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Express Accounting News 2020/29

Express Accounting News

IFRIC-Update Newsletter Dezember 2020 veröffentlicht

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Das IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) hat am 15. Dezember 2020 den IFRIC-Update Newsletter zu den Ergebnissen der Sitzung am 1. und 2. Dezember 2020 veröffentlicht.

1. Supply Chain Financing Arrangements – Reverse Factoring:

Das IFRS IC hat eine Agenda-Entscheidung zum Reverse Factoring verabschiedet.

Nach Auffassung des IFRS IC sind die Verbindlichkeiten, die Bestandteil des Reverse Factoring Arrangements sind, in der Bilanz je nach Sachverhalt entweder weiter als Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, als sonstige finanzielle Verbindlichkeit oder als Verbindlichkeiten eigener Art auszuweisen. Ein Ausweis als Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen kommt nur dann in Frage, wenn die Art und die Funktion der Verbindlichkeiten gleich geblieben sind. Ein separater Ausweis kann dagegen gefordert sein, wenn die Art, die Größe oder die Funktion der Verbindlichkeiten einen gesonderten Ausweis erforderlich macht. Dies kann bspw. der Fall sein, wenn zusätzliche Sicherheiten gewährt werden oder wenn sich die Zahlungsbedingungen deutlich von den üblichen Zahlungsbedingungen unterscheiden.

Daran anknüpfend ist es nach Auffassung des IFRS IC hilfreich, den Ausweis des Zahlungsmittelabflusses in der Kapitalflussrechnung nach IAS 7 anhand der Klassifizierung der Verbindlichkeit in der Bilanz vorzunehmen: im betrieblichen Cashflow, sofern die Verbindlichkeit als Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen ausgewiesen wird; ansonsten im Finanzierungs-Cashflow.

Es wurde zudem klargestellt, dass, wenn zur Durchführung des Reverse Factoring Arrangement vom Unternehmen nur eine Auszahlung (an die Finanzinstitution) vorgenommen wird, auch nur ein Zahlungsmittelabfluss dargestellt werden darf. Für die anderen beiden zahlungsunwirksamen Geschäftsvorfälle (Entstehung einer Verbindlichkeit gegenüber der Finanzinstitution und Erfüllung der Verbindlichkeit gegenüber dem Lieferanten) sind stattdessen Anhangangaben gem. IAS 7.43 zu machen.

Nach Auffassung des IFRS IC ist die Beurteilung, ob die ursprüngliche Verbindlichkeit (gegenüber dem Lieferanten) ausgebucht und eine neue Verbindlichkeit (gegenüber der Finanzinstitution) eingebucht werden muss, anhand der Kriterien des IFRS 9 durchzuführen.

Letztlich weist das IFRS IC darauf hin, dass umfangreiche Anhangangaben notwendig sein können, so zB zur Veränderung der Finanzverbindlichkeiten nach IAS 7.44A ff und zu Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten nach IFRS 7.31-35. Hierbei sind insbesondere Angaben zum Liquiditätsrisiko geboten, zum Beispiel da die Reverse Factoring Transaktionen eine Konzentration auf nur ein Finanzinstitut mit sich bringen oder ein Wegfall solcher Transaktionen eine Verkürzung der Zahlungsziele zur Folge haben könnte.

2. Classification of Debt with Covenants as Current or Non-current (IAS 1):

Das IASB hatte im Januar 2020 ein Amendment zu IAS 1 Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig herausgegeben. Das IFRS IC hat nun eine vorläufige Agenda-Entscheidung zu einer Anwendungsfrage dieses Amendments verabschiedet.

Anhand von drei Beispielen wird illustriert, dass nicht die Erwartung darüber, ob das Unternehmen einen in der Zukunft liegenden financial covenant-Test bestehen wird, entscheidend für die Klassifizierung der Schulden am Abschlussstichtag ist. Vielmehr ist entscheidend, ob ein hypothetischer Test anhand der Verhältnisse am Abschlussstichtag zum Bestehen des Tests führt und daraus abgeleitet, ob das Unternehmen das Recht hat, die Begleichung der Schulden nicht in den nächsten 12 Monaten nach dem Abschlussstichtag vornehmen zu müssen.

3. Configuration or Customisation Costs in a Cloud Computing Arrangement (IAS 38):

Nach der finalen Agenda-Entscheidung des IFRS IC „Customer’s Right to Receive Access to the Supplier’s Software Hosted on the Cloud (IAS 38)” (IFRIC Update March 2019) befasst sich das Gremium nun mit der Bilanzierung von Konfigurations- oder Customizingkosten in Verbindung mit einem Cloud Computing Arrangement. Bei der Entscheidung, ob derartige Kosten zu aktivieren sind, ist nach der jetzt veröffentlichten vorläufigen Agenda-Entscheidung des IFRS IC „Configuration or Customisation Costs in a Cloud Computing Arrangement (IAS 38)” in drei Schritten vorzugehen: Zunächst ist die Aktivierung eines selbstständigen immateriellen Vermögenswerts nach IAS 38 zu prüfen (Schritt 1). Ist danach eine Aktivierung zu verneinen und die Ausgaben dementsprechend im Aufwand zu erfassen, ist zu prüfen, ob eine Vorauszahlung auf die vereinbarten Leistungen zu aktivieren ist (Schritt 2). Um zu entscheiden, ob dabei Konfigurations- oder Customizingleistungen einerseits und die Bereitstellung des Zugriffs auf die Software in der Cloud andererseits als einheitliche Leistung oder als separate Leistungen anzusehen sind, ist auf Grundlage von IAS 8.10-11 das „distinct“ Kriterium des IFRS 15 anzuwenden (Schritt 3): Sind die Leistungen „distinct“, sind die Konfigurations- oder Customizingkosten in dem Zeitpunkt als Aufwand zu erfassen, in dem die Konfiguration oder das Customizing erfolgt. Sind die Leistungen dagegen nicht „distinct“, sind sie über den Zeitraum als Aufwand zu erfassen, über den während der Vertragslaufzeit Zugang zur Software gewährt wird. Werden Leistungen vergütet, bevor sie erhalten sind, ist eine Vorauszahlung als Vermögenswert zu erfassen.

Schließlich hat das IFRS IC zwei weitere vorläufige Agenda-Entscheidungen zu „Attributing Benefit to Periods of Service (IAS 19)“ und „Hedging Variability in Cash Flows due to Real Interest Rates (IFRS 9)” beschlossen

Der vollständige IFRIC Update Newsletter ist über die Website des IASB unter diesem Link abrufbar

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