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Insolvenzentwicklung

Die COVID-19-Pandemie und der von ihr ausgelöste Schock auf die Angebots- und Nachfrageentwicklung zeigt einen wirtschaftlichen Abschwung und hinterlässt erste Spuren. Das Bruttoinlandsprodukt brach im zweiten Quartal real (saisonbereinigt) um historische 12,1% gegenüber der Wirtschaftsleistung des ersten Quartals ein. Einige Sektoren mussten darüber hinaus einen doppelt so starken Einbruch verkraften. Im Vergleich dazu gab es im ersten Halbjahr 2020 laut KSV um 20 Prozent weniger Konkurse als im Vorjahr.

Bleibt der Sturm aus?

Nein. Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind gegenwärtig. Und mit ihr das hohe Maß an Verunsicherung bei Konsumenten, Unternehmen und in der Politik. So spiegeln beispielsweise die aktuellen Insolvenzzahlen die wirtschaftliche Realität nicht wider. Im Gegenteil.

Der KSV stellt fest, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Konkursvermeidung eine „falsche Medikation“ darstellen, die Insolvenzen verschleppen und notwendige Sanierungen von „kranken“ Unternehmen unterbinden. Tatsächlich haben die Institutionen, die Konkursanträge stellen, einerseits die Finanzämter und andererseits die Krankenkassen, die Anträge vorübergehend ausgesetzt. Damit ist gewiss: Mit Ende der Stundungen und Moratorien, etwa bei der Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge (Jänner 2021), wird es zu einem sprunghaften Anstieg der Insolvenzen kommen. Das ist eine von mehreren unangenehmen Wahrheiten mit der wir uns auseinandersetzen müssen.

Zur konkreten Höhe der zu erwartenden Anstiege gab es lange Zeit keine konkreten Prognosen, und auch jetzt lassen sich noch keine präzisen Aussagen treffen. Die jüngsten Daten zeichnen ein düsteres Bild. Der weltweit größte Kreditversicherer Euler Hermes bezeichnet COVID-19 als „Insolvenz-Zeitbombe“. Für Österreich wird ein Anstieg der Insolvenzen in den Jahren 2020 und 2021 von insgesamt 21 Prozent erwartet, falls es keine zweite Welle gibt. Daraus können bei einer globalen zweiten Welle plus 80 Prozent werden. Diese Zahlen basieren auf einer Einschätzung ohne frühzeitiger Zurücknahme der staatlichen Stützungen.

Diese Einschätzung wird in weiterer Folge auch für die österreichischen Banken zu einer Herausforderung. Einer Studie von Oxford Economics zufolge werden die Verluste aus notleitenden Krediten in Österreich sechs Milliarden Euro betragen – im günstigen Szenario. Kommt es zu einer zweiten Welle und weiteren restriktiven Maßnahmen, könnten sich diese Verluste auf bis zu 20 Milliarden Euro ausweiten. Auf europäischer Ebene würde dies laut Oxford Economics im ungünstigen Fall bedeuten, dass zwei Drittel der europäischen Banken zu wenig Kernkapital haben.

Obwohl diese Prognose mit hoher Unsicherheit behaftet ist, liegt doch das zu erwartende wirtschaftliche Szenario auf dem Tisch. Die transparente Auseinandersetzung damit ist ein erster wichtiger Schritt.

Die Zahlungsfähigkeit welcher Unternehmen soll gesichert werden? Welche Geschäftsmodelle sind nachhaltig? In welchen Bereichen sollten Arbeitskräfte und Kapitalressourcen gebunden werden und welche Bereiche verfügen über ein nachhaltiges Geschäftsmodell?

Nach einer ersten Phase schneller wirtschaftspolitischer Beschlüsse und Hilfsmaßnahmen ist nun Ruhe und verstärkter Weitblick geboten. Eine wohlüberlegte Weiterführung von Stützungsmaßnahmen, die Unternehmen mit aussichtsreichen Geschäftsmodellen die Möglichkeit bietet, die Krise auch als Chance zu begreifen. Stützungsmaßnahmen, die nicht den Wettbewerb verzerren, sondern Wettbewerbsfähigkeit erhalten und stärken. Eine ausgewogene Mischung aus Nachfrage- und Angebotsseitigen Maßnahmen, um die durch Corona verursachten Verluste langfristig aussteuern zu können.

Etwaige nicht durchgeführte, aber notwendige strukturelle Reformen reduzieren den Spielraum, zukünftig wirtschaftspolitische Impulse setzen zu können. Und auch das ist klar: Diese werden von zentraler Bedeutung für den Standort sein.

Dies gilt es transparent zu erkennen und mit ruhiger Hand umzusetzen und zu kommunizieren, damit die Unternehmen diese Impulse aufnehmen und ihre Wachstumspotenziale bestmöglich ausschöpfen können.

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