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So wie im Privatleben das Bewusstsein für Nachhaltigkeit stark gestiegen ist, steht das Thema auch im wirtschaftlichen Handeln immer mehr auf der Tagesordnung. Insbesondere der öffentliche Bereich muss zukünftig verstärkt seiner Verantwortung nachkommen. Möglichkeiten dazu bieten sich auch im IT-Bereich.

In zunehmendem Maße wurde es in den letzten Jahren für alle Teilnehmer am wirtschaftlichen Wertschöpfungsprozess notwendig, sich in den Bereichen Umwelt-, Sozial- und Corporate Governance weiterzuentwickeln, um die Leistungsfähigkeit und Resilienz zu steigern. Insbesondere Kosten, die den Unternehmen durch ihren CO2-Fußabdruck laufend entstehen, führen mehr und mehr zu einem Umdenken dahingehend, umweltbezogene Risiken stärker zu berücksichtigen sowie messbar zu machen.

Umweltrelevante Daten

Auch der öffentliche Sektor geht mit diesem Trend und sieht vermehrt den Bedarf an Climate Accounting-Systemen und den damit einhergehenden Standards als Basis für nachhaltige Entscheidungsfindungsprozesse. Im Fokus stehen dabei vor allem Zukunftstechnologien, die es ermöglichen eine akkurate Umweltbilanz zu erstellen und den jeweiligen CO2-Ausstoß bzw umweltrelevante Daten zu erheben und auszuwerten. Internet of Things (IoT) Sensoren, Künstliche Intelligenz (KI) und auch Blockchain-Technologien erweisen sich hierbei als zukunftsweisend. Dass dadurch große Herausforderungen auf die IT-Infrastrukturen des öffentlichen und privaten Sektors zukommen, scheint naheliegend.

Die Unmengen an Daten, die so generiert werden, können in einem ersten Schritt nur sinnvoll in Rahmen von Cloud-Lösungen nutzbar gemacht werden, die zweifelsohne das Rückgrat und die Basis moderner (Big) Data-Verwaltung und auch der gerade angeführten Technologien sind. Durch Cloud-Lösungen kann man auf die Anschaffung physischer Geräte verzichten und so einerseits die Kosten für IT-Infrastrukturen sparen und andererseits auch den ökologischen Fußabdruck durch die Vermeidung von Hardware-Beschaffung geringer halten. Natürlich sollte man beim jeweiligen Cloud-Anbieter immer darauf achten, dass dieser möglichst ressourcenschonend und umweltbewusst agiert und sein Rechenzentrum mit modernen, nachhaltigen Technologien ausgestattet ist.

Auf Cloud setzen

Hinsichtlich Cloud-Lösungen zeigt sich in der Praxis im öffentlichen Sektor, der sich bislang recht zurückhaltend gegenüber dieser Technologie verhalten hatte, einen Innovationsschub. Die COVID-19-Pandemie wird hier meist als maßgeblicher Digitalisierungs-Katalysator genannt. Dennoch gibt es Aufholbedarf, weil bisher zum einen oftmals Unsicherheit betreffend die gesetzlichen Rahmenbedingungen herrschte und es zum anderen nach wie vor zu Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Cloud-Diensten kommt. Mangelnde Standards in diesem Bereich begünstigen das zumeist. Eine objektive, fachmännische Einschätzung der Rechtslage in Bezug auf das jeweilige Einsatzgebiet sowie eine vernünftige Cloud- und Security-Strategie können diesen Bedenken jedoch entgegenwirken.

Neben diversen prozessualen und technischen Vorteilen liegt in Hinblick auf Nachhaltigkeit die Cloud-Technologie aber auf der Hand und trägt so maßgeblich zur Verringerung der CO2-Emissionen bei, welche auch von der Europäischen Kommission im Rahmen ihrer Digital Strategie aktiv für den öffentlichen Sektor beworben wird, um so einen Beitrag zur Klimaneutralität Europas bis 2050 zu leisten.

