Wie digitalisiert sind österreichische Unternehmen?

Zum zweiten Mal in Folge führte KPMG Österreich gemeinsam mit KPMG Deutschland und Schweiz die Umfrage „Digitalisierung im Rechnungswesen“ durch, bei der 350 CFOs (Österreich: 168), Rechnungswesenleiter sowie Verantwortliche für Digitalisierung befragt wurden. Weitere Erkenntnisse haben sich aus acht Interviews mit österreichischen Führungskräften erschlossen, die wir im Zeitraum von Mai bis Juli 2021 durchgeführt haben.

Das papierlose Rechnungswesen – Utopie oder Gegenwart?

Man würde annehmen, dass spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie in vielen Unternehmen Rechnungsprozesse mit digitalen Lösungen erfolgen. Hinter die Kulissen geblickt, zeigt sich ein anderes Bild, auch wenn mehr als 50 Prozent der Unternehmen überzeugt sind, dass sie im Bereich ,,Purchase to Pay“ sowie „Order to Cash“ das volle Digitalisierungspotenzial ausgeschöpft haben.

Den Berichten aus den Interviews folgend, bestanden noch vor einem Jahr Abläufe, indem die Rechnungsfreigabe oder Spesenabrechnung nicht vollständig digitalisiert war und Belege manuell in den Freigabeprozess eingepflegt werden mussten.


Auf dem Weg zu papierlosen Abläufen sehen 36 Prozent der Befragten eine Teilharmonisierung der Systemlandschaft als essenziellen ersten Schritt sowie mit 27 Prozent die flächendeckende Harmonisierung. Erst im Anschluss lässt sich die Einführung einer papierlosen Buchhaltung realisieren, wie es 18 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen bzw für eine weitere Umsetzung eingeplant haben.

„Die Digitalisierung im Rechnungswesen betrifft nahezu alle Abteilungen in einem Unternehmen. Es geht hierbei nicht nur um eine IT-Strategie – Prozesse, Ressourcen oder Verantwortliche müssen neu definiert werden. Diese Zeit, in der die Transformation der Arbeitswelt noch schneller voranschreitet als sonst, birgt große Chance für das Rechnungswesen.“

Christian Sikora

Ein Vergleich auf die Vorjahresergebnisse zeigt: Nach wie vor stehen jene Projekte im Fokus, mit denen die Voraussetzungen für weitere Digitalisierungsschritte geschaffen werden sollen. Dennoch ist die papierlose Buchhaltung keine Zukunftsmusik: Im Zeitraum 2018 bis 2021 ist ersichtlich, dass Unternehmen in der DACH-Region einen erkennbaren Fortschritt bei der Abschaffung von Altsystemen sowie der Einführung einer papierlosen Buchhaltung und einheitlichen Datenbasis geleistet haben. Jene, die bereits die Buchhaltung digitalisiert haben, geben an, spezielle Plattformlösungen zu nutzen (33 Prozent) und 43 Prozent der Unternehmen befinden sich in der Planungsphase für diese Einführung.

Das Rechnungswesen trifft auf New World of Work

Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Studie widmete sich der Fragestellung, inwiefern die Pandemie eine Auswirkung auf Digitalisierungsprojekte hatte. Ähnlich wie 2020 ist erkennbar, dass die Digitalisierung nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie bleibt, in einigen Fällen sogar eine eigene Digitalisierungsstrategie definiert wurde. Das Leben mit dem Coronavirus hat einmal mehr den aktuellen Status des Reifegrads der Digitalisierung bei österreichischen Unternehmen unterstrichen, da das Arbeiten aus dem Homeoffice im Rechnungswesen nur dann möglich war bzw ist, wenn Prozesse digitalisiert wurden.

„Sobald die Entscheidung für den Einsatz digitaler Lösungen gefallen ist, empfiehlt es sich sogenannte Digitale Kompetenzzentren zu bilden. Diese bündeln das vorhandene Know-how – sowohl auf der technischen als auch auf der fachlichen Seite. Im nächsten Schritt können unterschiedlichste Lösungen erprobt sowie eingesetzt werden.“

Eberhard Bayerl

61 Prozent der Unternehmen haben angegeben, das COVID-19 die Digitalisierung im Rechnungswesen angekurbelt hat, während 33 Prozent die Ansicht vertreten, dass es in Bezug auf Digitalisierungsvorhaben keine spürbaren Veränderungen gab. Nur sechs Prozent der Teilnehmer berichtet, dass die Pandemie zur Verlangsamung der Digitalisierung im Unternehmen beigetragen hat. Aufholbedarf, der durch die Corona-Pandemie deutlich geworden ist, sehen 59 Prozent der Befragten in der fehlenden Durchgängigkeit von digitalen Prozessen, gefolgt von der fehlenden Digitalisierung von Belegen und anderen Dokumenten (47 Prozent) sowie der fehlenden Hardware und technischen Ausstattung (36 Prozent). Ein Viertel der Unternehmen berichtet, dass ihre systemtechnischen Möglichkeiten im Homeoffice begrenzt waren, sodass ein Zugriff auf relevante Systeme aus dem Homeoffice nicht möglich war.

Umbruchstimmung bei österreichischen Unternehmen

Doch neben zahlreichen Herausforderungen, haben österreichische Unternehmen auch neue Chancen erkannt: Die Akzeptanz (79 Prozent) sowie Relevanz (71 Prozent) von Digitalisierungsprojekten im österreichischen Rechnungswesen ist gestiegen. Darüber hinaus berichten die Befragten, dass die Beteiligung der Mitarbeitenden an Digitalisierungsinitiativen zugenommen hat (72 Prozent) und neue Projekte in den Fokus gestellt wurden (64 Prozent). Jedes zweite Unternehmen gibt außerdem an, dass durch die Corona-Pandemie die Innovationskraft im Rechnungswesen gesteigert wurde.

Weitere Ergebnisse

  • 34 Prozent der Unternehmen testen Künstliche Intelligenz (KI)-Lösungen für die Erfassung von standardisierten Daten. Für 47 Prozent ist jedoch der KI-Einsatz derzeit (noch) kein Thema.
  • Der Einsatz von KI scheitert an Datenheterogenität und veralteten Systemen.
  • Österreichische Unternehmen sind hinsichtlich Self-Service Reporting oder Big-Data-Analysetools zurückhaltend.
  • Die nicht-finanzielle Berichterstattung wird stark unterschiedlich koordiniert und verantwortet.

Alle Ergebnisse der Studie „Digitalisierung im Rechnungswesen“

Inwiefern hat sich die Digitalisierung von Finanzprozessen geändert? Welche Rolle spielt die Nicht-finanzielle Berichterstattung und: Wie weit sind die Unternehmen zum Vergleich in Deutschland und in der Schweiz mit ihren Digitalisierungsprojekten? Lesen sie hier alle weiteren Ergebnisse der diesjährigen Studie.

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