Express Accounting News 2020/28

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FMA veröffentlicht die Prüfungsschwerpunkte 2020

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Am 1. Dezember 2020 hat die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) die Prüfungsschwerpunkte, die für das Enforcement von Abschlüssen mit 31. Dezember 2020 oder später endenden Geschäftsjahren relevant sind, veröffentlicht.


Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority, ESMA) hat am 28. Oktober 2020 die gemeinsamen europäischen Prüfungsschwerpunkte (European common enforcement priorities for 2020 annual financial reports) veröffentlicht, die von den nationalen Aufsichtsbehörden OePR sowie FMA bei ihrer Prüfung im Rahmen von Enforcement-Verfahren zu beachten sind. Die FMA hat diese um zusätzliche Themen ergänzt bzw konkretisiert.

Für Abschlüsse des Jahres 2020 hat die FMA die folgenden Prüfungsschwerpunkte bekannt gegeben:

Prüfungsschwerpunkte für Konzernabschlüsse nach IFRS

1) Darstellung des Abschlusses (IAS 1), mit folgenden Schwerpunkten:

  • Annahmen zur Unternehmensfortführung (IAS 1.25 f)
  • Aussagekräftige Angaben zu wesentlichen Ermessensentscheidungen (IAS 1.122 ff) und Schätzungsunsicherheiten (IAS 1.125 ff) inkl Informationen über die Sensitivität von Buchwerten (IAS 1.129)
  • Darstellung der COVID-19 beeinflussten Posten

2) Wertminderungen (IAS 36), mit folgenden Schwerpunkten:

  • Cashflow-Prognosen (IAS 36.33 ff)
  • Abzinsungssatz (IAS 36.55 f)
  • Angemessene und transparente Offenlegung der Bewertungsmethoden und der zu Grunde liegenden Annahmen (IAS 36.134)

3) Finanzinstrumente (IFRS 9) und Angaben (IFRS 7), mit folgenden Schwerpunkten:

  • Liquiditätsrisiko: Angaben zu Risiken und zur Sensitivität gegenüber Marktrisiken sowie Darstellung einer detaillierten Fälligkeitsanalyse von finanziellen Verbindlichkeiten bzw finanziellen Vermögenswerten (sofern relevant); in diesem Zusammenhang auch Offenlegung von Supply Chain Financing Arrangements und Reverse Factoring-Vereinbarungen
  • Erläuterung des Entstehens und der Steuerung von finanziellen Risiken
  • Angaben bei Inanspruchnahme von Konzessionen (forbearance) oder Zahlungsmoratorien
  • Für Kreditinstitute: aussagekräftige und detaillierte Angaben der zugrunde gelegten Annahmen und deren Änderungen bei der Bemessung des ECL

4) Leasing (IFRS 16), mit folgenden Schwerpunkten

  • Leasingnehmer
    • Angaben bei Anwendung des IFRS 16 Amendments zu Rent Concessions
    • Getrennte Angaben zu GuV-Auswirkungen, welche sich aufgrund von Änderungen von variablen Leasingzahlungen und aufgrund von Ausnahmen in IFRS 16 ergeben
    • Fälligkeitsanalyse von Leasingverbindlichkeiten (IFRS 16.58 f) sowie Angaben zu künftigen (potentiellen) Mittelabflüssen, die nicht in der Bewertung der Leasingverbindlichkeiten enthalten sind
  • Leasingeber
    • Angaben hinsichtlich des Risikos des aktuellen Marktumfeldes und möglicher signifikanter Änderungen bei den Vermögenswerten von Operating-Leasingverhältnissen, für die COVID-19 bedingte Mietkonzessionen gewährt wurden sowie die allgemeinen Angabeerfordernisse der einschlägigen Standards (IAS 16, IAS 36, IAS 38, IAS 40, IAS 41)

Es wird in diesem Zusammenhang empfohlen die Prüfung zusätzlicher Angabeverpflichtungen gem IFRS 16.B48 hinsichtlich COVID-19 und die Überprüfung von Bewertungsgrundsätzen bezüglich gewährter oder erhaltener Entlastungsmaßnahmen vorzunehmen.  

Prüfungsschwerpunkt für (Konzern)Lagebericht

  • Darstellung der Berechnungsmethoden und der Herleitung der finanziellen Leistungsindikatoren


In diesem Zusammenhang verweist auch FMA auf die allgemeinen Leitlinien (10/2015) der ESMA zur Berechnung der Alternative Performance Measures (APM) sowie auf die Questions & Answers (04/2020), die zusätzlich darstellen, wie Auswirkungen von COVID-19 berücksichtigt werden können.  

Prüfungsschwerpunkte für Nichtfinanzielle Berichterstattung

  • Transparente Berichterstattung von Konsequenzen der COVID-19-Pandemie und gegensteuernden Maßnahmen, dabei expliziter Schwerpunkt auf Sozial- und Mitarbeiterbelange
  • Angaben zu Auswirkungen der Pandemie auf das Geschäftsmodell und die Wertschöpfung sowie zu den eingeführten Gegenmaßnahmen und Richtlinien inkl Erläuterung von Auswirkungen auf nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
  • Offenlegung von Umweltrisiken für das Unternehmen und gegensteuernde Maßnahmen

Prüfungsschwerpunkte für Jahresabschlüsse nach UGB

  • Berücksichtigung und entsprechende Erläuterung von außerplanmäßigen Abschreibungen im Anlagevermögen (§ 204 Abs 2 UGB) und von Gegenständen des Umlaufvermögens (§ 207 UGB)
  • Bestmögliche Schätzung und Erläuterung von Rückstellungen für COVID-19 bedingte Restrukturierungsmaßnahmen und Personalbelange
  • Erfassung und Erläuterung von COVID-Maßnahmen der öffentlichen Hand

Darüber hinaus weist die FMA auf das Pre-Clearance-Verfahren zu Rechnungslegungsfragen nach IFRS und nationaler Rechnungslegung hin, um Fehlerfeststellungen zu vermeiden. Es wird empfohlen von der Möglichkeit einer Pre-Clearance rechtzeitig Gebrauch zu machen.

Eine ausführliche Übersicht und Darstellung der Prüfungsschwerpunkte ist auf der Homepage der ESMA und der FMA abrufbar.

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