Durch die Nutzung von externen Netzwerken und Dienstleistungen via Cloud kann auf eigene lokale Server und die entsprechende Software verzichtet werden. Dadurch können ungenützte Kapazitäten in eigenen Rechenzentren vermieden werden, die bei lokalen Installationen unvermeidlich anfallen, da sie auf selten erreichte Spitzenbelastungen ausgelegt sind. Kostenersparnisse ergeben sich hierbei insbesondere durch verminderte Hardware-, Wartungs- und Stromkosten, die so einen entschiedenen Wettbewerbsvorteil bilden, gleichzeitig den CO2-Abdruck schmälern, die Anschaffung sowie Entsorgung von Geräten verringern. Vor allem Hybrid oder Multi Clouds ermöglichen es durch die gleichzeitige Verwendung mehrerer Cloud-Anbieter und -Lösungen für jeden Betriebsbereich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu erzielen und je nach Bedarf die Systemkapazitäten flexibel zu skalieren. Eine wettbewerbsfähige und nachhaltige IT-Infrastruktur wird in Zukunft somit nicht mehr ohne Cloud-Lösungen auskommen.

Um Abhängigkeiten der öffentlichen Hand zu vermeiden, wird seitens der Europäischen Kommission ebenfalls auf ein hybrides Modell aus öffentlichen und privaten Cloud-Anbietern gesetzt. Unter dem Stichwort Multi Cloud will die Europäische Kommission sicherstellen, dass eine Struktur gewählt wird, welche nicht an einen öffentlichen Cloud-Anbieter bindet. Dienste sollen von jenem Cloud-Anbieter bezogen werden, der für den angeforderten Dienst am besten geeignet ist, und entsprechend den Umweltschutzvorgaben der EU soll die Cloud-Lösung sowohl bei der Beschaffung als auch im Betrieb möglichst wenig CO2 verbrauchen.

Auch der Konsument von Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung profitiert durch die effizienteren Bearbeitungsprozesse seiner Anfragen und letztlich bessere und schnellere Serviceleistungen, die durch das gezielte Auswerten der gesammelten Datenmengen optimiert werden.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Wenn auf die Anschaffung von Hardware nicht verzichtet werden kann, ist es ratsam, bei der nachhaltigen Transformation der IT-Infrastruktur besonders folgende Punkte im Auge zu behalten: Bei der Beschaffung von Hardware(-komponenten) sollten Umwelt- und Sozialstandards beachtet werden, an die der Auftraggeber auch seine Zulieferer zu binden hat. Aufgrund seiner Vorbildwirkung ist hier insbesondere der öffentliche Sektor gefordert mit gutem Beispiel voranzugehen. Ebenso sollte bereits bei der Produktauswahl darauf geachtet werden, inwieweit das Produkt Upcycling, Reparierbarkeit und am Ende seines Lebenszyklus dem Reycycling zugänglich ist. Ziel muss hierbei immer die Verlängerung des Produktlebenszyklus und die Reduktion bzw gänzliche Vermeidung von Abfällen sein. Für die öffentliche Hand bedeutet dies, sowie für alle übrigen Wirtschaftsteilnehmer auch, den Ausbau und die Förderung intelligenter und bedarfsgerechter Einkaufsstrategien.

Aktuell zeigt sich in den hier geschilderten Bereichen ein großes Entwicklungspotenzial für den öffentlichen Sektor, der sich immer mehr diesen Technologien und dem Thema Nachhaltigkeit öffnet. Eine nachhaltige IT-Infrastruktur – ob öffentlich oder privat – muss schließlich energisch auf einen immer energieeffizienteren und emissionsarmen Betrieb umschwenken, um Klima- und Unternehmensziele erreichen zu können. Cloud-Technologien schmiegen sich nahtlos in diese Bemühungen ein. Durch das so ermöglichte Datenmanagement sind sie nur ein erster Schritt, um weiteren effizienzsteigernden Technologien den Weg zu ebnen.