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Haben Sie ein großes Lager, welches Sie jährlich inventieren müssen? Führt die Zählung zu erheblichen Kosten aufgrund einer Lagerschließung und damit verbundenen Umsatzeinbußen, Überstunden und erhöhten Ressourceneinsatz? Dann könnte die „Stichprobeninventur“ eine mögliche Lösung für Ihre Anliegen sein.

Während diese sogenannte „Stichprobeninventur“ im DACH-Raum wenig bekannt ist, hat sie sich im anglo-amerikanischen Raum als eine bewährte Vereinfachungsmethode durchgesetzt, um die jährliche Inventur effizient und kostengünstig zu gestalten. Im § 192 Abs 4 UGB geregelt, gehört diese zu den Inventurvereinfachungsverfahren.  

Gemäß dieses Paragraphen kann die Ermittlung des Bestandes von Vermögensgegenständen nach Art, Menge und Wert auch auf der Grundlage anerkannter mathematisch-statistischer Methoden ermittelt werden.

Steuerrechtlich finden sich Informationen zu der Stichprobeninventur in EStR Rz. 2116ff.

In IFRS wird die Inventur nicht explizit erwähnt. Anerkennung findet diese durch die Regelungen in IAS 8.10-8.12 welche besagen, dass, die Übernahme von Verlautbarungen anderer Rechnungslegungsstandards erlaubt ist, wenn ein Sachverhalt nicht durch einen IAS-Standard oder eine Interpretation geregelt ist. Anzumerken ist auch, dass für Konzernabschlüsse, die gem. § 245a UGB erstellt werden, dieselben Regeln für eine Inventur gelten, wie für die UGB-Abschlüsse.

Die Stichprobenauswahl erfolgt systemunterstützt durch Zufall. Die Wahrscheinlichkeit einer Position in der Stichprobe ausgewählt zu werden, muss gleich sein. Möglich sind auch Klumpenstichproben, diese Auswahl erfordert eine Vorbereitung bei der Bildung der Gruppen.

Um die Strichprobeninventur anwenden zu können, sind einige Voraussetzungen zu beachten.

Der Bestand der Vorräte wird anschließend durch eine Hochrechnung der Stichproben ermittelt. Außerordentliche Abweichungen sollten vor der Hochrechnung geklärt werden.

Ziel einer Stichprobeninventur ist nicht die Erstellung eines Inventars, sondern die Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Lagerbuchführung und dient somit als ein Qualitätssicherungsinstrument für die Bereiche Materialwirtschaft und Controlling. Vor diesem Hintergrund ist eine laufende Bestandsführung eine wichtige Voraussetzung.

Beim Stichprobenverfahren wird zwischen Schätz- und Testverfahren unterschieden:

  • Schätzverfahren: der Inventurwert wird mittels einer Zufallsstichprobe geschätzt 
    • zB freie Hochrechnung: Mittelwertverfahren – einfache Zufallsstichproben, geschichtete Stichprobenverfahren: gebundene Hochrechnungsverfahren (in Österreich derzeit nicht zugelassen) 
  • Testverfahren: überprüft wird die Zuverlässigkeit der Lagerbuchführung (zB Sequentialtest)

Die Zuverlässigkeit des Verfahrens ist stark von der Stichprobengröße abhängig. Diese kann so ausgewählt werden, dass die angestrebte Genauigkeit erreicht wird und im Rahmen der Voruntersuchung zu ermitteln ist.

Diese Art der Inventur kann als Stichtags-, vor- und nachverlegte Inventur sowie als permanente Inventur durchgeführt werden.