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Mit der Verabschiedung der EU-Taxonomie-Verordnung wurde ein wesentlicher Meilenstein für die Verwirklichung des EU-Aktionsplans „Sustainable Finance“ zur Finanzierung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten gesetzt. Für Unternehmen, die zu einer nichtfinanziellen Erklärung verpflichtet sind, ergeben sich weitere Vorgaben, um die Transparenz der ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten zu vergrößern.

Am 18. Juni 2020 wurde vom Europäischen Parlament das Gesetzgebungsverfahren zur Taxonomie-Verordnung1 formal abgeschlossen, welches Mitte Juli 2020 in Kraft trat. Ziel der Taxonomie ist es, eine Klassifizierung für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu schaffen. Inhalt der EU-Taxonomie ist eine Liste aller ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten, um die sechs folgenden Umweltziele bestmöglich zu erreichen: (1) Klimaschutz, (2) Anpassung an den Klimawandel, (3) nachhaltige Nutzung und Schutz der Wasser- und Meeresressourcen, (4) Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, (5) Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung sowie (6) Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.

Von der Taxonomie betroffen sind Finanzmarktteilnehmer, welche Finanzprodukte im EU-Raum anbieten, und Unternehmen, für welche die Verpflichtung gilt, eine nichtfinanzielle Erklärung abzugeben (Anwendungskreis des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes NaDiVeG). Die EU-Taxonomie erkennt eine Wirtschaftsaktivität als ökologisch nachhaltig an, sofern folgende Voraussetzungen eingehalten werden:

  • wesentlicher Beitrag zur Erfüllung eines der EU-Umweltziele
  • kein erheblicher Schaden der anderen EU-Umweltziele
  • Erfüllung der minimalen sozialen Sicherheitsstandards
  • entspricht den technischen Bewertungskriterien

Im Bereich der technischen Bewertungskriterien (Technical Screening Criteria TSC) existieren bereits Regelungen und Angaben für die ersten beiden Umweltziele, der Eindämmung (Klimaschutz) und der Anpassung an den Klimawandel. Im Zuge der Umsetzung der restlichen vier EU-Umweltziele werden in den kommenden Jahren weitere technische Prüfungskriterien in Form delegierter Rechtsakte veröffentlicht, die spätestens ab 1. Jänner 2023 Gültigkeit erlangen.

Erweiterung der Berichterstattung der NFI-Erklärung

Gemäß Artikel 8 EU-TAX-VO haben jene Unternehmen, die bereits dem NaDiVeG unterliegen und eine nichtfinanzielle Erklärung veröffentlichen, zusätzliche Informationen bereitzustellen.

Im Rahmen der NFI-Erklärung müssen Angaben geleistet werden, wie und in welchem Umfang Wirtschaftstätigkeiten im Sinne der EU-Taxonomie als ökologisch nachhaltig einzuordnen sind.

Nicht-Finanzunternehmen müssen folgende Angaben bereitstellen:

  • Den Anteil ihrer Umsatzerlöse, der mit ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten verbunden ist.
  • Den Anteil ihrer Investitionsausgaben und – soweit zutreffend – den Anteil der Betriebsausgaben, die mit ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten einzustufen sind.

Bis zum 1. Juni 2021 wird ein delegierter Rechtsakt, der Angaben über die Methoden zur praktischen Anwendung der Taxonomie näher erläutert, erwartet. Die Anwendung des Artikel 8 der EU-Taxonomie zu den ersten beiden Umweltzielen gilt ab 1. Jänner 20222 und wird damit schon für die Geschäfts-/Nachhaltigkeitsberichte 2021 anwendbar sein.3

Beispiel für ein Energieversorgungsunternehmen (EVU)

Unterliegt ein EVU der neuen Berichterstattungspflicht, könnte das Screening beispielsweise für den Bereich Stromerzeugung aus Wasserkraft erfolgen: Zuerst wird die Tätigkeit einer Wirtschaftskategorie zugeteilt. Die Einteilung richtet sich nach dem Klassifizierungsschema der NACE-Codes. Das Unternehmen zählt zum NACE Makro-Sektor D, Strom, Gas, Dampf- und Klimaanlagenversorgung und wird dem NACE-Level 4 zugeordnet. Die Wirtschaftstätigkeit, Stromerzeugung aus Wasserkraft, wird mit D. 35.1.1 kodifiziert.

Im nächsten Schritt muss analysiert werden, ob die Wirtschaftsaktivitäten zur Eindämmung des Klimawandels beitragen (1. Umweltziel) oder die Aktivitäten dahingehend angepasst wurden (2. Umweltziel), beziehungsweise zu beiden Zielen ein signifikanter Beitrag geleistet wird. Betrachtet man den Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels (1. Umweltziel) sind folgende Bewertungskriterien heranzuziehen (Technical Screening Criteria)4:

In die Taxonomie inkludiert ist aktuell der Bau und Betrieb von Stromerzeugungsanlagen, die Strom aus Wasserkraft erzeugen. Es kann jede Stromerzeugungstechnologie in die Taxonomie aufgenommen werden, wenn die gelisteten Bewertungskriterien (TSC) erfüllt werden. Eines der Bewertungskriterien ist beispielsweise die Anwendung der ISO 14067 oder des GHG Protocol Product Lifecycle Standard-compliant Product Carbon Footprint (PCF) Assessments. Weiters darf das Unternehmen keines der anderen Umweltziele erheblich beeinträchtigen. Dafür wird eine Liste, die sich im Anhang der technischen Prüfungskriterien befindet, herangezogen.

Als Nebenbedingung für die Qualifizierung als nachhaltige Wirtschaftsaktivität wird die Einhaltung bestimmter Sozialstandards verlangt. Das bedeutet die Einhaltung der Vorgaben der Internationalen Labour Organisation (ILO), gegebenenfalls auch die OECD-Leitsätze, die Leitprinzipien der Vereinten Nationen (UN) und die Charta der Menschenrechte.

Da die neuen Anforderungen an die Berichterstattung mehrere Herausforderungen mit sich bringen, ist eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der Analyse hinsichtlich EU-Taxonomie-Konformität notwendig.

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EXKURS NaDiVeG – NFI-Erklärung/Bericht

Betroffen von der Verpflichtung, eine nichtfinanzielle Erklärung zu erstellen, sind große Unternehmen von öffentlichem Interesse, welche im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen. Unternehmen von öffentlichem Interesse sind kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen.

Wichtig:

Die Anwendung des Artikel 8 der EU-Taxonomie zu den ersten beiden Umweltzielen gilt ab 1. Jänner 2022 und wird damit bereits für die Geschäfts-/Nachhaltigkeitsberichte 2021 anwendbar sein.

Grün

1 Verordnung (EU) 2020/852 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Juni 2020 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und zur Änderung der ­Verordnung (EU) 2019/2088 (EU-TAX-CO), ABIEU vom 22.06.2020 L 198, 13–43

2 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L:2020:198:FULL&from=EN (Art 27 Abs 2)

3 https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/200610-sustainable-finance-teg-
taxonomy-green-bond-standard-faq_en.pdf
 S.11

4 https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/200309-sustainable-finance-teg-
final-report-taxonomy-annexes_en.pdf
(S. 224 ff)