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Dem Aufsichtsrat kommt bei der Prüfung nichtfinanzieller Informationen eine wesentliche Rolle zu. Gleichzeitig wird die Erwartungshaltung an Qualität und Belastbarkeit dieser Leistungskennzahlen von institutionellen Anlegern sowie der breiten Öffentlichkeit immer größer. Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen, zeichnen sich klare Richtungsentscheidungen bezüglich der Zukunft der nichtfinanziellen Berichterstattung ab.

Große Unternehmen von öffentlichem Interesse, welche im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, sind seit dem Geschäftsjahr 2017 verpflichtet, eine nichtfinanzielle Erklärung zu veröffentlichen. Da müssen Angaben zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen ebenso erfasst sein wie Informationen zur Achtung der Menschenrechte und Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Die Darstellung der nichtfinanziellen Informationen kann im Lagebericht integriert oder als gesonderter Bericht offengelegtwerden.

Gleichzeitig wird die Bedeutung und Belastbarkeit von Nachhaltigkeitsaspekten (ESG, engl: Environmental, Social, Governance) gerade auch für institutionelle Investoren immer wichtiger. Zwar werden diese Informationen gemeinhin als „nichtfinanziell“ bezeichnet, sie weisen jedoch sehr wohl einen Bezug zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens auf. Sie betreffen nicht nur die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, sondern zeigen auch Chancen und Risiken der Unternehmensentwicklung und rücken somit zunehmend in den Fokus des Kapitalmarktes. So geben inzwischen mehr als 75 Prozent der institutionellen Anleger an, auf sozial verantwortliche Fragen in ihrer Analyse und ihren Investitionsentschei-dungen erheblichen Wert zu legen.1

Rolle des Aufsichtsrats

Die nichtfinanziellen Informationen sind nach § 96 Aktiengesetz und § 30k GmbH-Gesetz vom Aufsichtstrat ebenso zu prüfen wie der Jahres-/Konzernabschluss und der Lagebericht. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Während Abschluss- und Lagebericht verpflichtend einer externen Prüfung durch einen Abschlussprüfer unterzogen werden, besteht bei der nichtfinanziellen Berichterstattung keine gesetzliche Prüfungspflicht. Die Aufgabe des Abschlussprüfers ist lediglich eine formale Prüfung, ob die erforderlichen nichtfinanziellen Berichtsinformationen vorhanden sind.

Der Aufsichtsrat kann damit bei seiner Prüfung nicht auf die Vorarbeit des Abschlussprüfers aufbauen. Daher ist es nicht überraschend, dass immer mehr Aufsichtsräte eine freiwillige inhaltliche Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung ihres Unternehmens anregen.

Freiwillige Prüfung der nichtfinanziellen Informationen

Diese kann grundsätzlich – je nach Auswahl der Prüfungstiefe – in zwei unterschiedlichen Formen erfolgen, die mit den Fachbegriffen „Prüfung mit hinreichender Sicherheit“ (reasonable assurance) bzw „Prüfung mit begrenzter Sicherheit“ (limited assurance) bezeichnet werden. Prüfungen mit begrenzter Sicherheit umfassen eine geringere Anzahl an Stichproben und setzen zudem weniger umfassende Prüfungshandlungen als solche mit hinreichender Sicherheit. Die Prüfung ist mit der Jahresabschlussprüfung vergleichbar und bietet dem Aufsichtsrat daher eine höhere Absicherung als Basis für seine eigenen Prüfungshandlungen. Der Prüfungsaufwand und die damit verbundenen Prüfungskosten sind daher auch höher als bei einer Prüfung mit begrenzter Sicherheit.

Eine Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung steigert auch die Aussagekraft der nichtfinanziellen Unternehmens-faktoren für institutionelle Anleger. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise innerhalb der deutschen DAX-30-Unternehmen bereits eine klare Entwicklung zu erkennen, vermehrt auf Prüfungen mit hinreichender Sicherheit zu setzen. In Österreich wird dieses Instrument derzeit noch selten eingesetzt. Es ist jedoch zu erwarten, dass auch hierzulande, nicht zuletzt aufgrund aktueller Entwicklungen auf EU-Ebene, Umfang und Tiefenschärfe der externen Prüfung zukünftig zunehmen werden.

Der European Green Deal

Rückenwind erfährt die erweiterte Offenlegung nichtfinanzieller Informationen auch durch den von der EU-Kommission im Dezember 2019 veröffentlichten „European Green Deal“. Dieser soll nicht nur zu klaren Berichterstattungsstandards auf europäischer Ebene führen, sondern verlangt vor allem auch eine öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der NFI-Richtlinie, welche die Offenlegungspflicht zu Nachhaltigkeitsbelangen für Unternehmen regelt. Im Juli dieses Jahres wurden erste vorläufige Ergebnisse der über 600 Stellungnahmen von Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und NGOs veröffentlicht. Diese ergeben ein klares Bild bezüglich zukünftiger Entwicklungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Insbesondere finden sich Forderungen zu folgenden Themen:

  • einem gemeinsamen, einheitlichen Berichtsstandard
  • strengeren Anforderungen für die Prüfung
  • vermehrt integrierter/kombinierter Berichterstattung sowie
  • einer Ausweitung der von der NFI-Richtlinie betroffenen Unternehmen

Die Konsultationsergebnisse werden momentan im sogenannten European Corporate Reporting Lab mit der Zielsetzung der Schaffung eines einheitlichen Standards aufbereitet.
Ein erster Zwischenbericht hierzu sollte demnächst veröffentlicht werden, ein endgültiger Abschluss wird im Jänner 2021 erwartet. Auch die EU Taxonomie-Verordnung im Rahmen des Sustainable Finance Action-Plan sieht eine Erweiterung der NFI-Berichterstattung vor und wird für das Geschäftsjahr 2021 zu berichten sein (Taxonomie-Scoring).

Zusammengefasst

Dem Aufsichtsrat kommt eine entscheidende Rolle bei der Prüfung nichtfinanzieller Informationen zu. Die nichtfinanziellen Kennzahlen werden für Investoren sowie die Öffentlichkeit immer wichtiger, um die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens besser beurteilen zu können. Ziel sollte es sein, eine ausreichende Belastbarkeit der Datenqualität und Vergleichbarkeit für die nichtfinanzielle Berichterstattung zu schaffen, um Anlegern die Möglichkeit zu geben Investitionsentscheidungen entsprechend substanzbasiert treffen zu können. Diese Entwicklung wird nicht zuletzt durch aktuelle Richtungsentscheidungen auf EU-Ebene gefördert. Zukünftig ist daher zu erwarten, dass auch von regulatorischer Seite die Rahmenbedingungen bezüglich der nichtfinanziellen Berichterstattung ausgeweitet werden.

1 Schmidt, M., & Strenger, C. (2019). Die neuen nichtfinanziellen Berichtspflichten – Erfahrungen mit der Umsetzung aus Sicht institutioneller Investoren.