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Nach wie vor liegt der Fokus von Wirtschaftsforschung und Medien klar in der Analyse der Auswirkungen der Pandemie: Lockdowns, Impfkurven, massive Staatshilfen und deren Konsequenzen für Unternehmens- und Verbraucherverhalten sind zweifelsohne dominante Treiber der künftigen Wirtschaftsentwicklung. Die wichtigsten positiven Impulse kommen aktuell aus dem Industriesektor.

Abseits des medialen Fokus sind gerade im digitalen Industriebereich konjunkturelle Schatten aufgetaucht. Bekanntgewordene Lieferengpässe sind zum Beispiel nicht auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, sondern auf eine Knappheit an Computerchips.

Die damit einhergehenden ökonomischen Folgen, speziell in der Digitalisierungsbranche, spitzen sich immer weiter zu. Laut Schätzungen wird weltweit allein in der Automobilindustrie mit Umsatzeinbußen von über EUR 50 Mrd gerechnet. Doch nicht nur Automobilhersteller stoppen oder reduzieren die Produktion: Die Chip-Knappheit zieht weite Kreise, insbesondere leidet die gesamte Digitalisierungsbranche. Jegliches digitale Produkt beinhaltet Chips, seien es Spielekonsolen, Laptops oder Haushaltsgeräte.

Gründe für die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage der Chips sind auf ein Zusammenwirken mehrere Faktoren zurückzuführen. Dazu zählen die im Jahr 2018 im asiatischen Raum verhängten Strafzölle, die die Chip-Nachfrage empfindlich und in Folge das Produktionsvolumen der Halbleiter-Hersteller verringerten. Auf dieses deutlich reduzierte Angebot traf in Folge der COVID-Pandemie ein sprunghafter Anstieg der Produktbestellungen in der Computer-, der Unterhaltungselektronik und – wider Erwarten – der Automobilbranche.

Die Krise offenbart aber auch ein großes strukturelles Risiko in den Lieferketten: Die Produzenten leiden unter der Abhängigkeit von Chipherstellern. Diese sehen sich nicht nur mit einer stärkeren Nachfrage konfrontiert, sondern sie sind zB auch einer historischen Dürre ausgesetzt, die die Produktion zusätzlich belastet.

Eine Lösung des Problems ist derzeit nicht absehbar, und die Lieferverzögerungen sind schon jetzt enorm. Die Lieferzeiten für Chips, die bis vor kurzem 1-2 Wochen nach Bestellung verfügbar waren, betragen teilweise länger als 1 Jahr.

Viele Experten betonen bereits, dass für die betroffenen Branchen die negativen Auswirkungen jene der COVID-Pandemie noch übertreffen. Ein schwerer Schlag für den Digitalisierungssektor, der – wie auch im Comeback-Plan der Bundesregierung betont – ein ganz zentrales Element des Aufschwungs darstellen soll.

Eine Lösung des Problems ist daher von höchster Wichtigkeit – und die durch COVID häufig diskutierte notwendige Reduktion der Abhängigkeit von (asiatischen) Zuliefermärkten könnte – und sollte – Teil der Lösungsstrategie sein.

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