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Die IFRS-Konzernabschlüsse der Unternehmen werden immer länger und schwerer verständlich. Nun hat der Standardsetter für die IFRS, das International Accounting Standards Board (IASB), auf diese Entwicklung reagiert:

Im Rahmen der „Disclosure Initiative“ hat das IASB Vorschläge zur Verbesserung vorgestellt1, 2. KPMG hat einen Faktencheck bei den ATX-Unternehmen durchgeführt.

In der Berichtsperiode 2018 umfasste der Konzernabschluss (als Teil des veröffentlichten Geschäftsberichts) der 20 im ATX gelisteten Unternehmen im Durchschnitt 108 Seiten3: Bei 25 Prozent der Unternehmen war das Dokument über 130 Seiten dick, bei 45 Prozent zwischen 80 und 130 Seiten stark und lediglich bei 30 Prozent dünner als 80 Seiten (Abb 1).

Bei der Gliederung und Gestaltung der Primary Statements nutzen die ATX-Unternehmen die von den IFRS eingeräumten Freiheiten. So konzentrieren sich die Unternehmen sowohl bei der Reihenfolge als auch der Gliederung der Primary Statements auf eine unternehmensspezifische Darstellung. 60 Prozent der Unternehmen beginnen ihre Primary State-ments mit der Gewinn- und Verlustrechnung und 40 Prozent mit der Bilanz.

Das Beste zum Schluss

Die Anhänge der einzelnen ATX-Unternehmen sind teilweise sehr unterschiedlich aufgebaut. Die vom IASB veröffentlichten Dokumente zeigen: Die Gliederung der Notes nach Themen anstatt nach den jeweiligen Posten der Bilanz bzw GuV bringt einige Vorteile mit sich. Bei der Gliederung nach Posten ergeben sich gezwungenermaßen Wiederholungen, weil die meisten Themen mehrere Posten der Bilanz und GuV betreffen können.

So findet man beispielsweise Erläuterungen zu Steuern an bis zu fünf Stellen im Anhang: bei den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und Schätzunsicherheiten zum Ansatz aktiver latenter Steuern sowie bei Angaben zu den Posten aktive latente Steuern, passive latente Steuern, Ertragssteueraufwand/-ertrag und Steuern im OCI (Other Comprehensive Income). Im Gegensatz dazu erfolgt bei einer Gliederung nach Themenbereichen die Darstellung sämtlicher zu einem Thema gehörigen Angaben in einem Kapitel.

Trotz dieser Argumente und Vorteile zeigen die Ergebnisse der KPMG Erhebung: Die ATX-Unternehmen folgen bei der Gliederung der Angaben im Anhang den einzelnen Bilanz- und GuV-Posten. So hat im betrachteten Zeitraum kein ATX-Unternehmen seinen Anhang zur Gänze nach Themenbereichen gegliedert.

Umfang des Konzernabschlusses
Umfang des Konzernabschlusses

Das Wichtigste zuerst

Die IFRS räumen den Unternehmen in Bezug auf die Gestaltung der Angaben im Anhang Freiräume ein. Dies bietet die Möglichkeit, mit dem Wichtigsten und Interessantesten zu beginnen. Dazu zählen in der Regel nicht die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden. Die Auswertung zeigt jedoch, dass 75 Prozent der untersuchten Unternehmen in ihrem Anhang sämtliche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden vor den eigentlichen Erläuterungen darstellen. Vereinfachungs- und Kürzungspotenzial im Anhang besteht in der Darstellung der jeweiligen Bilanzierungs- und Bewertungsmethode gemeinsam mit den übrigen Angaben zu einem Themenbereich – bestenfalls innerhalb der in einem Punkt zusammengefassten Informationen zu einem Themenbereich. Immerhin 40 Prozent der ATX-Unternehmen stellen die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und Ermessensentscheidungen bzw Schätzunsicherheiten bereits zumindest zum Teil gemeinsam mit den jeweiligen Erläuterungen zu den Posten dar. In 60 Prozent der Anhänge sind diese getrennt von den übrigen Anhangangaben dargestellt (Abb 2).

Mut zur Lücke

Kürzungspotenzial für den Anhang ergibt sich ebenso aus der Eliminierung nicht relevanter oder unwesentlicher Informationen. Beispielsweise beschreiben manche Unternehmen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zu Kategorien von Finanzinstrumenten, die bei ihnen gar nicht existieren. Im Zuge der „Disclosure Initiative“ stellte das IASB ausdrücklich klar, dass Angaben zu unwesentlichen Themen nicht erforderlich sind, auch wenn sie vom Standard explizit verlangt werden (IAS 1.31).

Dies führt zu einer Fokusierung auf die wesentlichen Themen. Sämtliche ATX-Unternehmen machen momentan Angaben zu nahezu allen Positionen der Bilanz und GuV und erläutern diese auch jeweils in den Notes. In diesem Zusammenhang besteht noch Potenzial zur entsprechenden Fokussierung und zu mehr „Mut zur Lücke“. Dies muss allerdings einhergehen mit einer entsprechenden internen Dokumentation, warum bestimmte Informationen für unwesentlich gehalten und weggelassen wurden. Bei Unklarheiten zur Beurteilung der Wesentlichkeit bietet das „IFRS Practice Statement 2: Making Materiality Judgements“ Orientierung.

Luft nach oben

Die Erhebung hat gezeigt: Die berichtenden Unternehmen gehen zunehmend in Richtung fokussierter und adressatengerechter Kommunikation im Rahmen der Berichterstattung – im Sinne der „Better Communications Projekte“ des IASB. Doch es besteht noch Potenzial für weitere Verbesserungen in der Berichterstattung:

  • Die Primary Statements sind bereits mehrheitlich unternehmensspezifisch gegliedert. In weiterer Folge gilt es, laufend zu prüfen, ob die aktuellen Erläuterungen zu einzelnen Bilanz- und GuV-Posten für das Unternehmen wesentlich bzw notwendig sind. Durch den Verzicht auf nicht wesentliche Erläuterungen kann der Umfang des Anhanges reduziert werden.
  • Die Gliederung der einzelnen Erläuterungen folgt bisher tendenziell der Struktur der Bilanz und GuV. Eine Strukturierung entlang der wesentlichen unternehmensrelevanten Themen und Zusammenführung aller erforderlichen Angaben in ein Kapitel führt zu einer besseren Übersicht und vermeidet Wiederholungen.
  • Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden meist noch zu Beginn des Anhanges angeführt, obwohl dies nicht zwingend erforderlich ist. In Bezug auf die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden gilt es zu prüfen, ob diese ausreichend unternehmensspezifisch und für das Verständnis des Abschlusses tatsächlich relevant sind. Des Weiteren kann die integrierte Darstellung mit den jeweiligen Erläuterungen zusätzlich zur besseren Lesbarkeit und Verkür-zung des Anhanges beitragen.

Autoren

Julia Roth

1 Vgl IASB Discussion Paper DP/2017/1, March 2017, Disclosure Initiative—Principles of Disclosure, Abschnitt 2.6.
2 Vgl ua Case Study 1 in IFRS® Foundation Disclosure Initiative—Case Studies, Better Communication in Financial Reporting, downloadbar unter https://www.ifrs.org/-/media/project/disclosure-initative/
better-communication-making-disclosures-more-meaningful.pdf? (August 2019)
3 Für den Umfang des Konzernabschlusses wurde die Seitenanzahl
des IFRS-Abschlusses vom Beginn der Primary Statements bis
zum Ende des Bestätigungsvermerks herangezogen.

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