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Welche Veränderungen können in die Zeit nach COVID-19 mitgenommen werden und dazu beitragen, das Unternehmen hinsichtlich der Gestaltung ihrer Arbeitsweisen (flexibles Arbeiten, Prozesse/Strukturen, Digitalisierung) auf ein nächstes Level zu heben?

Unternehmen stellen sich diese Frage, weil sie mit der spontanen Veränderung der Arbeitsweisen in der Corona-Krise großen Risiken ausgesetzt und enorm investiert haben. Die Veränderung in Richtung mobiler Arbeitsweisen und intensiver Nutzung digitaler Werkzeuge hat sich im März in den meisten Unternehmen innerhalb von ein oder zwei Wochen vollzogen. Eine derartige Transformation erfordert normalerweise einen Zeitraum von zwei bis vier Jahren. Mangels Alternativen mussten Unternehmen den Sprung in Richtung Homeoffice und intensivierter Digitalisierung wagen.

Es hat sich gezeigt, dass dieser Sprung nach vorne erfolgreich vollzogen wurde und im Zuge dieses hyperschnellen Veränderungsprozesses ein Asset geschaffen wurde (Kompetenzaufbau, neue Arbeitsweisen, Akzeptanz, etc). Dieses Asset gilt es jetzt – nach der akuten Corona-Phase – nicht wieder zu verlieren. Es stellt sich die Frage, welche dieser neuen Best Practices jetzt festgehalten und nachhaltig in neue, digitalisierte und auch verschlankte Arbeitsweisen übersetzt und in eine bestehende Unternehmensorganisation und -kultur nachhaltig integriert werden können. Denn es besteht kein Grund, die getätigten Investitionen und eingegangen Risiken ohne nachhaltiges Ergebnis verpuffen zu lassen.

Wie soll der Übergang in eine neue Arbeitswelt in den nächsten Wochen und Monaten aussehen?

Wie könnte dieser Übergang aussehen? Ein Beispiel: Homeoffice von 100 Prozent plötzlich auf null herzunterzufahren würde in der Belegschaft für Unmut und Unverständnis sorgen. Wie sollte ein Übergangsszenario aussehen und welche Regelung soll für die Zukunft geschaffen werden? Wie sollten die organisatorischen Rahmenbedingungen für mobiles Arbeiten gestaltet sein und wie führt der Weg dahin? Idealerweise führt die zukünftige Nutzung mobiler Arbeitsweisen zu verschlankter Büroinfrastruktur und in Folge zu substanziellen Kosteneinsparungen.

Außerdem trägt mobiles Arbeiten auch wesentlich zur Arbeitgeberattraktivität bei. Das ist wichtig, wenn mittelfristig der Fachkräftemangel wieder spürbar wird. Deshalb ist es erfolgskritisch, einen Entwicklungspfad zu gestalten, den alle MitarbeiterInnen gewillt sind in den kommenden Wochen und Monate mitzugehen und aktiv zu unterstützen. Ebenso verhält es sich in Bezug auf die Nutzung digitaler Werkzeuge. In der akuten Corona-Krise war plötzlich fast alles möglich. Bedenken und Vorbehalte sind gefallen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben außerordentlich schnell neue Kompetenzen im Umgang mit diesen Instrumenten entwickelt. Wie kann auch dies in eine nachhaltige Veränderung übersetzt werden und wie schaut der Weg dahin aus? Insbesondere vor dem Hintergrund, wenn auch hier die Möglichkeit besteht, Strukturen und Prozesse zu verschlanken, zB mit dem Ziel nachhaltig Kosten einzusparen oder ggf auch Kundenservices durch schnellere Reaktionszeiten mit Hilfe der Digitalisierung zu verbessern.

Gerade eine Verschlankung des Unternehmens kann in der Phase des Hochfahrens erfolgskritisch sein, denn es bestehen weiterhin erhebliche Marktrisiken, die es zu bewältigen gilt. Ebenso wird es wichtig sein, auf ähnliche Szenarien, wie jetzt im März und April 2020 auch zukünftig vorbereitet zu sein. Idealerweise gibt es zukünftig für ein Unternehmen keinen fundamentalen Unterschied für das Arbeiten in Krisenzeiten – wie diesen – und krisenfreien Perioden. Flexibel-agiles Arbeiten und Digitalisierung sind Resilienzfaktoren, wie die aktuelle Situation gezeigt hat. Diese Resilienzfaktoren als Schutzschild zu erhalten und sogar auszubauen, stellen einen weiteren kritischen Erfolgsfaktor für die nächste Monate dar und darüber hinaus eine wichtige Investition in die kommenden Jahre.