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Die Einhaltung von Nachhaltigkeits-/ESG-Vorgaben ist mehr als eine Compliance-Angelegenheit. ESG ist wesentlicher Teil der Unternehmensstrategie – nicht nur bei Produktions­unternehmen, sondern auch bei Banken.

Neben den vielen regulatorischen Vorgaben im Kontext von ESG muss es ein dringendes Anliegen von Banken sein, ESG auch aus einem strategischen Blickwinkel zu betrachten. Zins- und Margendruck, veränderte Anforderungen von Kundinnen und Kunden und deren Bedürfnisse, die Erfordernis von Kosteneffektivität und Digitalisierung oder Plattform Banking erfordern, dass Banken sich konsequent mit ihrem Blick in die Zukunft auseinandersetzen und Veränderung einleiten, wenn sie in den kommenden Jahrzehnten noch erfolgreich sein wollen. Dabei muss das Thema Nachhaltigkeit eine der zentralen Überschriften sein. Dieser Beitrag zeigt die Vorgehensweise bei Implementierung einer ESG-Strategie bei einer Bank.

Am Anfang einer ESG-Strategie steht der „Purpose“. Dieser beschreibt den Zweck der Bank über einen längeren Zeithorizont (typischerweise zehn Jahre). Er lässt sich zusammenfassen in Vision, Mission und Werte der Bank. Ohne einen klaren Purpose ist die Entwicklung einer ESG-Strategie ­(Zeithorizont drei bis fünf Jahre) nicht zu empfehlen, weshalb die Definition des Purpose zu Beginn eines ESG-Projekts steht.
Die ESG-Strategie konkretisiert den Weg hin zur Erreichung der Vision und zum Leben der zugrundeliegenden Werte. Dabei berücksichtigt sie quantitative und/oder qualitative Ambitionsniveaus – Ziele, die den Erfolg der Umsetzung der Strategie messbar machen. Das Strategiepapier hält die ausformulierte ESG-Strategie fest und wird in der Folge allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und weiteren Stakeholderinnen und Stakeholdern zur Verfügung gestellt. Ein konkretes Portfolio von Initiativen und Maßnahmen stellt sicher, dass die ESG Strategie auch operativ umgesetzt wird. Die laufende interne Kommunikation von Purpose und Strategie (des Strategiefortschritts) ermöglicht deren Festigung im Unternehmen. Die ESG-Governance bildet den organisatorischen Rahmen (siehe Abbildung 1).

Hierarchie

Die Entwicklung einer ESG-Strategie basiert auf vier Phasen:

  1. Ableitung strategischer Leitplanken
  2. Entwicklung der ESG-Strategie
  3. Kommunikation & Verbreitung
  4. Implementierung & Monitoring

In der 1. Phase, Ableitung strategischer Leitplanken, ist es essenziell, sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Dies bedarf der Aufmerksamkeit des Gesamtvorstands. Dabei werden zB wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte, ESG-Kriterien, Auswirkung bei Nichtbeachtung von ESG sowie Leading Practices diskutiert, um ein gemeinsames Verständnis von ESG zu schaffen. Als Ergebnis können das IST-Bild sowie Chancen und Herausforderungen rund um ESG in der eigenen Bank abgeleitet werden. Das ist die Basis, um eine „Desired future“ (ZIEL-Bild) abzuleiten (siehe Abbildung 2).

Desired Future

Diese „Desired future“ dient als wesentlicher Input zur Definition strategischer Leitplanken, die als Richtungsweisung für die ESG-Strategie entlang relevanter Kriterien (zB Einflussfaktoren, SDGs) definiert werden.

In der 2. Phase, der Strategieentwicklung, werden die definierten strategischen Leitplanken in Hypothesen übergeleitet und verprobt, um das ESG-Zielbild zu konkretisieren. Wichtig ist hier die klare Abgrenzung zum Mitbewerb (USP) und die Verknüpfung mit den gesetzlichen Vorgaben (zB durch eine Wesentlichkeitsanalyse). Wesentlich an diesem Punkt ist auch die Definition von qualitativen und quantitativen Ambitionsniveaus und Schlüsselkennzahlen (KPIs) zur Messung des ESG-Erfolgs. Quantitative Ambitionsniveaus zeigen direkte Bilanz- und GuV-Effekte (zB ROA) auf, quantitative Ambitionsniveaus haben einen indirekten Einfluss auf die Bilanz- und und das Ergebnis (zB Reputation, Schadstoffgrenzen).

Zur Erreichung der Ambitionen wird ein Initiativenportfolio erstellt. Eine einheitliche Priorisierung der Initiativen durch eine Erstbewertung hinsichtlich Impact, Abhängigkeiten und Ressourcen und ihre Verortung auf der Zeitachse ist dabei unumgänglich, um die Initiativen zu operationalisieren (Fokus auf wenige, jedoch wichtige/dringende Initiativen).

In Phase 3 wird ein klarer Kommunikationsplan für die ersten Monate entwickelt sowie eine Kultur- und Mindset-Kampagne erarbeitet. Es geht darum, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Strategie begeistern zu können sowie die Führungskräfte und new ways of working zu unterstützen. Nach dem offiziellen Start der Kommunikation der ESG-Strategie sowie der Kultur- und Mindset-Kampagne, können erste Initiativen gesetzt werden.

Den Auftakt zu Phase 4 bildet das Aufsetzen der operativen Strategieumsetzung. Dabei gilt es, das Initiativenportfolio zu detaillieren und klare Verantwortlichkeiten und Zeitleisten zu definieren.

Wirklich erfolgreich sind jene Unternehmen, die die operative Strategieumsetzung durch eine sinnvolle Governance (zB die Einrichtung eines Sustainability Committees) begleiten. Diese stärkt das Commitment der Organisation zur Umsetzung der Strategie und ermöglicht durch planmäßige Reviews und ein Monitoring der konkreten Aktivitäten und Ergebnisse entlang der definierten Ambitionsniveaus/KPIs eine erfolgreiche Umsetzung.

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