CRR II erfordert eine Einbeziehung branchenfremder Beteiligungen „at-equity“

CRR II erfordert branchenfremder Beteiligung

Die Änderung der CRR in Bezug auf die Methoden der aufsichtlichen Konsolidierung erfordert eine Einbeziehung von branchenfremden Beteiligungen nach der Äquivalenzmethode und trat bereits mit 28. Dezember 2020 in Kraft. Aus einer ergebniswirksamen Erhöhung des Beteiligungsbuchwertes kann sich ein positiver Effekt auf die Eigenmittel ergeben.

Mit der Verordnung (EU) Nr 2019/876 vom 20. Mai 2019 zur Änderung der Verordnung
(EU) Nr. 575/2013 („CRR II“) wurde unter anderem Artikel 18 zu den Methoden der aufsichtlichen Konsolidierung überarbeitet. Gemäß Artikel 18 Abs 7 CRR II sind demnach Tochterunternehmen und andere Beteiligungen, die keine Institute, Finanzinstitute oder Anbieter von Nebendienstleistungen sind, grundsätzlich nach der Äquivalenzmethode
(„at-equity“) in den aufsichtlichen Konsolidierungskreis einzubeziehen. Die Anwendung dieser Methode bedeutet jedoch nicht, dass die betroffenen Unternehmen in die Beaufsichtigung auf konsolidierter Basis einbezogen werden.

Die Anwendung der at-equity-Methode hat zur Folge, dass bisher nicht in den aufsichtlichen Konsolidierungskreis einbezogene branchenfremde Beteiligungen in Höhe des anteiligen Eigenkapitals zu bewerten sind. Entsteht im Rahmen der „at-equity-Bewertung“ ein positiver Geschäfts- oder Firmenwert, ist diese Differenz von den Eigenmitteln abzuziehen. Umgekehrt führt eine ergebniswirksame Erhöhung des Beteiligungsbuchwertes über die Anschaffungskosten hinaus neben der Erhöhung der risikogewichteten Aktiva auch zu einer Erhöhung der Eigenmittel. Anrechnungen von anteiligen Jahresergebnissen zum harten Kernkapital sind nach Art 26 (2) CRR jedoch erst nach Vorliegen eines Feststellungsbeschlusses bzw. davor nur mit Genehmigung der Aufsicht zulässig.

Artikel 18 Abs 7 erlaubt den zuständigen Behörden (FMA bzw. EZB) außerdem, eine andere Methode zur Konsolidierung zu gestatten oder vorzuschreiben, wenn folgende Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind:

  • wenn die at-equity-Methode am 28. Dezember 2020 noch nicht angewendet wird
  • wenn die Anwendung der at-equity-Methode unverhältnismäßig aufwendig wäre oder die Risiken der betroffenen Unternehmen für das Institut nicht angemessen widerspiegeln
  • wenn die Methode im Ergebnis weder zu einer Vollkonsolidierung noch zu einer proportionalen Konsolidierung des Unternehmens führt

Obwohl diese Regelung bereits mit 28. Dezember 2020 in Kraft getreten ist, liegen dazugehörige technische Regulierungsstandards der EBA zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vor. Auch eine Umsetzung der oben genannten Ausnahme durch die zuständige Behörde in nationales Recht ist derzeit noch ausständig. Gemäß den aktuellen Vorgaben der CRR-Begleitverordnung ist ein aus der Anwendung der at-equity-Methode entstehender Geschäfts- oder Firmenwert jedenfalls entsprechend Artikel 37 lit b CRR vom harten Kernkapital abzuziehen. Bei der erstmaligen Anwendung der at-equity-Bewertung ist dabei zwischen aufgedeckten stillen Reserven und Firmenwerten zu unterscheiden.

Auswirkungen aus der Anwendung der neuen Bestimmung ergeben sich neben Effekten auf die Eigenmittel auch auf andere regulatorische Kennzahlen wie die Großkreditgrenze, die Leverage Ratio, die NSFR und das Risk Exposure der Beteiligungen bzw. die Beteiligungsgrenzen nach Art 89 CRR. Aber auch im ICAAP können bei der Ermittlung der Risikodeckungsmassen Anpassungen erforderlich sein, wenn hier stille Reserven aus Beteiligungen, die nicht von den Eigenmitteln abgezogen werden, berücksichtigt wurden. Aufgrund des Inkrafttretens der Regelung mit 28. Dezember 2020 empfehlen wir eine umgehende Prüfung, ob die betroffenen regulatorischen Kennzahlen für den Stichtag zum 31.12.2020 korrekt ermittelt wurden.

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