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„Never waste a good crisis“, wie schon Winston Churchill sagte. Herausfordernde Zeiten verlangen nach neuen Lösungen und sollten auch dazu genutzt werden. Der Einsatz von Hyperautomation und die Verankerung einer Automatisierungsstrategie im Unternehmen kann ein möglicher Lösungsansatz sein.

Hyperautomation, die Technologiewerkzeugkiste

Hyperautomation beschreibt keine einzelne Technologie, sondern einen Ansatz, der unterschiedliche Automatisierungstechnologien miteinander verbindet. Sie ist eine Art „Technologiewerkzeugkiste“, die den Einsatz mehrerer Technologien gleichzeitig ermöglicht.

Dabei werden zum Beispiel durch Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) und Machine Learning regelbasierte und entscheidungsbasierte (kognitive) Unternehmensprozesse voll automatisiert. Bei Hyperautomation haben die neuesten Technologien Vorrang. Die Kerntechnologie besteht in der Regel aus Robotic Process Automation, welche eine Automatisierung sowie Umsetzung von regelbasierten Aufgaben und Prozessen ermöglicht. Künstliche Intelligenz (KI-)Technologien wie etwa Machine Learning oder Natural Language Processing statten die regelbasiert arbeitenden Softwarebots mit zusätzlichen Funktionalitäten aus. Auch sogenanntes Process- oder Desktop-Mining kann Unterstützung leisten. Diese Technologien analysieren die Arbeitsweise der Mitarbeiter und leiten daraus Prozessoptimierungen und Prozessautomatisierung ab.

Hyperautomation ist eine Art „Technologiewerkzeugkiste“, die den Einsatz mehrerer Technologien gleichzeitig ermöglicht.

Die Schritte zur Hyperautomation

Ist ein Unternehmen an einer Vollautomatisierung der Prozesse interessiert, so folgt im ersten Schritt eine flächendeckende Prozessanalyse, bei der Fragen wie die folgenden zu beantworten sind:

  • Was verlangt der Prozess? 
  • Welche Aktivitäten und Entscheidungen werden benötigt? 
  • Geht es um einfache Prozesse oder erfordert der Prozess eine Technologie, die mitlernt? 
  • Welchen Nutzen würde die Hyperautomation bieten?
  • Übersteigt der Nutzen den Implementierungsaufwand?

Auf Basis dieser Informationen erfolgt eine Evaluierung des Business Case. Zeigt dieser ein positives Ergebnis, steht den operativen Einführungsschritten nichts mehr im Wege.

Automatisierung

Der erste und zentrale Schritt im Hyperautomation-Konzept ist die unternehmensweite Potenzialidentifikation („Discover“). Dies kann sowohl mittels manuellem Ansatz (zB Ideenfindung über die KPMG Bot Bibliothek mit über 1.000 dokumentierten Automatisierungen) als auch durch den technologiegestützten Ansatz mithilfe von Task-/Process Mining erfolgen. Ist das gesamte Unternehmen oder einzelne Unternehmensbereiche auf Automatisierungspotenziale analysiert, gilt es eine Bewertung der Potenziale mittels Kosten-/Nutzenanalyse durchzuführen und daraus eine Priorisierung zu erstellen. Anschließend kann die Umsetzung auf Basis der durchgeführten Priorisierung gestartet werden („Build“). In den Phasen „Manage“ und „Run“ erfolgt die Ablaufplanung und die Produktivsetzung der Automatisierungen. Das laufende Monitoring und die Wartung der umgesetzten Automatisierungen soll in der Folge sicherstellen, dass die Anwendungen auch ordnungsgemäß funktionieren.

Je nach Prozess können neben isolierten Automatisierungen auch die Interaktion zwischen Bot und Mensch, zB via Workflow Tools oder ChatBots, adressiert werden („Engage“). In vielen Fällen kommen auch Data Analytics- und Visualisierungs-Instrumente zum Einsatz („Measure“), siehe Abbildung oben.

Herausforderungen

Hyperautomation ist mehr als nur der Einsatz von Robotern und Bots in einzelnen Prozessen. Sie ist Ausdruck einer Au-tomatisierungsstrategie, mit deren Hilfe das Unternehmen eine weitere Entwicklungsphase mit dem Ziel der nachhaltigen Zukunftssicherung erreichen soll. Daher ist eine entsprechende strategische Grundsatzentscheidung auf Ebene der Unternehmensleitung in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat erforderlich. Organisatorisch kann dies auch durch die Installation eines Chief Automation Officers mit entsprechenden Befugnissen unterstützt werden, dessen Aufgabe die (Weiter-)Entwicklung der Automatisierungsstrategie und die effiziente Umsetzung der Zielvorgaben dieser Strategie umfasst.