Insurance News: Good to remember – Covid-19 im Jahresabschluss 2020 von Versicherungsunternehmen

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Covid-19 hat das abgelaufene Geschäftsjahr in vielen Bereichen wesentlich geprägt. Für Versicherungsunternehmen stellt sich im Zuge der Erstellung des Jahresabschlusses 2020 die Frage, inwieweit sich aus Covid-19 Auswirkungen auf die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie vorzunehmende Schätzungen ergeben. In einem zweiten Schritt ist es wichtig, diese Effekte für die Adressaten des Abschlusses möglichst transparent darzustellen.

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Erste Erfahrungsberichte aus der Branche lassen weitreichende Auswirkungen auf den Versicherungsbereich erwarten, die für den Jahresabschluss unternehmensindividuell verstanden, bewertet und offengelegt werden müssen. Die größten Themen werden dabei naturgemäß im Bereich der Kapitalanlagen und der Versicherungstechnik liegen.

Bewertungen von Kapitalanlagen

Neben den nach IAS 36 verpflichtend mindestens jährlich zu erstellenden Impairment-Tests ist auch im unternehmensrechtlichen Abschluss zu prüfen, ob Anhaltspunkte für dauernde Wertminderungen vorliegen.

Die größte Komplexität darin wird für viele Unternehmen im Bereich der Beteiligungsbewertung bestehen, für die es gilt, verlässliche Mittelfristplanungen zu erstellen. Unterschiedliche Szenarien, um den aus Covid-19 resultierenden Unsicherheiten Rechnung zu tragen, werden hier in der Regel unumgänglich sein. Werden Kapitalkosten von Ist-Daten abgeleitet, kann es erforderlich sein, Bereinigungen für irrationale Schwankungen an den Kapitalmärkten vorzunehmen (zB im Bereich der Beta-Faktoren).

Schwierigkeiten in der Auswahl geeigneter Parameter können sich auch in anderen Bereichen ergeben. Für Immobilien bestehen beispielsweise im Bereich der Gewerbeimmobilien erhöhte Unsicherheiten hinsichtlich zukünftiger Leerstandsquoten sowie der weiteren Marktpreisentwicklung. Quer durch die Bilanz, etwa im Bereich von Darlehen, Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft aber auch Regressforderungen, ergibt sich zudem die Frage, inwieweit erhöhte Ausfallsrisiken zu berücksichtigen sind.

Wird vom Unternehmen die gemilderte Bewertung für Kapitalanlagen in Anspruch genommen, kommt der Beurteilung, ob eine dauerhafte Wertminderung vorliegt, erhöhte Bedeutung zu. Für den Bereich der Finanzinstrumente kann dafür die AFRAC-Stellungnahme 14 über die Bewertung von nicht-derivativen Finanzinstrumenten als Orientierungshilfe dienen.

Versicherungstechnik

Viele Versicherungsunternehmen berichten von erheblichen Schwankungen im Schadenverlauf im Geschäftsjahr 2020. Für die Bilanzierung ist wichtig zu verstehen, ob es sich dabei um reine Verschiebungen von Leistungen handelt oder die Änderungen aus verändertem Verhalten der Versicherungsnehmer bzw. aus dem veränderten Umfeld resultieren und daher kein Aufholeffekt zu erwarten ist. Reine Verschiebungen könnten eine Anpassung der bestehenden Reservierungslogik erfordern, zum Beispiel wenn Schadenmeldungen bedingt durch die Einschränkung des persönlichen Kontakts oder Unklarheiten in der Versicherungsdeckung verzögert eintreffen oder abgearbeitet werden oder wenn Versicherungsleistungen zwar grundsätzlich benötigt werden, jedoch aufgrund von Regierungsmaßnahmen nicht in Anspruch genommen werden konnten (zB im Bereich der Krankenversicherung).

Nicht zu vergessen ist auch, dass atypische Schaden- oder Kostenverläufe im Bereich der Schaden-Unfallversicherung beträchtliche Auswirkungen auf die Veränderung der Schwankungsrückstellung haben können.

Neben dem Leistungsbereich sollte auch der Prämienbereich in der Analyse nicht außen vorgelassen werden. Besonders im Bereich von volumenabhängigen Prämien (etwa in der Transport- oder Kreditversicherung) ist für das Geschäftsjahr 2020 mit Anpassungen zu rechnen, für die allenfalls mittels Abgrenzung vorzusorgen wäre. Zudem sind auch die Parameter für die Stornorückstellung auf Angemessenheit zu würdigen.

Gesamthafte Auswirkungen

Verwendet das Unternehmen für die Bilanzierung statistische Methoden, muss aufgrund der beschriebenen Sondereffekte und etwaiger weiterer atypischer Entwicklungen besonderes Augenmerk auf die Datenbasis gelegt und gründlich untersucht werden, inwieweit Bereinigungen vorzunehmen sind, da die Daten des Geschäftsjahrs möglicherweise nicht repräsentativ für Projektionen in die Zukunft sind.

Nicht zuletzt empfiehlt es sich zeitnah zu prüfen, welche Effekte sich auf die Bemessungsgrundlage für die Gewinnbeteiligung gemäß LV-GBV ergeben. Zwar war bis Ende des Jahres bereits eine spürbare Erholung an den Kapitalmärkten zu verzeichnen, jedoch ist bei den meisten Unternehmen dennoch mit einem im Vergleich zum Vorjahr deutlich schlechterem Kapitalergebnis zu rechnen. Entsteht daraus eine negative Bemessungsgrundlage, könnten Gegensteuerungsmaßnahmen wie die Umstellung auf gemilderte Bewertung oder die vorzeitige Auflösung der Zuschreibungsrücklage gemäß § 906 Abs 32 UGB geprüft werden.

Angaben im Anhang und Lagebericht

Für IFRS Berichterstatter wurde von der ESMA bereits im März 2020 ein Public Statement zu den Auswirkungen von Covid-19 auf die Rechnungslegung nach IFRS veröffentlicht, in dem auch eine Erwartungshaltung zu Notes-Angaben gegeben wird.

Im Abschluss nach UGB/VAG sind Angaben zum Thema Covid-19 immer dann zu erwarten, wenn sich daraus Ertrags- oder Aufwandsposten von außerordentlicher Bedeutung oder Größenordnung (vgl. § 237 Abs 1 Z4 UGB) oder eine Unsicherheit in Bezug auf den Unternehmensfortbestand (vgl. KFS RL-28 Rz 27) ergeben. Anders gestalten sich die Angabepflichten im Lagebericht, da eine Beschreibung des Geschäftsverlaufs wie sie in § 243 UGB gefordert ist, jedenfalls eine Beschreibung von Covid-19 Effekten erfordern wird. Insbesondere aufgrund der nach wie vor bestehenden Unsicherheit in Bezug auf die weitere Entwicklung ist auch davon auszugehen, dass im Risikobericht weitreichend auf Covid-19 und dessen Auswirkung auf das Unternehmen einzugehen ist.

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