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Lockdown, Kurzarbeit, unsichere Zukunftsaussichten – die COVID-19-Pandemie hat die Welt fest im Griff! Sie hat nicht nur zu gesellschaftlichen Verwerfungen geführt, die in diesem Ausmaß wohl kaum vorherzusehen waren, sondern stellt auch Unternehmen je nach Branche und Geschäftsmodell vor oftmals große Herausforderungen. Für die finanzielle und nichtfinanzielle Berichterstattung gilt es nun mehr denn je, in Zeiten von Unsicherheit die Lage des Unternehmens angemessen darzustellen.

Das Jahresende steht vor der Tür und die Unternehmen bereiten ihre Geschäftsberichte vor, sowohl das finanzielle Reporting in Form von Jahres-/Konzernabschluss und teilweise im Lagebericht als auch den nichtfinanziellen Teil im Lagebericht oder in einem separaten Nachhaltigkeitsbericht. COVID-19 spielt in diesen Berichten eine wesentliche Rolle. Zum einen kommen neue Themen wie die Bilanzierung von Kurzarbeit oder der Bilanzierungszeitpunkt von staatlichen Unterstützungen auf das Reporting zu – diese sind sachgerecht zu bilanzieren, wie das für andere Bilanzierungsfragen auch gilt. Zum anderen, und das in viel größerem Umfang, liegt die Herausforderung in der Berücksichtigung zukunftsbezogener Annahmen, wie sie beispielsweise zur Beurteilung einer außerplanmäßigen Abschreibung bzw Wertminderung des Anlagevermögens (Sachanlagen, Firmenwerte) erforderlich sind.

Speziell in dieser Zeit ist es nicht möglich, ein Patentrezept für die sachgerechte Darstellung der COVID-19-Auswirkungen im Geschäftsbericht zu geben, ist doch jedes Unternehmen je nach Branche und anderen Faktoren unterschiedlich stark betroffen.

Zukunftsbezogenen Annahmen in Zeiten COVID-19

Die Generalnorm eines Abschlusses liegt sowohl nach UGB als auch (geringfügig anders formuliert) nach IFRS in der Vermittlung eines möglichst getreuen Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens. Die Bilanzierung, insbesondere die Beurteilung der Werthaltigkeit von Vermögenswerten, ist abhängig von zukunftsbezogenen Annahmen. Gerade in Zeiten, die von hoher Unsicherheit über die künftige Entwicklung geprägt sind, ist es oft schwierig, innerhalb der Bandbreite möglicher Szenarien den wahrscheinlichsten Wert zu ermitteln, der dann für die Bilanzierung herangezogen wird. Im Lichte der derzeit beobachtbaren Unsicherheit und raschen Entwicklungen in der COVID-19-Pandemie ist es evident, dass die Festlegung auf die aus Sicht des Unternehmens wahrscheinlichsten Annahmen im Reporting mehr als sonst mit hoher Unsicherheit behaftet sind und sich die tatsächliche künftige Entwicklung zum Teil wesentlich davon unterscheiden kann. 

Ebenso werden auch die Abschlussadressaten bzw Analysten des Unternehmens ihre Einschätzungen auf Basis einer weiteren Bandbreite von Annahmen hinsichtlich der künftigen Entwicklung treffen müssen. Wichtig ist daher, die Annahmen des Managements sowie die Auswirkungen einer Änderung dieser Erwartungen auf das Unternehmen (zB mittels einer Sensitivitätsanalyse) transparent darzustellen und dem Abschlussleser auf diese Weise im Sinne der Generalnorm ein angemessenes Bild der Lage des Unternehmens zu vermitteln. In den Abbildungen 1 bis 3 finden Sie einen Überblick an Themen im Reporting, die erfahrungsgemäß meist im Jahresabschluss, dem Lagebericht und im Nichtfinanziellen Bericht an Bedeutung gewinnen.

Credo Transparenz

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass nicht im Disclaimer-Stil abstrakt auf Risiken hingewiesen wird, sondern die Annahmen bei der Bilanzierung sachgerecht und unternehmensspezifisch dargestellt werden. Zu achten ist auch auf eine konsistente und stimmige Erläuterung der Auswirkung der Krise in Anhang, Lagebericht und sonstigen Bestandteilen des Geschäftsberichts bzw der Investorenkommunikation. Auf diese Weise kann das Vertrauen der Investoren und anderen Stakeholder in das Unternehmen gestärkt werden.

Die Relevanz des Fokus auf transparente und unternehmensspezifische Unternehmensberichterstattung wird auch von internationalen Organisationen wie bspw der IOSCO, ESMA betont1. ESMA weist ua darauf hin, dass eine Darstellung, wie die Auswirkungen von COVID-19 erwartungsgemäß auf Cashflows, das Unternehmensergebnis und auf die finanzielle und nichtfinanzielle Situation, auf Unternehmensstrategie und Ziele beeinflusst werden, erforderlich ist.

Fazit

Die COVID-19-Pandemie und die dadurch veranlasste Rezession führen zu Herausforderungen für Unternehmen, die sich auch in Herausforderungen im Reporting auswirken. Transparente Angaben gewinnen an Bedeutung und dies kann dazu führen, dass möglicherweise zusätzliche, über die bisherigen Angaben hinausreichende, Informationen zum Verständnis der Lage des Unternehmens erforderlich sind. Dabei liegt der Fokus stärker als in der Vergangenheit auf transparenten und unternehmensspezifischen Angaben. Derartige transparente Angaben erfüllen nicht nur die Erwartungen von Regulatoren und Abschlussprüfern, sondern sind auch ein wichtiges Element zur Stärkung des Vertrauens der Investoren und anderer Stakeholder in das Unternehmen.

1 Vgl IOSCO „Statement on importance of Disclosure about COVID-19” (Mai 2020); ESMA Public Statement vom 20. Mai 2020.

Jahresabschluss
Lagebericht
NFI Bericht

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