröffentlichte die EU-Kommission einen Entwurf einer überarbeiteten Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive – CSRD). Diese sieht eine Ausweitung der Berichtspflichten auf weitere Unternehmen vor. Damit fordert sie zukünftig auch von Unternehmen der öffentlichen Hand ab einer gewissen Größe, über ihre Nachhaltigkeitsstrategie sowie soziale und ökologische Auswirkungen im Lagebericht zu berichten.

In Österreich handelt es sich um rund 1.700 Unternehmen der öffentlichen Hand, die – bei Überschreitung gewisser Schwellenwerte1 – von den Verpflichtungen der CSRD betroffen sein werden2. Unternehmen der öffentlichen Hand weisen einen großen Einfluss auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Aspekte auf und könnten somit eine Vorbildfunktion einnehmen. Damit können die Ansprüche an die Nachhaltigkeitsberichterstattung anderer Unternehmen gehoben und die strategische Ausrichtung hin zu einer nachhaltigen Geschäftstätigkeit gefördert werden. Dies würde maßgeblich zur Erreichung der nationalen und europäischen Klimaziele beitragen.

Der Entwurf im Detail

Die Richtlinie soll im Laufe des Jahres 2021 beschlossen und bis 1. Dezember 2022 von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Die verpflichtende Anwendung für die betroffenen Unternehmen ist für die Geschäftsjahre beginnend ab dem 1. Jänner 2023 vorgesehen3.

Der Richtlinienentwurf sieht nicht nur eine Ausweitung der Berichtspflicht auf weitere Unternehmen sowie eine Prüfpflicht vor. Gleichzeitig kündigt er auch die Entwicklung europäischer Sustainability Reporting Standards an, nach denen das Reporting zu erfolgen hat. Nachfolgend stellen wir auf Basis des Richtlinienentwurfs die beabsichtigten Neuerungen vor. Zu beachten ist, dass sich in der finalen Richtlinie noch Änderungen ergeben können. Darüber hinaus wird die Umsetzung in das österreichische UGB zu weiteren Klarstellungen führen.

Ausweitung der Berichtspflichten

Bisher waren die PIE-Eigenschaft und die Anzahl der Arbeitnehmer für die Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung maßgebend. Nun wird die Berichtspflicht auf alle großen Unternehmen (iSd Definition in § 221 UGB4) und alle Unternehmen, deren Wertpapiere zum Handel an einem geregelten Markt in einem der Mitgliedsstaaten zugelassen sind, ausgeweitet. Wie bisher muss im Abschluss keine Nachhaltigkeitsberichterstattung erfolgen, wenn das Unternehmen in eine konsolidierte Nachhaltigkeitsberichterstattung eines übergeordneten Unternehmens einbezogen ist, die im Einklang mit der CSRD erstellt wurde.

Schritt zur Standardisierung

Eine wesentliche Neuerung stellt die Entwicklung europäischer Sustainability Reporting Standards dar. Waren bisher internationale Rahmenwerke wie GRI (Global Reporting Initiative) für die Nachhaltigkeitsberichterstattung heranzuziehen, sind zukünftig die EU-Berichtsstandards verpflichtend anzuwenden. Sie sollen die Standardisierung und bessere Vergleichbarkeit der Informationen gewährleisten. Bei der Entwicklung sollen internationale Initiativen Berücksichtigung finden. Der EU-Berichtsstandard soll in einem delegierten Rechtsakt der EU-Kommission bis 31. Oktober 2022 in den Europäischen Rechtsbestand aufgenommen werden.

Der Entwurf der Richtlinie sieht außerdem für alle berichtspflichtigen Unternehmen eine Prüfungspflicht der Nachhaltigkeitsberichterstattung vor. Auch die Berichts- und Prüfpflichten des Prüfungsausschusses umfassen in Zukunft neben der finanziellen Berichterstattung auch die Berichterstattung zur Nachhaltigkeit.

In der Vorreiterrolle

Durch die Revision der NFRD gewinnen Nachhaltigkeitsinformationen an Bedeutung in der externen Berichterstattung von Unternehmen. Die Ausweitung des Kreises der berichtspflichtigen Unternehmen wird eine Vielzahl von Unternehmen der öffentlichen Hand zu der Veröffentlichung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichten. Die Herausforderung, sich mit den neuen Anforderungen auseinanderzusetzen, sollte jedenfalls auch als Chance wahrgenommen werden. Denn: Insbesondere Unternehmen der öffentlichen Hand können einen enormen Treiber in der Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft darstellen. Zudem nehmen Nachhaltigkeitsinformationen für Investoren und andere Stakeholder eine immer wesentlichere Rolle bei Investitions- und Kaufentscheidungen ein. Es gilt, sich bereits jetzt mit den Anforderungen zu beschäftigen, um bei Erstanwendung ab dem 1. Jänner 2023 bestmöglich auf die Berichterstattung vorbereitet zu sein. Dabei sollte der öffentliche Sektor nicht nur die Anforderungen im Sinne einer Compliance-Übung erfüllen, sondern durch Erlangung einer Vorreiterrolle profitieren.

1 Unternehmen, die zwei der folgenden drei Größenkriterien überschreiten: EUR 20 Mio Bilanzsumme; EUR 40 Mio Umsatzerlöse; 250 Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt.
2 Kapitalgesellschaften, bei denen die Beteiligung der öffentlichen Hand mehr als 50 Prozent beträgt; Stand 27. Juli 2021,
Quelle: https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/was-wir-tun/was-wir-tun/Pruefen_und_Empfehlen.html (Abruf: 15. August 2021)
3 Für kleine und mittelgroße börsenotierte Unternehmen gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren, dh die Richtlinie ist erstmals auf das GJ 2026 anzuwenden.
4 Unternehmen, die zwei der folgenden drei Größenkriterien überschreiten: EUR 20 Mio Bilanzsumme; EUR 40 Mio Umsatzerlöse; 250 Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt.